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Ärzte hatten unzumutbare Belastung

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Die neuen Strukturen im Ärztlichen Bereitschaftsdienst haben Vor- und Nachteile. Für Patienten kann die Auflösung der Dienstgruppe Ruhpolding allerdings bedeuten, dass sie nachts länger auf einen Arzt warten müssen.

Traunstein. Die Dienstbereiche für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst im südlichen Landkreis Traunstein werden mit dem heutigen Donnerstag neu organisiert. Die Umstrukturierungen seien nötig geworden, da die Dienstgruppe Ruhpolding seit Anfang des Jahres die notwendige Mindestzahl von 15 Ärzten unterschreite und daher die dort Bereitschaftsdienst leistenden Ärzte unzumutbaren Dienstbelastungen ausgesetzt seien, teilt die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) in einer Pressemeldung mit.


Der Bereitschaftsdienst, den niedergelassene Ärzte nachts, an Wochenenden und an Feiertagen zusätzlich zu einer durchschnittlich 50 Stunden umfassenden Arbeitswoche leisten, sei nicht nur ein erheblicher Stress für den einzelnen Arzt, sondern auch eine Belastung für die Familie, so die KVB.

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»Es gibt Tage, da bin ich um 7.15 Uhr im Altenheim und in der Nacht musste ich dreimal raus. Danach geht es in meine Praxis – und das nach kaum Schlaf«, erzählt Dr. Kathrin Schraube, Allgemeinmedizinerin aus Traunstein. Sie will die Menschen vor allem dafür sensibilisieren, dass sie wirklich nur beim Bereitschaftsdienst anrufen, wenn in der Nacht akut Probleme auftreten. »Es ist an der Tagesordnung, dass ich um 24 Uhr geweckt werde, weil jemand Kopfschmerzen hat, die aber nicht plötzlich aufgetreten sind, sondern schon den ganzen Tag über da waren.« Die Menschen sollten sie nicht falsch verstehen. »Wenn es akut ist, dann helfe ich gerne. Das ist meine Aufgabe«. Doch in weniger schlimmen Fällen – wenn man zum Beispiel auch bis zum nächsten Tag warten kann – sollte man nachts nicht gleich zum Telefon greifen.

Der Vorteil der Umstrukturierung sei, dass die Ärzte nun weniger häufig Bereitschaftsdienst hätten, weil sich mehr Ärzte das Gebiet teilen, sagt Dr. Schraube. Der Nachteil sei aber, dass jeder Arzt nun weitere Wege zurücklegen müsse und Patienten möglicherweise länger warten müssten.

Doch die Alternative wären erhebliche Lücken in der Bereitschaftsdienstversorgung gewesen, schreibt die KVB. Ohnehin sollten Hausbesuche im Bereitschaftsdienst künftig in der Regel nur noch dann erfolgen, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht, betont auch die Kassenärztliche Vereinigung. Im Bundesmantelvertrag der Ärzte stehe dazu, dass Patienten »einen Anspruch auf Besuchsbehandlung nur haben, wenn ihnen das Aufsuchen des Arztes in dessen Praxisräumen wegen Krankheit nicht möglich oder nicht zumutbar ist«.

Aus Sicht der KVB ist die Häufigkeit der Bereitschaftsdienste für junge Mediziner ein schwerwiegendes Argument gegen die Niederlassung in einer eigenen Praxis. Daher sollten mit der Umstrukturierung nicht nur die heute dienstverpflichteten Ärzte entlastet werden, sondern es sollte dadurch auch die Übernahme einer Praxis auf dem Land wieder attraktiver werden. »Denn nur, wenn wieder ausreichend Mediziner bereit sind, sich in eigener Praxis niederzulassen, wird der Bereitschaftsdienst langfristig aufrechtzuerhalten sein«, teilt die Kassenärztliche Vereinigung mit.

Die neue Situation im Ärztlichen Bereitschaftsdienst im Überblick:

Die bisherige Dienstgruppe Traunstein/Chieming wird aufgelöst. Dienstgebiet und teilnehmende Ärzte werden auf die benachbarten Dienstgruppen aufgeteilt.

Das Dienstgebiet Traunstein wird mit der bisherigen Dienstgruppe Ruhpolding, welche bisher die Bereiche Siegsdorf, Bergen, Inzell und Ruhpolding abdeckte, zusammengelegt.

Das Bereitschaftsdienstgebiet Traunreut wird in Richtung Südwesten von Hurt über Matzing bis nach Chieming ausgedehnt. Die südwestliche Grenze verläuft nun direkt am Chiemsee, sodass das neue Dienstgebiet bis nach Arlaching, Burgham und Döging reicht. An das Bereitschaftsdienstgebiet Traunreut schließt sich südlich die neue, vergrößerte Dienstgruppe Traunstein/Ruhpolding an. Dieses reicht von Nußdorf, Arleting und Straß im Norden über Oberau, Jahn, Surberg, Siegsdorf, Thal, Wimm und Thurn bis nach Inzell, Einsiedl und Seehaus.

Im Westen grenzt das Dienstgebiet Traunstein/Ruhpolding entlang der Ortschaften Sulzen, Klaus und Bergen sowie Sossau und Grabenstätt an das Dienstgebiet der Gruppe Grassau/Unterwössen.

Den ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichen Sie unter der bundesweit kostenlosen Rufnummer 116 117. KR