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Ärger mit dem Gauverband endlich aus der Welt schaffen

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Für 50 Jahre Mitgliedschaft und besondere Verdienste um den Verein erhielten das Goldene Gauehrenzeichen (von links) Elisabeth Freimoser, Rudi Haberlander, Elisabeth Forstmaier, Engelbert Schweiger, Ilse Purzeller, Ignaz Schneider, Annette Nieder und neben ihr Jakob Schmaus vom Gebietsvertreter des Gauverbands, Alfred Gehmacher (hintere Reihe rechts), und von Vorstand Anton Senoner (vorne rechts). (Foto: Feil)

Ruhpolding – Das 125. Gründungsjubiläum wird 2018 nur im kleinen Rahmen gefeiert – die Querelen mit dem Gauverband sind nach wie vor nicht bereinigt, so der frühere Vorstand Hermann Feil bei der Generalversammlung des GTEV »D' Miesenbacher« Ruhpolding.


Schriftführerin Rita Reiter gab den konstant gebliebenen Mitgliederstand von 658 Vereinsangehörigen bekannt und informierte über die zahlreichen Aktivitäten des Vereins.

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Die Berichte der Gruppenvertreter beinhalteten ebenfalls viele ereignisreiche Veranstaltungen. So belebte zum Beispiel die Kindergruppe unter Leitung von Andrea Lex in der Vorweihnachtszeit den alten Brauch des Klopferergehens. Der Erlös wurde sozialen Zwecken zugeführt, was mit einem spontanen Applaus quittiert wurde.

Gemeinschaftsheimatabend mit drei Vereinen

Die aktive Gruppe mit 28 Dirndln und 12 Buam beteiligte sich unter anderem an einem Gemeinschaftsheimatabend der Trachtenvereine aus Inzell, Ruhpolding und Reit im Winkl in Seegatterl. Bei diversen Preisplattln wurden im Kinder- und Jugendbereich viele Spitzenplätze erreicht. Veronika Steinbacher, Bernhard Schmid und Michael Meisl sind in der Gaujugendgruppe vertreten. Leider sei seit längerem ein Leistungsabfall zu beobachten, hieß es. Man werde aber versuchen, diesem Abwärtstrend entgegenzuwirken.

Für die Trachtenkapelle berichtete Christine Schuhbeck, dass man aufgrund akuten Nachwuchsmangels in Erwägung gezogen habe, die Miesenbacher Musi aufzulösen. Dies sei jedoch vorerst abgewendet und Schuhbeck präsentierte sichtlich gerührt mit Georg Baumgartner einen neuen Kapellmeister und Hoffnungsträger. Der fehlende Nachwuchs bleibe jedoch das größte Problem. Man werde in nächster Zeit auswärts nicht mehr mitmarschieren können.

Kassier Franz Bichler musste einen kleinen Verlust bekanntgeben, aber die Vereinsfinanzen stünden grundsätzlich auf soliden Beinen. Trotzdem müsse man die Ausgaben im Auge behalten. So seien 2016 wegen der vielen Trachtenfeste hohe Reisekosten angefallen. Dies sei ja auch in Ordnung und schließlich Sinn und Zweck des Vereins; wegen der häufig geringen Auslastung der Busse bestehe jedoch durchaus Einsparpotenzial.

Vorstand Senoner ging auf die Veranstaltungen ein und lobte alle Beteiligten. Äußerst beeindruckend war für ihn der Festzug zur Oktoberfesteröffnung. Das Ruhpoldinger Standkonzert mit den Rauschbergern, den Schützen und dem Holzknechtverein wird wohl noch lange in Erinnerung bleiben.

Weitere Höhepunkte waren das Trachtenfest in Burgberg im Allgäu, das Chiemgau-Alpenverband-Gaufest in Unterwössen und das Ruhpoldinger Dorffest. Ein besonderer Dank ging an die Röckifrauen für ihren unermüdlichen Einsatz beim Bergadvent im Holzknechtmuseum. Senoner appellierte an die Männer, auf eine originale Tracht zu achten. So werde in letzter Zeit die forstgrüne Hose gerne durch die Stresemannhose ersetzt. Dagegen sei eigentlich nichts einzuwenden, aber zum Beispiel bei kirchlichen Festen wolle man ein einheitliches Bild abgeben.

