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900 Euro Geldstrafe wegen zwei Forellen

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Traunstein – Weil er »Hunger hatte«, holte ein 29-jähriger Traunreuter mit einer geschenkten alten Angel zwei Forellen aus dem Fluss Traun. Diese »Fischwilderei« am 26. August brachte dem Mann gestern vor dem Amtsgericht Traunstein eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je zehn Euro ein, also von 900 Euro. Zahlen kann sie der arbeitslose und verschuldete Angeklagte nicht.


Richter Maximilian Lermer riet, die Staatsanwaltschaft zu bitten, die Geldstrafe über das Projekt »Schwitzen statt Sitzen« durch gemeinnützige Arbeit ableisten zu dürfen. Der 29-Jährige zeigte sich damit einverstanden. Ob es mit dem Arbeiten klappt, hängt von Staatsanwältin Julia Fetschele ab, die auf eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten ohne Bewährung plädiert hatte und Berufung einlegen könnte.

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Dass sowohl der Antrag der Anklägerin als auch das Urteil so hart ausfielen, hing mit der Vorgeschichte zusammen. Der von Hartz IV lebende 29-Jährige hat elf Vorstrafen im Bundeszentralregister, überwiegend wegen Diebstählen. Auch das Gefängnis lernte er bereits von innen kennen. Mit Arbeit klappte es selten, die Schulden wurden mehr, nicht zuletzt durch Gerichtskosten.

Er beteuerte gestern, »einen Riesenfehler« gemacht zu haben, der ihm leid tue. »Ich hatte momentan Hunger«, erklärte er sein Motiv. Fischen sei nicht geeignet, Hunger schnell zu beseitigen, erwiderte der Richter. Außerdem habe der 29-Jährige ja schon zwei Forellen aus der Traun geholt: »Aber Sie haben weiter geangelt.« Die Antwort des Angeklagten: »Es war gar nicht geplant, dass ich erwischt werde. Ich würde gerne alles wieder gutmachen.« Maximilian Lermer erwiderte: »Keiner kann die Zeit zurück drehen. Man muss es vorher lassen.«

Zum Thema Arbeit meinte der Vorsitzende, trotz Einschränkungen könne man Hilfstätigkeiten ausführen und damit den Lebensunterhalt finanzieren: »Die alten Mutterl und die Schüler haben Jobs. Jemand wie Sie findet angeblich nichts.« Er sei »eigentlich schon dabei, sich anzustrengen«, betonte der 29-Jährige. Angesichts der Vorstrafen und drei offener Bewährungen zur Tatzeit fragte der Richter: »Was soll ich mit Ihnen machen?« Auf die Antwort »Ich weiß es nicht«, reagierte Lermer mit »Ich weiß es auch nicht.« In Traunreut gebe es eine Tafel. Der 29-Jährige entgegnete, das kostenlose Essensangebot könne er nicht nutzen, weil er das Geld für die Berechtigungskarte nicht habe.

Auf die von der Staatsanwältin geforderte Haftstrafe hin merkte der ohne Verteidiger erschienene Traunreuter an: »Wenn ich wieder einlaufen muss, verliere ich wieder alles, auch die Wohnung.« Er beteuerte: »Ich habe leider vor dem Fischen nicht über die Konsequenzen nach gedacht. In Zukunft denke ich lieber fünfmal nach.« Obwohl es sich nur um zwei Forellen gehandelt habe, sei eine »sehr hohe Geldstrafe« erforderlich, hob Maximilian Lermer im Urteil heraus. Damit werde der 29-Jährige zu Arbeit gezwungen. Wenn er nicht bei einer gemeinnützigen Organisation arbeite, werde er ersatzweise eingesperrt. kd