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53 Stellungnahmen zu Projekten

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Seeon-Seebruck. Bei der Jahresversammlung des Bundes Naturschutz (BN), Ortsgruppe Seeon-Seebruck-Truchtlaching, gab Kreisvorsitzende Beate Rudkowski einen umfangreichen Einblick in die Arbeit der Kreisgruppe. Zuvor berichtete Ortsvorsitzender Anton Roth über die Tätigkeiten der Ortsgruppe im vergangenen Jahr.


Am Krötenzaun wurden im April in 31 Arbeitsstunden von sechs Mitgliedern und 17 Grundschulhelfern 597 Kröten gesammelt und zum Bäckerbach getragen, so Roth. Im Oktober wurden zusammen mit Obinger und Pittenharter Mitgliedern im Weitmoos die zwei vom BN erworbenen Grundstücke entbuscht, um dem Torfmoos die Saugfähigkeit und den Pflanzen, wie dem Sonnentau, das Aufkommen zu ermöglichen. Dem Elektrizitätswerk bei Truchtlaching wurde ein Informationsbesuch abgestattet. Außerdem wurden das ganze Jahr hindurch bei den Stammtischen Vorträge zu wichtigen Themen gehalten.

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Die Vorsitzende der Kreisgruppe Traunstein, Beate Rutkowski, bezeichnete die Verhinderung der Winterolympiade 2022 in Bayern und damit auch in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land als den vielleicht größten Erfolg des vergangenen Jahres. Nachträglich sei der BN dafür gelobt worden, aus dem In- und Ausland hätten sich viele in E-Mails zustimmend geäußert.

Auch die Energiewende beschäftigt den Landkreis Traunstein. Der BN befürworte die Wende, aber die Wasserkraftwerke, die hier massiv ausgebaut werden sollen, seien schädlich für die Flüsse (Änderung der Flussmorphologie durch die notwendige Querverbauung) und würden nicht viel bringen; bestenfalls eine Steigerung des alternativen Energieanteils um zwei Prozent bayernweit. Anstrengungen in die Energieeinsparung könnten dies leicht kompensieren. Durch eine Erbschaft sei der BN finanziell in der Lage, eventuell in Brüssel gegen die Errichtung mehrerer Wasserkraftwerke an der Salzach Klage einzureichen, sagte Rutkowski. In der Tiroler Achen möchte das »Ökomodell Achental« zwei bis vier Wasserkraftwerke errichten, um eine Energieautarkie im Achental herzustellen. »Das ist der falsche Weg und rechtlich auch kaum möglich«, so Rutkowski. Ein Ausbau der Windenergie außerhalb der Alpentäler sei eher zielführend.

Zur Windenergie sagte Rutkowski, im Regionalplan 18 seien für den Landkreis Traunstein 30 mögliche Gebiete für etwa 100 Windräder in 17 Gemeinden festgelegt. Im gesamten Strombedarf der Region sei momentan ein 20-prozentiger Anteil der Windenergie geplant. Der von der Staatsregierung geplante Abstand von zwei Kilometern zu Wohnbebauung führe jedoch dazu, dass kein Windrad mehr im Landkreis errichtet werden könne. Die gesamte Strommenge müsste dann durch Bioenergie und Wasserkraft aufgebracht werden. Das hält der BN für utopisch und schädlich.

Auch das Hochwasser an der Tiroler Achen war ein Thema der Kreisgruppe, besonders das in die Hirschauer Bucht geschwemmte Treibholz. Es sei unmöglich und ökologisch sinnlos, das Treibholz zu entfernen, dies würde die zunehmende Verlandung des Chiemsees kaum verlangsamen. Der Treibholzanfall müsse an der Wurzel bekämpft werden: Die Deiche an der Tiroler Achen müssten zurückgenommen werden und der Auwald wieder mit dem Fluss verbunden werden. Er könnte dann nicht nur Hochwasser auffangen, sondern auch die angeschwemmten Treibhölzer könnten dort in Ruhe verrotten und ein neues Biotop entstünde.

Im Lauf des Jahres gab der BN 53 Stellungnahmen zu verschiedenen Projekten im Landkreis Traunstein ab, darunter einige auch für Seeon-Seebruck, unter anderem zum Bebauungsplan Gewerbegebiet III in Seeon. Das Gutachten kam zu dem Schluss, dass die beabsichtigten Produktionsgebäude für die Herstellung von Brauereimaschinen mit bis zu elf Metern Höhe zu groß für Seeon sind und besser zum Beispiel nach Traunreut als nach Seeon passen würden. Die Entfernung zum Wald einerseits und zur Wohnbebauung andererseits sei zu gering, die Fauna würde gestört, möglicherweise zerstört. Der vom Ortsverein mit einem Krötenzaun betreute Durchzug der Kröten, besonders der jungen Kröten zurück in den Wald, sei ebenfalls gefährdet.

Den Versammlungsteilnehmern, die von der raschen und lautlosen Fortschreibung des Flächennutzungsplanes des Gewerbegebiets III überrascht wurden, riet Rutkowski, ihre Sorgen der Seeoner Bevölkerung bekanntzumachen und auch im Wahlkampf und bei der Wahl dem selbst Ausdruck zu verleihen. In der folgenden Diskussion wurde auch darauf hingewiesen, dass die Grundstücke der Anlieger im Wert sinken würden, dass wohl keiner der Zugezogenen sein Haus dort gebaut hätte, wäre er über die Entwicklung informiert gewesen. cst