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6700 Unterschriften an Landwirtschaftsminister übergeben

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Vertreter der Initiative Waginger See haben die 6700 gesammelten Unterschriften für ihre Petition »Rettet den Waginger See« an den Landwirtschaftsminister übergeben (von links): Sepp Heringer, Agnes Thanbichler, Ulrich Kühn, Minister Helmut Brunner und Franz Obermeyer. (Foto: Eder)

Ein millionenschweres Rettungsprogramm für den Waginger See wird es nicht geben. Bei der Übergabe der 6700 Unterschriften der Initiative Waginger See an Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner nahm sich dieser viel Zeit für einen Gedankenaustausch. Er verwies dabei auf die bestehenden und noch geplanten Maßnahmen für weniger Phosphat im See, auch im Rahmen des neuen »Kulap«, stellte aber auch fest, dass es neben dem Waginger See in Bayern noch eine ganze Reihe mehr an Seen gebe, über die man sich Gedanken machen müsse. Immerhin aber gab er den Vertretern der Initiative aber das Angebot mit auf den Weg, ihm noch zwei, drei von ihnen als besonders wichtig eingeschätzte Maßnahmen mitzuteilen, was noch zusätzlich für den Waginger See gemacht werden könnte und was den Landwirten noch helfen könnte.


Vier Vertreter der Initiative Waginger See bekamen zunächst eine halbe Stunde Zeit, ihr Anliegen umfassend vorzutragen, wobei der Minister aufmerksam zuhörte, ehe sich dann ein überaus konstruktives Gespräch mit ihm und seinen Referenten entwickelte.

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Brunner war es wichtig, darauf zu verweisen, dass die Situation »nicht von heute auf morgen gekommen« sei und von daher auch nicht kurzfristig »in die Wunschsituation verwandelt« werden könne. Seiner Meinung nach müssten die vielen kleinen Aktionen, die jetzt für den Waginger See angelaufen sind und noch anlaufen werden, gerade auch über das für 2015 geplante, neue Kulturlandschaftsprogramm (Kulap), konsequent weitergeführt werden. Wichtig sei dabei, dass alle Beteiligten mit eingebunden würden.

Möglicherweise, so räumte der Minister ein, reichten die bisherigen Maßnahmen nicht aus. Aber man habe das Problem erkannt und versuche gegenzusteuern – stets unter der Vorgabe »Freiwilligkeit statt Verordnungen«. Man müsse genau überlegen, wie man die Angebote attraktiv machen, aus Betroffenen Beteiligte machen könne – und zwar so, dass nicht nur ein Berufsstand die Zeche zahlen und die Lösungen allein finanzieren müsse. Und, so fügte Minister Brunner an, »wir wollen Bauern auch nicht zu einer anderen Wirtschaftsweise zwingen, sondern sie sollten es aus Überzeugung machen«.

Für Ulrich Kühn, den Sprecher der Initiative Waginger See, sind die bisherigen Maßnahmen bei Weitem nicht ausreichend. Seiner Meinung nach müsse es »als Anreiz für die Umstrukturierung zu einer bodenverträglichen Bewirtschaftung ein Seenprogramm geben«. Die derzeitigen Maßnahmen seien finanziell einfach nicht attraktiv genug.

Dennoch ließ der Minister daraufhin seinen Referenten Anton Dippold einige der Maßnahmen aufzählen, die demnächst geplant sind: erneute Förderung bodennaher Gülleausbringung, die Einstellung von Beratern, bäuerliche Betriebe als Demo-Betriebe einrichten, Gemeindeentwicklungspläne wie in Kirchanschöring anstoßen und unterstützen, Pufferflächen einrichten, Zulaufkartierungen anfertigen, Vermarktung und Verarbeitung in der Region fördern, interkommunale Allianzen schaffen.

Zusätzliche Vorschläge kamen von den Vertretern der Initiative Waginger See. Biobauer Franz Obermeyer aus Tengling schlug vor, in jeder Gemeinde einen Güllebeauftragten aus den Reihen der Bauern zu installieren, der auf den richtigen Zeitpunkt der Gülleausbringung achten solle. Derzeit gehe es oft genug, selbst vor erwarteten Starkregen nur um eines: »Hauptsache, die Gülle ist ausgefahren.« Agnes Thanbichler aus Laufen würde sich Anreize für Gemüseanbau wünschen, um eine größere landwirtschaftliche Vielfalt zu ermöglichen und die Vermarktungsstrukturen in der Region anzukurbeln. Der ehemalige Leiter der Akademie für Naturschutz in Laufen, Sepp Heringer, wünschte sich mehr Hecken auf den landwirtschaftlichen Flächen »gegen Erosion und für die Produktion von Hackschnitzel«. Für derlei Ideen, so der Minister, könnte eventuell die beantragte Ökomodellregion die notwendigen Grundlagen liefern.

Zu Beginn des Treffens hatte Ulrich Kühn die Situation am Waginger See im vergangenen Sommer geschildert und dies mit Fotos von reichem Algenbewuchs untermauert. Waging lebe vom Tourismus, betonte er, aber angesichts der Entwicklung und des zunehmenden Blaualgen-Vorkommens müsse befürchtet werden, dass der Strand eines Tages gesperrt werde. Mit der Petition, die mit 6700 Unterschriften einen Erfolg gebracht habe, der weit über allen Erwartungen gelegen sei, wolle man erreichen, dass man sich seitens der Politik des Problems annimmt. Kühn verwies dabei auf die besondere geologische Situation am Waginger See, wo der Boden so dicht sei, dass wenig versickere, vieles einfach abgeschwemmt werde.

Franz Obermeyer sprach die aktuelle Situation der Bauern an: Durch die enorme Zunahme von Biogasanlagen in den letzten Jahren seien die Pachtpreise dermaßen angestiegen, dass auch Biobauern Probleme bekommen, Flächen zu vertretbaren Preisen anzupachten. Man könnte in Richtung ökologischer Landwirtschaft sehr viel mehr machen, meinte Obermayer, wenn dieser Preisdruck nicht wäre. Man müsste gerade in der Seeregion auch die Verpächter mit einbinden, dass sie »ihren Grund nicht versteigern«. he

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