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53-Jähriger muss für zwölf Jahre hinter Gitter

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Traunstein. Das Schwurgericht Traunstein hat gestern einen 53-Jährigen aus Neumarkt-Sankt Veit wegen Totschlags für zwölf Jahre hinter Gitter geschickt. Er hatte am Abend des 6. Juli 2013 seine 39-jährige Ehefrau nach einem Streit in der gemeinsamen Wohnung getötet, ihre Leiche sexuell geschändet und sich am Tag darauf mit der Toten im Kofferraum zur Polizeiinspektion Mühldorf fahren lassen.


Staatsanwalt Dr. Martin Freudling hatte 14 Jahre gefordert, Verteidiger Erhard Frank aus Burghausen zehn Jahre. Die Nebenklagevertreter hatten auf keine konkreten Strafhöhen plädiert. Entscheidend für den Schuldspruch auf Totschlag und nicht auf Mord war das toxische Gutachten von Professor Matthias Graw, dem Leiter des Instituts für Rechtsmedizin an der Universität München. Dabei ging es um die Frage, ob das Opfer vor seinem Tod betäubt worden war. Das Ergebnis: Die 39-Jährige hatte bei der Obduktion betäubende Substanzen im Körper. Wie und wann sie hinein gelangten, lässt sich nicht eindeutig feststellen. Der 53-Jährige sagte im Laufe des fünftägigen Prozesses aus, der Leiche Jahrzehnte alten Äther in den Mund geschüttet zu haben – warum, wisse er nicht.

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Der psychiatrische Gutachter, Dr. Stefan Gerl vom Bezirksklinikum in Gabersee, stufte den Angeklagten, dem er narzisstische und dissoziale Züge bescheinigte, als »voll schuldfähig« ein. Der 53-Jährige sei zwar von Alkohol abhängig, zur Tatzeit aber nicht relevant alkoholisiert gewesen.

Von »einem Sachverhalt, bei dem vieles im Dunkeln bleiben wird«, sprach Staatsanwalt Dr. Martin Freudling im Plädoyer. Unter den negativen Aspekten nannte er das »extrem hohe Maß an Brutalität«, mit dem der Angeklagte auf das Opfer losgegangen sei. Die »Störung ihrer Totenruhe« sei nicht angeklagt, sei aber strafschärfend zu gewichten. Namens der Kinder der Getöteten meinte Anwalt Jörg Zürner aus Mühldorf, der Vater müsse mit »der moralischen Schuld leben«. Für die Schwester des Opfers schloss sich Anwalt Axel Reiter aus Mühldorf der rechtlichen Würdigung des Staatsanwalts an, verzichtete aber auf einen Antrag zur Höhe der Strafe. Statt eines »letzten Worts« stampfte der Angeklagte unter Tränen auf den Boden und rief laut: »Kreuzkruzifix nochmal, ich wollt´ das nicht.«

Im Urteil unterstrich Vorsitzender Richter Erich Fuchs, es gebe zahlreiche Auffälligkeiten, Ungereimtheiten, Merkwürdiges und Unerklärliches in den Aussagen des 53-Jährigen. Der Missbrauch seiner toten Ehefrau sei »nicht verständlich« und »abstoßend«. Letztlich sei – zugunsten des Angeklagten – nicht zu beweisen, ob er seine Frau zu Lebzeiten betäubt habe. Auf Spekulationen könne sich kein Urteil stützen, hob Fuchs heraus.

Seiner nur 1,51 Meter großen Ehefrau sei er körperlich weit überlegen gewesen, habe bei der Tat »große Gewalt und Kraft« ausgeübt. Wer so vorgehe, handle »mit absolutem Tötungsvorsatz«. Ein Affekt scheide aus: »Sein Verhalten nach der Tat war konkret und zielstrebig.« Dennoch seien eine »gewisse affektive Aufschaukelung« und eine leichte Alkoholisierung vorgelegen. Das Geständnis habe das Gericht in hohem Maße berücksichtigt.

Der 53-Jährige nahm das Urteil gestern regungslos auf und erkundigte sich als erstes, in welches Gefängnis er verlegt werde. Ob das Urteil rechtskräftig wird, war gestern nicht zu erfahren. kd