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Überfall in Siegsdorf steckte hinter SEK-Einsätzen

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In der Scheibenstraße in Traunstein nahmen SEK-Beamte am Mittwoch einen Mann und eine Frau fest. Die Frau ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. (Foto: Schwaiger)

Jetzt ist klar, was hinter den Einsätzen eines Spezialkommandos der Polizei in Traunstein, Siegsdorf und Prien steckt: ein Überfall auf zwei Männer am Dienstagabend in einer Wohnung in Siegsdorf. Im Laufe des Mittwochs konnte die Polizei fünf Männer und eine Frau festnehmen. Die Frau ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. Das Auftauchen von vermummten SEK-Beamten hatte am Mittwoch für viele Spekulationen in Traunstein gesorgt (wir berichteten).


Die fünf verhafteten Männer sollen am Dienstag gegen 19.30 Uhr in die Wohnung eines 23-jährigen Siegsdorfers gekommen sein und Bargeld gefordert haben. Die Polizei glaubt, dass es dabei um Drogengeschäfte gegangen sein könnte. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, sollen die fünf Männer den 23-Jährigen und seinen 32-jährigen Bekannten – er befand sich zum Zeitpunkt des Überfalls ebenfalls in der Wohnung – körperlich misshandelt haben. Die Täter sollen auch eine Schusswaffe bei sich gehabt haben.

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Weil die Männer kein Bargeld bekamen, nahmen sie diverse Wertgegenstände aus der Wohnung mit. Als sie verschwunden waren, begab sich der 23-Jährige in ärztliche Behandlung. Er hatte erhebliche Gesichtsverletzungen erlitten. Sein Bekannter überstand den Überfall leicht verletzt.

Bei ersten Vernehmungen der Opfer am Dienstagabend ergaben sich Hinweise auf die Identität der Täter. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Traunstein durchsuchte die Polizei im Laufe des Mittwochs eine Wohnung in Traunstein und mehrere Wohnungen in Prien und nahm dabei fünf Männer im Alter von 23, 25, 30, 34 und 37 Jahren sowie zunächst auch die 21-Jährige fest. Die junge Frau aus Traunstein war zum Zeitpunkt des Überfalls aber nicht in der Wohnung in Siegsdorf, eine anderweitige Tatbeteiligung überprüft die Polizei derzeit noch.

Schusswaffe war im Spiel

Da bei dem Überfall auch eine Schusswaffe im Spiel gewesen sein soll, beteiligten sich SEK-Beamte an der Polizeiaktion. Die Sachbearbeitung hat das zuständige Fachkommissariat der Kriminalpolizei Traunstein übernommen. Die fünf Verhafteten wurden am Donnerstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Traunstein dem Ermittlungsrichter zur Prüfung der Haftfrage vorgeführt. Sie werden sich wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten müssen.

Den ganzen Mittwoch über hatte der Einsatz angedauert. Die Polizei hielt sich bis Donnerstagvormittag bedeckt über die Hintergründe. »Jede Information wäre riskant für den Einsatzerfolg«, meinte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim.

Dennoch verbreitete sich die Nachricht von den SEK-Einsätzen rasch. Mehrere Anwohner hatten am Mittwoch gegen 6 Uhr in der Scheibenstraße in Traunstein das Großaufgebot der Polizei beim Einsatz beobachtet. Manfred Huber, der sich gegen 6.30 Uhr auf den Weg in die Arbeit machte und am Einsatzgeschehen vorbeifuhr, schildert im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt: »Es standen sieben, acht Polizeiautos, auch Kombis, auf der Straße. Sie blockierten eine komplette Fahrbahnspur.« Huber sah mehrere Polizisten, darunter auch einen SEK-Beamten mit schwarzer Maske. Der Einsatz spielte sich laut seinen Aussagen auf Höhe des Areals der Freiwilligen Feuerwehr Traunstein ab.

Einer der Verhafteten erlitt eine Art Schock

Ein weiterer Anwohner schilderte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass auch ein Notarztwagen sowie ein Krankenwagen am Einsatzort gewesen waren. Das bestätigte am Donnerstag ein Sprecher der Polizei: Ein Festgenommener soll »über Beschwerden geklagt haben«, nachdem die SEK-Beamten seine Wohnung gestürmt hatten. Der Verhaftete muss beim Anblick der maskierten Polizisten wohl eine Art Schock erlitten haben.

Er und die 21-jährige Frau wurden in Traunstein festgenommen, die anderen vier verhaftete die Polizei in Prien. san

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