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900 Unterschriften gegen eine Schließung

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Traunreut – Der Kioskpächter des Traunreuter Freibades, Michael Hempel, hat vor der Stadtratssitzung Bürgermeister Klaus Ritter eine Liste mit rund 900 Unterschriften übergeben. Hempel und seine Mitstreiter wollen, dass das Freibad während der Sanierung des Nichtschwimmerbeckens offen bleibt. Der Stadtrat hat sich mehrheitlich für eine Schließung des Bades während der Bauphase ausgesprochen. Wie mehrfach berichtet, muss die Sanierung wegen einer neuen Ausschreibung der Gewerke ins nächste Jahr verschoben werden.


Auf Nachfrage des Gremiums in der Sitzung, was mit den Unterschriften jetzt passiere, reagierte Ritter sichtlich gereizt: »Ich kann doch jetzt nicht den Beschluss umschmeißen.« Aktuell könne man mit der Unterschriftenliste nichts tun. Rudi Deppisch von der Stadtverwaltung klärte das Gremium auf, dass die öffentlichen Ausschreibungen im Stadtanzeiger bereits laufen. »Diese jetzt wieder zurückzuziehen, wäre durchaus problematisch«, sagte Deppisch. Ritter wehrte sich auch heftig gegen die Kritik von Andrea Haslwanter (CSU). Haslwanter, die bei der Beschlussfassung der Schließung im September nicht anwesend war, kritisierte im Nachhinein die Entscheidung einer Vollschließung. Sie erinnerte daran, dass es in Traunreut viele Kinder und Jugendliche gäbe, die in den Pfingstferien nicht in den Urlaub fahren könnten. In ihren Augen wäre es ohnehin am Vernünftigsten, das Bad komplett zu sanieren. »Wir wissen, dass das Schwimmerbecken ansteht, das Umkleidehaus und der Kiosk.«

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Auch Gabi Liebetruth (Bürgerliste) verteidigte die Forderungen der Unterzeichner. »Es gibt viele Leute, die nicht nur täglich zum Schwimmen gehen, sondern das Freibad auch als Freiraum nutzen.« Von daher seien auch die Bedenken, dass sich die Sanierung hinausziehen könnte, durchaus nachvollziehbar.

Diese Sorge teilte Ritter nicht. »Der zuständige Architekt hat mir stark zugesagt, dass wir im August aufmachen«, betonte Ritter. Die Bürger sollten schon Verständnis dafür aufbringen, dass das Bad für drei Monate geschlossen wird. Immerhin gebe die Stadt für Nichtschwimmer 1,1 Millionen Euro aus. Die Gründe, weshalb sich der Stadtrat für eine Vollsperrung ausgesprochen hat, lagen vor allem in der Sicherheit. »Ich möchte nicht dafür grad stehen müssen, wenn was passiert«, warf Alfred Wildmann (FW) ein. Aufgrund des Stadtratsbeschlusses, das Bad während der Sanierung zu schließen, musste die Verwaltung reagieren und dem Kioskpächter kündigen. Laut Ritter wurde der Pachtvertrag zwei Wochen nach Bekanntgabe des Beschlusses gekündigt, um möglichen Schadensersatzforderungen aus dem Wege zu gehen. Dem Pächter, der seit 16 Jahren den Kiosk betreibt, wurde gleichzeitig eine Weiterverpachtung in Aussicht gestellt. »Mir wurde angeboten, nach der Sanierung den Kiosk weiter zu betreiben«, bestätigte Hempel dem Traunsteiner Tagblatt. Hempel ist aber misstrauisch, was den Termin der Wiedereröffnung betrifft. Sollte sich die Baumaßnahme länger wie geplant hinziehen, würde er dann weiter ohne Job auf der Straße stehen. Auf diese Ungewissheit könne er nicht bauen. Deshalb werde er Traunreut den Rücken kehren.

Ursprünglich sollte die Sanierung des Freizeitbeckens bereits laufen und im Frühjahr 2015 abgeschlossen sein. Dass die Sanierung in das nächste Jahr verschoben werden musste, lag an den Angeboten, die um ein Vielfaches über den Kostenberechnungen des Architekten lagen. Es musste neu ausgeschrieben werden, was zur Folge hatte, dass sich der Baubeginn ins Frühjahr 2015 verschiebt. Im Zuge der Diskussion reichte der SPD-Fraktionsvorsitzende Christan Stoib einen Antrag ein, wegen der Schließzeit des Freibades das Hallenbad länger offen zu halten. Der Antrag, der bereits im Hauptausschuss mit großer Mehrheit nicht befürwortet wurde, zumal auch die Schulen kein Interesse bekundeten, wurde jetzt auch vom Gesamtgremium bei vier Gegenstimmen abgelehnt. Nach Angaben der Stadtverwaltung lägen die monatlichen Betriebskosten des Hallenbades bei 40 000 Euro. ga