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67 Prozent des Bedarfs bis 2020 aus erneuerbaren Energien

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Marquartstein. Einen Sachstandsbericht über die Aktivitäten des Ökomodells Achental gab Geschäftsführer Wolfgang Wimmer dem Gemeinderat. Projekte, die besonders Marquartstein betreffen, sind zum Beispiel die Planung und Errichtung eines »Energiesparweges« im Ort, entweder bei Wuhrbichl oder entlang der Tiroler Achen, von der alten Achenbrücke Richtung Chiemgauklinik. An einzelnen Stationen könnten die Spaziergänger zur Holzverarbeitung, etwa von Pellets, zur Wasserkraft oder Biomasse informiert werden.


Schon weit fortgeschritten ist nach den Worten von Wimmer die Ausweitung der kostenlosen Achentallinie für Gäste mit Kurkarte aus Reit im Winkl, Kössen, Übersee, Prien und Traunstein. Eventuell könne man die Linie bereits im Winter umstellen.

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Als »harten und steinigen Weg« bezeichnete Wimmer die unbedingt notwendige Energiewende auf erneuerbare Energien im Achental. Beauftragt vom Ökomodell Achental befassten sich bisher die Universität Innsbruck, die ökologischen Büros SKI und Co. sowie Revital mit den Prognosen zum Energiebedarf und den technischen Möglichkeiten im Achental.

Errechnet wurde für das Jahr 2012 ein Energiegesamtbedarf von 427 527 Megawattstunden (MWh) für die neun Mitgliedsgemeinden des Ökomodells mit ihren 33 000 Einwohnern. Davon entfallen gut drei Viertel auf die Wärmeversorgung, knapp und rund 100 000 MWh auf die Stromversorgung.

2012 wurden bereits 30 266 MWh Strom durch erneuerbare Energien im Achental – das sind 30 Prozent des Strombedarfs – erzielt. Bis 2020 soll einerseits versucht werden, 15 Prozent an Strom einzusparen. Ziel ist es andererseits, bis zu dem Zeitpunkt 67 Prozent des Energiebedarfs aus regenerativen Energien zu gewinnen. Das könnte nach der Machbarkeitsstudie durch eine Erweiterung der Biomassekraftwerke (plus 6000 MWh), Photovoltaik (plus 8000 MWh) und Wasserkraft (plus 3000 MWh) erzielt werden.

Den Studien zu Folge könnten den größten Teil der zusätzlichen erneuerbaren Energien vier Fließwasserkraftwerke an der Tiroler Achen bringen. Als beste Standorte dafür wurden Bereiche bei Übersee, Staudach-Egerndach, Unterwössen und Schleching ermittelt. Knapp 6000 Haushalte könnten damit mit Strom versorgt werden, berichtete Wimmer. Die Investitionskosten betragen pro Kraftwerk rund sechs Millionen Euro, die durch die Gemeinden aufgebracht werden müssen. Die Investitionskosten könnten sich nach 20 Jahren bei circa fünf Prozent Rendite amortisiert haben, sagte Wimmer. Derzeit werde an einer eigenen Studie zu den Auswirkungen der Fließkraftwerke auf den Grundwasserspiegel gearbeitet. In jedem Fall werde eng mit den Anliegern zusammengearbeitet, so der Geschäftsführer.

Bürgermeister Andreas Dögerl sagte, dass es selten eine so große Einigkeit aller Achentalbürgermeister gegeben habe wie bei den angestrebten Wasserkraftwerken. Einig sei man sich, dass man keine »Außenstehenden« wie große Konzerne mit ins Boot holen wolle. »Die Energie soll da produziert werden, wo sie vorhanden ist«, so Dögerl. Noch lange sei es nicht klar, ob alles so komme, wie hier vorgestellt wurde, denn die Prüfungen durch die Behörden stehen noch aus. Nach einem ungefähren Zeitplan befragt, hielt Wolfgang Wimmer vor 2016 »sicher für unrealistisch«.

In der weiteren Diskussion bedauerte es Zweiter Bürgermeister Günter Richter, dass das Ökomodell sich nicht ebenso wie für die Energiegewinnung mit der Förderung des Fremdenverkehrs befasse. Das Achental werde den Ansprüchen der Gäste nicht gerecht. Auf diesem Gebiet gehe nichts vorwärts, so Richter. »Ökologie ist wunderbar, aber die Leute brauchen auch Arbeit«, sagte Richter, der auch Vorsitzender des Kultur- und Verkehrsvereins ist.

Wolfgang Wimmer gab ihm »zu 100 Prozent Recht«. Es sei wichtig, ein eigenes Profil im Fremdenverkehr zu entwickeln. Das Ökomodell Achental bemühe sich im Rahmen seiner Möglichkeiten, indem es zum Beispiel Fortbildungen organisiere oder die Vereinheitlichung der Beschilderung der Wanderwege in die Hand genommen habe. Es liege aber vieles im Argen, bestätigte Wimmer, was vor allem an der »Dachkonstruktion« liege.

Josef Moritz hoffte in dem Zusammenhang, dass sich vielleicht etwas mit einem neuen Landrat ändere. Grund für die Stagnation im Fremdenverkehr sah er in der mangelnden Zusammenarbeit der Landkreise Rosenheim und Traunstein. gi