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62 Ster Holz werden in Kohle verwandelt

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Manuel Baumgartner beim Fertigstellen des Meilers. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Seit Wochen laufen die Vorbereitungen, am Freitag ist es endlich soweit: Der Kohlenmeiler am Fuß des Teisenbergs in Neukirchen wird angezündet. Zum Auftakt der Köhlerwochen gibt es am Freitag ab 10 Uhr einen Frühschoppen und am Sonntag eine Meisterschaft im Mannschaftshufeisenwerfen.


Das Hufeisenwerfen, das sich früher als preisgünstiger Sport bei der Landbevölkerung etabliert hatte, erlebt heute eine Renaissance und ist bei Alt und Jung gleichermaßen beliebt. Die Anmeldung ist ab 9 Uhr möglich. Gleich nach dem Wettbewerb ist die Preisverleihung. Jede Mannschaft nimmt auch an einer Spanferkel-Verlosung teil.

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Der diesjährige Meiler wurde aus etwa 62 Ster Holz errichtet. Davon sind rund 50 Ster Buche und der Rest Fichte oder sonstiges Mischholz. Er hat einen Bodendurchmesser von rund sieben Metern und ist drei Stoß hoch. Mit der »Meilerhaube« beträgt die Gesamthöhe knapp vier Meter.

Wie ein Meiler zu richten ist, erklärt das Buch »Verkohlung des Holzes in stehenden Meilern« des Königlich bayerischen Salinenforstamtsaktuars Ferdinand Klein aus Ruhpolding von 1836. Für viele Köhler im Chiemgau sei das eine Art »Katechismus«, erklärt Helmut Birner, Fachmann für Historie im Verein. Über eine Basis aus radial zum Kreiszentrum gelegten Hölzern wird kreisförmig die erste Lage Scheiter angeordnet. Kleins Absicht war, allen Köhlern eine genaue Anweisung zu geben und so den Ertrag zu steigern. Damals mussten die Kohlen für die Eisenwerke in Bergen und in Achthal, aber auch für die vielen Schmieden und Hammerwerke in der Gegend gebrannt werden.

Die Qualitätsanforderungen an die Holzkohle waren in den Eisenwerken sehr hoch. Für den Betrieb im erzschmelzendem Hochhofen benötige man »Hüttenkohle«, mindestens faustgroße Stücke, überwiegend aus Buchenholz gebrannt. Bei der Weiterverarbeitung des Eisens wurde überwiegend Holzkohle aus Fichtenholz eingesetzt. Heute wird in Neukirchen nur noch Grillkohle gebrannt.

Die Köhler haben ihre spezielle Sprache, wie sich auch bei den letzten Schritten der Fertigstellung des Meilers zeigt: Unter »den Meiler weiß machen« versteht man, dass die Spalten zwischen den Scheitern mit kleinen Scheiten gefüllt werden. Danach wird der Meiler »grün gemacht«, das heißt das Scheitholz, vor allem die Haube, wird mit frischen Daxen abgedeckt. Zuletzt wird er »schwarz gemacht«: Eine schwarze Decke, die »Lösche«, aus Kohlenklein, Kohlenstaub und Erde wird aufgebracht.

Der Meiler wird am kommenden Freitag wie üblich von unten angezündet und muss dann Tag und Nacht bewacht werden, damit er bis zu seinem Öffnen am 16. August durchglüht. Er darf dabei nicht zu brennen anfangen. Die Neukirchner Köhler hoffen auch heuer wieder auf gute Kohlenernte. »In Neukirchen sind wir froh, wenn wir 80 Kilo Holzkohle pro Ster Holz ernten können. Das hieße, dass wir rund fünf Tonnen Holzkohle erhalten sollten.«

Neben der Holzkohle fällt noch Kohlenklein und Kohlenstaub an, ein Produkt, das man bis vor kurzem nicht beachtete, das aber unter dem Schlagwort »Terrapreta« vermehrt im Gartenbau und in der Landwirtschaft als Nährstoffträger in den Boden eingebracht wird. Interessierte können neben der Kohle auch diese Bodenverbesserer bei den Köhlern erwerben.

Während der Köhlerwochen wird an den Dienstagen, 28. Juli und 11. August, im historischen Backofen Brot gebacken. Für den »Dampfnudelabend« an den Donnerstagen, 30. Juli und 13. August, wird um Anmeldung unter Telefon 08666/7145 gebeten. Ein Festzelt wird während des Europäischen Köhlertreffens vom 6. bis 9. August mit Bayerischem Abend am Samstag, 8. August, um 20 Uhr aufgestellt. vm