weather-image

ÖPNV-Veränderungen sind »ein dickes Brett«

1.0
1.0

Über die Neustrukturierung des ÖPNV diskutierten die CSU-Kreistagsfraktion und die CSU-Bürgermeister mit dem Sachverständigen Stephan Kroll bei der Klausurtagung in Seeham. »Ein Verkehrsangebot wie in München werden wir nie bekommen, aber einen passenden Schülerverkehr und gut abgestimmte weitere Fahrten in alle Orte des Landkreises«, so die Meinung von Landrat Hermann Steinmaßl.


Zur Entwicklung eines neuen Gesamtkonzeptes für Schiene und Bus wurde die Firma Nahverkehrsberatung Südwest aus Heidelberg beauftragt. Kroll stellte den CSU-Politikern den endgültigen Konzeptentwurf vor: dazu gehört das Zielnetz mit abgestimmten Taktzeiten der Busse und der Bahn, ein Verbundtarif mit einheitlichem Fahrschein und Preis bei allen Busunternehmen im Landkreis und der notwendige Ausbau der Infrastruktur.

Anzeige

Landrat Steinmaßl machte deutlich, dass der Landkreis und die Gemeinden über sechs Millionen Euro für den Schülerverkehr und nochmals rund 350 000 Euro Ausgleichsleistungen des Landkreises für den weiteren ÖPNV, wie Stadt- und Ortsbusse, Nachtexpress, etc. ausgeben müssen. »Deshalb muss unser Ziel sein, dass wir bestimmen, welche Buslinien wie oft und zu welchen Zeiten angefahren werden und uns das nicht von den Unternehmen diktieren lassen«, kritisierte Steinmaßl. Dass es sich bei den geforderten Veränderungen um ein »dickes Brett handelt, das es zu durchbohren gilt«, räumte Steinmaßl ein. Hauptgrund sind nach Aussage von Kroll die Konzessionen der Busunternehmer. Derzeit hat der Kreis um die 70 Einzelverträge, die meisten Verträge sind mit dem RVO geschlossen.

»Ein Hauptansatzpunkt muss die Harmonisierung der Konzessionslaufzeiten sein«, sagte Kroll. Sigi Walch sah das Problem darin, dass die Busunternehmer Angst um ihre Konzessionen und Angst vor Veränderungen haben. »Diese Angst muss in Gesprächen mit den Unternehmern ausgeräumt werden«, erläuterte Walch. Tachertings Bürgermeister Hans Hellmeier sagte, dass sich der Landkreis oder die Gemeinden selbst sicherlich keinen Fuhrpark zulegen wollten, sondern mit den Unternehmern ein besseres Linienkonzept entwickelt werden müsse. »Wir wollen keine Konkurrenz unter den Unternehmern um die Konzessionen, sondern um den Fahrgast«, machte Walch deutlich.

Als Beispiel eines optimierten Zielnetzes nannte Kroll die Entzerrung der Schulanfangszeiten. »In 93 Prozent der Schulen im Landkreis beginnt der Unterricht zwischen 7.45 und 8 Uhr.« Hier bestehe ein großes Staffelungspotenzial. Das bedeute, dass manche Busse mehrere Linien fahren könnten. Der Busunternehmer müsse nicht so viele Busse in der Stoßzeit bereitstellen. Bürgermeister Stephan Bierschneider wollte wissen, ob eine Zusammenlegung des Schülerverkehrs der Grundschule mit der Förderschule möglich sei. Darauf antwortete Kroll, dass eine gemeinsame Fahrt mit leicht behinderten Kindern durchaus denkbar wäre.

Auf Nachfrage von Sigi Walch, wie sich die Streichung der Parallelfahrten der Busse zur Bahn auf der Traun-Alz-Achse auf die Fahrgastzahlen der Bahn auswirke, antwortete Steinmaßl, dass die Zugführer von einer geringfügigen Verbesserung sprechen. Bürgermeister Konrad Schupfner fühlte sich bestätigt, dass die Fahrpläne dringend mittels Wabentarifen exakt aufeinander abgestimmt werden müssen. Kroll erläuterte, dass die Einführung eines Wabentarifes möglich sei, aber er rate dringend dazu, dass eine unternehmensunabhängige Stelle die Abwicklung übernehme. »Idealerweise ist diese Stelle im Landratsamt angesiedelt.«

Für schwach frequentierte Räume könne sich Kreisrat Robert Aigner aus Fridolfing eine Taxirufzentrale vorstellen. Kroll erläuterte am Beispiel von Übersee eine sinnvolle Buslinienplanung abgestimmt auf die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Bahnlinie München-Salzburg. »Eine attraktive Busverbindung nach Reit im Winkl ohne lange Wartezeiten ist möglich«. Die CSU-Fraktion war sich einig, das ÖPNV-Konzept auf den Weg zu bringen. Allerdings seien die Veränderungen nur zusammen mit den Gemeinden umsetzbar. »Wir müssen die gesamten Ausgaben von Gemeinden und Landkreis bündeln und die Schritte nacheinander abarbeiten«, fasste Landratskandidat Sigi Walch zusammen. Nur so könne die Attraktivität des Nahverkehrs gesteigert werden. Bjr