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60 Jahre Einsatz für Menschen und Natur

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Während die Großen feierten, probierte sich der Nachwuchs an der Kletterwand aus. (Foto: Bauregger)

Inzell – Mit einem Festakt, einer Geräte- und Leistungsschau, mit Musik und vielen Attraktionen für Jung und Alt feierte die Bergwachtbereitschaft Inzell ihr 60-jähriges Bestehen (wir berichteten). Zwischen dem Kachelstein im Norden, dem Staufenmassiv im Osten, dem Sonntagshorn im Süden und dem Kienberg im Westen leistet die Bereitschaft heute nicht nur spezialisierte Hilfe bei Bergunfällen, sondern ist auch unverzichtbarer Teil der Rettungskette mit Rettungsdienst und Feuerwehren, besonders in Inzell und Schneizlreuth.


In den letzten Jahrzehnten haben sich zwar Ausrüstung und Rettungstechnik gravierend verändert. Die Grundfesten der erfolgreichen Einsatzarbeit sind aber nach wie die gleichen: Idealismus, Engagement und eine lebenslange Freundschaft unter den »Bergwachtlern«.

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Verletzter Bergwanderer gab den Ausschlag zur Gründung

Bereitschaftsleiter Michael Holzner und Informationen aus der Festschrift zufolge geht die Gründung einer spezialisierten Rettungstruppe für Bergrettung auf den umständlichen Abtransport eines verletzten Bergwanderers vom Gamsknogel durch Inzeller Sanitäter und Bergsteiger im Jahr 1951 zurück. Versuche, eine eigene Bergwachtgruppe in Inzell zu etablieren, scheiterten anfangs an fehlender Ausbildung und fehlendem Gerät. So schlossen sich die Helfer den Kameraden in Ruhpolding an.

Der Hartnäckigkeit von Georg Mayer (Ausfelder-Schorsch) ist es zu verdanken, dass schließlich 1956 in Inzell eine eigene Bergwachtgruppe unter seiner Führung entstand, die er bis 1970 ausübte. Da die Gruppe schnell größer wurde, stimmte der Landesausschuss der Bergwacht Bayern schließlich 1975 zu, den Inzellern den Status einer eigenen Bereitschaft zu verleihen, die am 30. April 1975 im Forsthaus Adlgaß mit 19 Bergwachtmännern und acht Anwärtern gegründet wurde. Vier von ihnen wurden noch beim Fest geehrt.

Bereitschaftsleiter wurde Josef Klouzeck, der die Gruppe bereits seit 1970 führte. Von 1989 bis 2001 folgten ihm Karl-Heinz Holzner und von 2001 bis 2013 Engelbert Mayer. Seit 2013 ist Michael Holzner Bereitschaftsleiter. Mit seinem Stellvertreter Hans Pauli und einer starken Führungsmannschaft, zu der auch neun Ausbilder gehören, führt er die Rettungseinheit aus 32 aktiven Bergwachtlern und neun Anwärtern.

In seiner Festrede würdigte Holzner alle Aktiven für ihr großes Engagement, ihre Kameradschaft und den Zusammenhalt. Er vergaß auch nicht die Frauen, Partner und Arbeitgeber der Bergwachtler, die immer wieder großes Verständnis zeigen, wenn es um Ausbildung und Einsätze geht. Er würdigte auch die vielen Spender, allen voran die Gemeinde Inzell und die Gastager-Stiftung.

Besonderes Lob für Alois Glück

Der stellvertretende Vorsitzende der Bergwacht Bayern, Stefan Schneider, hob hervor, es sei nicht selbstverständlich, dass die 123 Bergwachtbereitschaften in Bayern eine so hohe Anerkennung genießen und auf einem so hohen Niveau ausgebildet werden können. Dies sei auch der unermüdlichen Arbeit des Ehrenvorsitzenden Alois Glück und Gerhard Opperers zu verdanken. Der Bereitschaft Inzell bestätigte er eine »gewaltige Entwicklung«, die eindrucksvoll in einer Festschrift dokumentiert wurde. Wichtig für die Kameraden sei die lebenslange Freundschaft, die die Gefahren und Belastungen aus den Einsätzen kompensieren helfen.

Landrat Siegfried Walch skizzierte kurz die Entwicklung der Bergwacht von einer »Natur- und Sittenwacht« in den 1920-er Jahren zur heute hoch spezialisierten Rettungseinheit, die teils extreme Anforderungen erfüllen müsse. Herausragend seien auch die Jugendarbeit und das gewinnbringende Miteinander von Jung und Alt, durch die junge Leute zu verantwortungsvollen Menschen heranreifen könnten.

Bürgermeister Hans Egger schloss sich den Worten uneingeschränkt an. Für ihn sei es zudem beeindruckend, mit welchem Selbstverständnis die Bergwachtler 24 Stunden am Tag und zu jeder Jahreszeit ihren Ausbildungsstand auf hohem Niveau halten und sich für das Wohl der Allgemeinheit einsetzen. Dies erfordere neben körperlicher Fitness besonders mentale Stärke und eine robuste Psyche. Er bewundere auch den Idealismus der vier Gründungsmitglieder, die nach wie vor die Kameradschaft zu Jung und Alt pflegen.

Appell an die Vernunft der Hobbysportler

Wünschenswert wäre, dass sich alle, die sich zu Wanderungen, Bergtouren, Wildwasserfahrten oder Mountaibike-Touren aufmachen, vernünftig, der eigenen Fitness entsprechend realistisch verhalten und die Folgen ihres Tuns bedenken würden. So könnte sicher der ein oder andere Einsatz vermieden werden. Im Namen der Gemeinde würdigte er die Bereitschaftsmitglieder für ihr Engagement.

Dass die Bergwachtler auch zu feiern wissen, zeigte sich am Rahmenprogramm. Hier konnten Wagemutige sich an einer Kletterwand oder beim Bierkistenkraxln probieren, die Kinder konnten über eine Seilrutsche vom Dach aus abfahren oder Interessierte sich an mehreren Stationen über Ausrüstung, Fuhrpark oder die Geschichte der Bereitschaft informieren. Für die musikalische Unterhaltung sorgten untertags die Kesselalm-Musi und am Abend, bei der Zeltparty »Die Guten-A-Band«. wb