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70 Jahre nach Kriegsende Gedenken an Opfer von Surberg

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Er war in den vergangenen Jahrzehnten wesentliche treibende Kraft, dass das Gedenken an die Opfer von Surberg wach blieb: Friedbert Mühldorfer (rechts) vom VVN, dem Bund der Antifaschisten. Im Gedenken an die Toten wurden Tafeln – viele ohne Namen, da die Identität der Opfer nicht recherchierbar war - in die Erde gesteckt. Links Surbergs Erster Bürgermeister Josef Wimmer.

Surberg – Am 3. Mai 1945, genau vor 70 Jahren wurden an einem Waldrand nahe Surberg über 60 KZ-Häftlinge, zumeist jüdischen Glaubens, von den begleitenden SS-Wachleuten erschossen. Wenige Stunden vor dem Eintreffen der amerikanischen Truppen und dem Ende des 2. Weltkrieges wurden die auf sogenannte »Todesmärsche« geschickten Häftlinge ermordet.


Seit drei Jahrzehnten gedenken Bürger aus der Region der Opfer. Auch an diesem Sonntag versammelten sich wieder gut 150 Besucher, darunter auch viele junge Leute und mit Salec Beldengruen aus Israel ein überlebender Zeitzeuge, um der Opfer zu gedenken. Alle Redner waren sich einig, dass auch 70 Jahre nach dem Geschehen, die Erinnerung an die Opfer wach gehalten werden müsse und man gemeinsam jeglichen Ideologien der Ausgrenzung von Menschen entgegentreten müsse.

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Bürgermeister, Josef Wimmer sagte, dass das Geschehen zu Kriegsende eines der dunkelsten Kapitel der Region sei. Es gelte auch weiterhin, die Gedenkstätte zu pflegen und zu erhalten und für nachfolgende Generationen als mahnendes Beispiel aufrecht zu erhalten.

Stellvertretender Landrat Josef Konhäuser betonte, dass sich eine »Spur des Grauens« durch den Landkreis gezogen habe. Der Gedanke daran und an die Geschehnisse in Surberg, würde auch heute noch fassungslos machen.

Friedbert Mühldorfer, der für den Veranstalter VVN-BdA - Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschisten für die jährliche Ausrichtung verantwortlich zeichnet, schilderte den schwierigen Umgang mit den Geschehnissen.

Kurt Messerschmidt ist einer der wenigen Häftlinge, die den Todesmarsch nach Surberg überlebten. In der Nacht zum 3. Mai gelang ihm aus der Zwischenstation, dem Brunnerbräukeller in Traunstein, die Flucht. Nach Kriegsende, im November 1945 gestaltete er dann als Sänger die feierliche Beisetzung der Ermordeten auf dem Friedhof im Surtal mit. Der später in die USA emigrierte Kantor einer jüdischen Gemeinde schrieb ein Grußwort, das in Surberg von Lioba Huber verlesen wurde.

Eine persönliche Anwesenheit des inzwischen 100-jährigen war aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich. In der vorgelesenen Geschichte, in der Messerschmidt von seiner Deportation in mehrere Konzentrationslager berichtete, machte er deutlich, dass er keine Anklagen an die heutige Generation richte, dass vielmehr Versöhnung und das »Nie wieder« im Vordergrund stehen.

Seine Ehefrau, die im KZ von ihm getrennt wurde, fand er in den Nachkriegswirren auf überraschende und ungewöhnliche Weise wieder - und dies genau am höchsten jüdischen Feiertag, dem Yom Kippur (Großer Versöhnungstag). »Da spürt man irgendwie, dass man Teil von etwas ist, das größer ist als man selbst« «, schrieb der 100-Jährige.»Dieser KZ-Friedhof, der mein Grab sein sollte, ist ein Denkmal für vergangene Schmach«, betonte der Überlebende der Schoah. aei