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600 Uhren zu einem Spottpreis im Internet verkauft

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Traunstein – Wegen Hehlerei und gewerbsmäßigen Betrugs in 579 Fällen verurteilte das Schöffengericht Traunstein einen 31-jährigen Traunreuter zu 18 Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Er hat fast 600 gestohlene Uhren im Wert von einer Viertelmillion Euro im Internet weiterverkauft.


Die 1400 teuren Edeluhrenwaren im Oktober 2011 aus dem Auslieferungslager einer amerikanischen Vertriebsfirma in Eggstätt gestohlen worden. Im Internet tauchten daraufhin zwischen April 2012 und Mai 2014 fast 600 Uhren der Marke Armani und Burberrys auf, die vom Traunreuter verkauft wurden. 800 weitere Uhren der Marke Armani sind noch immer spurlos verschwunden.

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Auf welche Weise die 1400 Uhren – alle auf einer einzigen Palette gestapelt, die nach Amerika verschifft werden sollte – das Lager in Eggstätt vor vier Jahren verließen, ist bis heute ungeklärt. Richter Wolfgang Ott äußerte die Vermutung: »Entweder haben Arbeitnehmer ihren Arbeitgeber bestohlen. Oder es war ein Diebstahl durch Unbekannte.« Wie die Uhren dann zum Angeklagten gelangten, sei auch offen.

Der 31-Jährige hatte sich in der dreitägigen Verhandlung weder zu den Vorwürfen des Staatsanwalts noch zu seinen Lebensumständen geäußert. Der Verteidiger hatte alle möglichen Theorien aufgestellt, wie sein Mandant straflos zu den Uhren gekommen sein könnte. Dazu sagte Ott gestern zum 31-Jährigen: »Sie haben gewusst, beziehungsweise billigend in Kauf genommen, dass die Uhren aus einer rechtswidrigen Tat stammten.« Die teuren Chronometer seien für 40 bis 60 Euro pro Stück oder ein Zehntel ihres tatsächlichen Verkaufspreises verscherbelt worden – für insgesamt rund 38 000 Euro. Um den Straftatbestand der Hehlerei zu erfüllen, hätten die Uhren nicht unbedingt angekauft sein müssen: »Eine Beschaffung irgendwie reicht aus.« Der Richter gab sich überzeugt, der Angeklagte habe die Uhren deutlich billiger erworben, als er sie veräußert habe: »Wenn man 600 Uhren zu einem Spottpreis einkauft, dann können sie nicht aus legaler Quelle kommen.«

Die Herkunft der Uhren aus dem Vertriebszentrum in Eggstätt sei eindeutig, führte Wolfgang Ott aus. Der Geschäftsführer sei uneingeschränkt glaubwürdig gewesen. Die Armani-Uhren seien in zwölf verschiedenen Modellen auf der Palette gewesen. Zehn Modelle habe der 31-Jährige auf Ebay angeboten. Von einem bestimmten Modell seien lediglich fünf Uhren entwendet worden. Genau diese fünf habe der Angeklagte angeboten. Eine der Burberry-Uhren sei von einem holländischen Kunden an das Vertriebslager zurückgeschickt worden. Eben diese habe sich unter den vom Traunreuter im Internet verkauften Chronometern befunden.

Bei der Höhe der Strafe konnte der Vorsitzende des Schöffengerichts keine Pluspunkte für den Angeklagten werten. Negativ schlage der hohe Endverkaufswert der Uhren mit mehr als einer Viertelmillion Euro zu Buche. Mit 18 Monaten habe das Gericht auf eine Strafe im unteren Bereich erkannt. »Das ist ein sehr mildes Urteil«, so Wolfgang Ott. Um die Strafe zur Bewährung aussetzen zu können, hätte es laut Gesetz »besonderer Umstände« bedurft, erklärte Ott. Der 31-Jährige habe kein Geständnis abgelegt. Durch Beschlagnahme seines Autos und kleiner Guthaben auf der Bank werde zwar ein Teil des Schadens wieder ausgeglichen. Ein »besonderer Umstand« sei dies aber auch nicht, habe der Angeklagte doch das Auto zweifelsohne aus den Gewinnen seiner Hehlerei finanziert.

Für Bewährung müsse zudem die Sozialprognose günstig sein: »Sie aber haben Hafterfahrung. Und es schwirren noch irgendwo 800 Armanis in der Gegend herum. Dass Sie die letzte Uhr verkauft haben, diese Annahme ist kühn.« Gegen das Urteil könne der 31-Jährige Rechtsmittel einlegen – »aber auch der Staatsanwalt«, so Wolfgang Ott. Staatsanwalt Christopher Stehberger hatte zweieinhalb Jahre Haft beantragt, Verteidiger Hanns Barbarino aus Altötting Freispruch, im Fall einer Verurteilung eine Strafe von nicht mehr als einem Jahr mit Bewährung. kd