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60 Jahre im Orden – 60 Jahre in Ruhpolding

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60 Jahre im Orden – 60 Jahre in Ruhpolding: Dieses Doppeljubiläum feierte Schwester Sebastiana Kober. (Foto Burghartswieser)

Ruhpolding. Es ist sicher ungewöhnlich, dass eine Ordensfrau fast ihr ganzes Leben an einem Ort verbringt. Schwester Sebastiana Korber von den Heilig-Kreuz-Schwestern, in der Bevölkerung auch als »Altöttinger Schwestern« bekannt, gehört nun zu diesem erlauchten Kreis. Sie feierte nicht nur ihr Diamantenes Professjubiläum, sondern kann auch auf 60 Jahre segensreiche Arbeit in Ruhpolding zurückblicken.


Wenn man ihr gegenüber sitzt, sieht man der lebensfrohen Schwester das Alter wahrlich nicht an. Geboren wurde sie in den 1920er Jahren in Hörgersdorf, einem kleinen Ort zwischen Dorfen und Erding. Die Bäckerstochter ist dort mit drei weiteren Schwestern aufgewachsen. Sie sollte im Franziskushaus in Altötting zur Köchin ausgebildet werden. Dort traf sie auf eine junge Frau, die sie immer wieder mit in die Kirche nehmen wollte. »Damals hatte ich einfach keine Lust dazu«, erinnert sich die Ordensfrau. Doch eines Tages sei plötzlich die Berufung gekommen und sie trat in den Orden der Heilig-Kreuz-Schwestern ein. »Die andere hat aber dann doch geheiratet und ich bin im Kloster geblieben.« Erst mit 26 Jahren legte sie ihr Ordensgelübde ab, denn vorher absolvierte sie noch eine Krankenpflegeausbildung.

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Von Ansteckungsgefahr und Lausbubengeschichten

Nach nur drei Monaten in Büchlberg wurde sie schließlich 1953 nach Ruhpolding in das damalige »Annahaus« geschickt. »Die haben scheinbar nichts gewusst, dass ich komme, denn keiner hat mich vom Bahnhof abgeholt und ein Bett war auch nicht frei.« So landete sie zunächst im »Marienheim«. Doch nach neun Monaten wurde ihr ein Arbeitsplatz im »Josefshaus« zugewiesen. Anfang der 1960er Jahre wurde am heutigen Platz des Heilpädagogischen Zentrums eine ordenseigene Einrichtung für lungenkranke Kinder und Jugendliche – die »Lungenheilstätte« – errichtet. Angst vor einer Ansteckung hatte sie aber nie. Auch an so manche Lausbubengeschichten kann sie sich noch erinnern, die aber mit einem Lächeln und Augenzwinkern nie an die Öffentlichkeit kamen.

Als man sich nach langem Hin und Her in den 1970er Jahren entschloss, das Heim in ein Haus für behinderte Kinder umzufunktionieren, ging Schwester Sebastiana in ihrer fordernden Tätigkeit voll und ganz auf. »Wir waren über Jahre Tag und Nacht für unsere Schützlinge da«, weiß die »Mutter« für viele Kinder zu berichten. »Kein Kind ist so dankbar, wie ein behindertes Kind«, sagte die stets humorvolle Ordensfrau. Und diese Dankbarkeit der Kinder ist der schönste Lohn für die jahrzehntelange Arbeit. Vor einigen Jahren hat sie sogar einmal einen Heiratsantrag eines »ihrer Kinder« bekommen, erzählte sie.

»Schlechtes hat man schnell vergessen, dass aber nie etwas Wesentliches passiert ist, bleibt in meiner dankbaren Erinnerung«, so die Jubilarin. »Es war eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte.« Pfarrer Otto Stangl lobte ausdrücklich das jetzige »Oma-Dasein« von Schwester Sebastiana Kober. »Die Ordensfrauen sind für die behinderten Kinder die Bezugsperson und diese haben eine liebevolle Beziehung zu ihnen aufgebaut«. Und das soll noch einige Zeit so bleiben! hab