Mitglieder sollen auch mal feiern und nicht nur arbeiten

Abschließend gab es einen Ausblick auf kommende Veranstaltungen. Das »125-Jährige« werde man 2018 nach dem »Gaufest-Gigantismus« für Miesenbacher Verhältnisse nur in sehr bescheidenem Rahmen begehen. Die Mitglieder sollten auch einmal feiern und nicht immer nur arbeiten. Jedoch sei für 2018 wieder eine Waldweihnacht geplant – niemand brauche also Angst haben, dass es langweilig werde. Am 1. Mai werden die Miesenbacher einen neuen Maibaum am Dorfbrunnen aufstellen. Dieser sei jedoch bereits Anfang des Jahres in einer Nacht- und Nebelaktion ins Gamsgebirg' nach Schleching entführt worden.

Unglaubliche 80 Jahre im Verein ist Loni Daburger, die leider nicht persönlich anwesend sein konnte. Für 70 Jahre engagierte Vereinszugehörigkeit erhielt Hermann Berger neben dem Präsent des Vereins auch einen Ehrenkrug des Gauverbands von Gebietsvertreter Alfred Gehmacher. Dieser übergab auch für je 50-jährige Mitgliedschaft und besondere Verdienste um den Trachtenverein das Goldene Gauehrenzeichen an Elisabeth Forstmaier, Elisabeth Freimoser, Annette Nieder, Ilse Purzeller, Rudi Haberlander, Jakob Schmaus, Ignaz Schneider und Engelbert Schweiger.

Mit dem Ehrenabzeichen des Vereins für 50 Jahre Mitgliedschaft wurden Sepp Heigermoser, Anneliese Lechner, Franz Schneider und Maria Toth sowie Bert Gschwendtner und Vinzenz Hallweger (die beiden letzteren waren nicht anwesend) ausgezeichnet. Das Abzeichen für 25-jährige Vereinszugehörigkeit erhielten Brigitte Feil, Irmgard Haßlberger, Paul Sieber, Wolfgang Gretzinger, Werner Schweiger und Helmut Hallweger; nicht persönlich entgegennehmen konnten diese Ehrung Uschi Fleindl-Bobinger, Erika und Dieter Assmann, Scarlet Haßlberger, Johanna Mair, Michael Braun, Toni Hogger und Max Haßlberger.

Bürgermeister Claus Pichler würdigte den großartigen Auftritt Ruhpoldings beim Oktoberfest und lobte das Engagement des Vereins für die Dorfgemeinschaft und das gelebte Brauchtum. Pfarrer Otto Stangl schloss sich dem mit einem herzlichen Vergelt's Gott an. Der scheidende Wetzstoana-Präsident Wigg Schuhbeck würdigte die jahrzehntelange reibungslose Zusammenarbeit. Dies wurde bei der überaus gelungenen Faschingshochzeit ein weiteres Mal untermauert.

Dann wurde es turbulent – die Unstimmigkeiten zwischen Verein und Gauverband beim Gaufest 2014 sind wohl noch nicht beseitigt. Der ehemalige Vorstand der Miesenbacher, Hermann Feil, kritisierte ungewöhnlich scharf die mangelnde Wertschätzung der geleisteten Arbeit seitens des Gauverbands. Bis heute habe man weder einen Dank noch eine Entschuldigung erhalten. Denn 2014 wurde man wegen des Auftritts von LaBrassBanda heftigst kritisiert, es wurde gar mit Sanktionen gedroht.

»Mit zweierlei Maß gemessen«

2016 in Peterskirchen wurde dagegen das Fest, vom Gaufestberater des Gauverbands maßgeblich organisiert, in höchsten Tönen gelobt. Dazu zeigte Feil den Mitschnitt eines rockigen Auftritts der Band »Zwoa X Zwoa«. Es werde mit zweierlei Maß gemessen, so Feil. Er betonte, die Miesenbacher seien 2014 im Sinne eines Vorreiters für Weltoffenheit und Toleranz unterwegs gewesen. Dies schlug sich in deutschlandweitem Medieninteresse nieder. Die Verantwortlichen im Gauverband täten sich nach wie vor schwer, ihre überzogenen Reaktionen zu überdenken. Feil stellte einen Antrag für eine Aussprache auf Gauebene, um die Angelegenheit endlich aus der Welt zu schaffen. fb