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58 Asylbewerber kommen nach Seegatterl

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Bis zu 58 Asylbewerber werden im Alpenhof Seegatterl untergebracht, den das Landratsamt jetzt angemietet hat. (Foto: Hauser)

Reit im Winkl – Bis zu 58 Asylbewerber werden demnächst im Alpenhof Seegatterl untergebracht, den das Landratsamt Traunstein für diesen Zweck langfristig angemietet hat. Bei einer gemeinsamen, gut besuchten Informationsversammlung im Festsaal gaben Florian Amann vom Landratsamt, Bürgermeister Josef Heigenhauser und Sabine Wörnle vom neu gegründeten Helferkreis Auskunft über die allgemeine Asylsituation im Landkreis und speziell über die geplante Unterbringung im Reit im Winkler Ortsteil Seegatterl.


Insgesamt seien zum Jahresbeginn rund 1800 Asylbewerber im Landkreis Traunstein untergebracht, berichtete Florian Amann. Bei anhaltendem Flüchtlingsstrom steige diese Zahl laut Prognose für 2016 auf 5678. »Wir stoßen an die Grenzen. Das können wir organisatorisch nicht mehr bewältigen«, sagte er dazu und verwies auf den kürzlich von Landrat Siegfried Walch an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschriebenen Brandbrief.

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Sollquote für Reit im Winkl liegt bei 78 Flüchtlingen

Das Ziel des Landratsamts sei es, bei den Unterkünften keine zu großen Einheiten zu bilden und die Asylbewerber möglichst gleichmäßig auf die 35 Landkreisgemeinden beziehungsweise -städte zu verteilen. Nach den aktuellen Zahlen treffe die Gemeinde Reit im Winkl eine Sollquote von 78 Asylbewerbern. In der vom Landratsamt jetzt ab 1. März angemieteten, ehemaligen Gaststätte in Seegatterl sei Platz für 58 Flüchtlinge.

Amanns Dank galt den zahlreichen Helferkreisen im Landkreis. »Ohne diese Ehrenamtlichen ginge es nicht. Das Landratsamt hat schon 30 bis 40 Hauptamtliche zur Bewältigung dieser großen Aufgabe eingestellt«, sagte er dazu und fuhr fort: »Wir versuchen, zusammen mit den Gemeinden diese schwierige Situation hinzubekommen.« Er bat um Verständnis dafür, »dass bei dieser gewaltigen Herausforderung nicht alles glattgehen kann«.

Bürgermeister Josef Heigenhauser wies darauf hin, dass sich die Asylbewerber in Seegatterl selbst versorgen werden. Dafür erhalten sie einen Festbetrag. Zur geplanten Unterkunft sagte er: »Uns ist klar, dass mit diesem Objekt die Integration der Asylbewerber gerade im Winter sehr schwer wird, aber es ist immer noch besser als ein Containerdorf oder die Turnhalle.«

»Auch wir in Reit im Winkl werden uns dieser Aufgabe und der gesamtstaatlichen Verpflichtung stellen«, rief der Bürgermeister zusammenfassend aus. »Deshalb ist es auch Aufgabe der Gemeinde, die Entwicklung zu lenken und zu steuern, bevor hier unkoordiniert gehandelt und bei Immobilien spekuliert wird. Falls wider Erwarten die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin nicht geändert wird, werden wir weitere Unterkünfte in Reit im Winkl benötigen.« Dies wolle der Gemeinderat dann aber nicht dem Zufall überlassen. Zunächst sei deshalb das komplette ungenutzte zweite Stockwerk in der alten Volksschule als Kleiderkammer zur Verfügung gestellt worden.

Darauf ging auch die Vorsitzende des Sozial- und Kulturausschusses der Gemeinde, Sabine Wörnle, ein. Sie hatte sich bereit erklärt, den Helferkreis Asyl zu leiten. 27 Personen haben an dessen erster Sitzung teilgenommen. Die vom Bürgermeister angesprochene Kleiderkammer werde zum ersten Mal an diesem Freitag von 16 bis 19 Uhr geöffnet sein und nehme dabei Kleiderspenden und auch Bettwäsche von der Bevölkerung an.

Das nächste Treffen des Helferkreises ist laut Wörnle am 18. Februar im Sitzungssaal der Gemeinde. »Unser Hauptanliegen ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Wir wollen die Selbstständigkeit der Asylbewerber fördern und sie sollen sich hier selbst zurechtfinden«, sagte Wörnle und appellierte, sich dem Helferkreis anzuschließen.

Als neuer Besitzer des Alpenhofs Seegatterl stellte sich Peter Feldmeier vor. Er berichtete, dass er diesen vor kurzem ersteigert habe. Ein Hausmeister sei bereits eingestellt. Die Überlegungen gingen auch dahin, welche Freizeitmöglichkeiten für die Asylbewerber geschaffen werden könnten.

Bedenken, die Kinder zur Bushaltestelle zu schicken

In der Diskussion äußerten mehrere Bewohner von Seegatterl ihre Bedenken, dass in diesem abgelegenen Ortsteil mit etwa 20 Einwohnern nun 58 Asylbewerber einquartiert werden. »Ich habe Angst, wenn meine Töchter morgens auf dem Weg zur Schule allein an der Bushaltestelle warten müssen«, so die Worte einer besorgten Mutter. Ein anderer bat daraufhin, möglichst keine alleinstehenden Männer, sondern dafür Familien einzuquartieren. Bürgermeister Josef Heigenhauser gab diese Bitte an Florian Amann weiter. sh