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50 Jahre Kontinuität mit Weiterentwicklung

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Beim 50. Jubiläum des Verbands landwirtschaftlicher Meister und Ausbilder in Oberbayern würdigte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (Mitte) die Verdienste des Verbands bei der Aus- und Weiterbildung. Mit ihm würdigten Bürgermeister Bernd Ruth (links) und Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer die Landwirtschaft und den VLM. (Foto: Peter)

Seeon-Seebruck – Bildung, Innovation und Kreativität seien die Antwort auf die Herausforderungen für die Landwirtschaft.


Und der Verband landwirtschaftlicher Meister und Ausbilder in Oberbayern (VLM) leiste dazu einen wesentlichen Beitrag, sagte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bei der Feier im Kloster Seeon zum 50-jährigen Bestehen des VLM. Der Vorsitzende Peter Seidl aus Eching wurde vom Landesverband mit dem Goldenen Verbandsabzeichen geehrt. Die Ehrung nahmen der Landesvorsitzende Harald Schäfer und seine Stellvertreterin Dagmar Hartleb vor. Der Festakt wurde von der Ramsauer Blasmusik musikalisch umrahmt.

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Seidl hat sich in vielen Bereichen der Berufsaus- und Fortbildung außergewöhnlich engagiert. So war er ab 1994 für 18 Jahre Vorsitzender im Berufsbildungsausschuss des Staatsministeriums, wirkte 20 Jahre im bildungspolitischen Ausschuss im Bauernverband mit, war jahrzehntelang Meister- und Praktikantenprüfer und leitet seit 2004 den VLM. Dieses Engagement wurde mit dem Goldenen Verbandsabzeichen gewürdigt.

Vier Silberne Verbandsabzeichen vergeben

Das Silberne Verbandsabzeichen erhielten Hauswirtschaftsmeisterin Christine Schöberl aus Au am Inn, seit 2004 Stellvertreterin Seidls und zuvor zehn Jahre zweite Stellvertreterin, Nikolaus Gschwendtner aus Söchtenau (Landkreis Rosenheim), Stefan Sedlmair aus Röhrmoos (Landkreis Dachau) sowie Stefan Riedlberger aus Hebertshausen (Landkreis Dachau).

Ziel im VLM sei es, gemeinsam weiterzukommen, sagte Seidl. Und so wurde der Verband vor 50 Jahren gegründet, um aktiv bei der Neugestaltung der landwirtschaftlichen Berufs- und -fortbildung mitwirken zu können. Auf ein Schreiben an 600 Lehrherren und Meister in Oberbayern erklärten sich über 300 bereit, einem Verband beizutreten. Die Gründungsversammlung war am 25. November 1967 im Bräukeller in München. Damals waren es 129 stimmberechtigte Mitglieder, die Thomas Blümel aus Eisingertshofen im Landkreis Dachau zum Vorsitzenden wählten. Heute hat der Verband laut Minister Brunner rund 2700 Mitglieder, was Anerkennung und Respekt verdiene.

Er komme selbst aus der Landwirtschaft und es sei für ihn eine Freude, dass die Basis der Landwirtschaft nach Seeon komme, sagte Bürgermeister Bernd Ruth. Die Menschen seien seien immer weiter von der Landwirtschaft weg, Bauern verkauften ihren Berufsstand zu schlecht in der Öffentlichkeit. Er finde es schade, dass sich Leute mit diesem wichtigen Beruf immer rechtfertigen müssten, wie sie arbeiteten. »Macht Werbung für die Landwirtschaft und lebt die Landwirtschaft für die Kinder, Enkel und Gesellschaft positiv vor«, schloss der Bürgermeister.

Qualität in der Ausbildung geht vor Quantität

Der Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Anton Kreitmair, meinte, in der Festschrift könne der Wandel der Landwirtschaft eindrucksvoll verfolgt werden. Den Meistertitel könne nicht jeder erlangen, die Qualität der Ausbildung dürfe nicht für Quoten aufgegeben werden, sagte er. »Vor einigen Jahrzehnten war die Nahrungsmittelproduktion die alleinige Aufgabe der Landwirtschaft.« Heute seien weitere Bereiche wie die Energieerzeugung oder auch die Landschaftspflege hinzugekommen. Trotzdem müsse die Nahrungsmittelproduktion weiterhin die Grundausrichtung der Landwirtschaft bleiben, so Kreitmair.

Traunsteins Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer ist zugleich der Vorsitzende des oberbayerischen Verbands für landwirtschaftliche Fortbildung. Er stellte den Gästen kurz die landwirtschaftliche Situation im Landkreis vor. Es gibt rund 100 Biogasanlagen, überwiegend im nördlichen Landkreis. Doch sei der Landkreis mit 171 Almen der Landkreis mit den meisten Almen. Der Durchschnittsbetrieb habe 24 Hektar und 32 Milchkühe.

»Vor 500 Jahren waren die Bauern rechtlos, ihr Bevölkerungsanteil betrug 75 Prozent«, sagte der VLM-Landesvorsitzende Harald Schäfer. Vor 50 Jahren habe die Zeit der immer schneller werdenden Technisierung begonnen. Heute hätten die Landwirte einen Bevölkerungsanteil von gerade einmal noch rund zwei Prozent, so Schäfer. Die Landwirtschaft brauche einen bürokratischen Spielraum, um innovativ bleiben zu können.

Elite der Ausbildung in der Landwirtschaft vereint

Der VLM verkörpert nach den Worten von Brunner 50 Jahre Kontinuität mit Weiterentwicklung. Im Verband sei die Elite vereint, die seit Jahrzehnten wegweisend in der landwirtschaftlichen Ausbildung sei. Im Gründungsjahr habe ein Traktor 11 000 Mark gekostet. Die Westdeutschen hätten rund ein Drittel ihres Einkommens für Lebensmittel ausgegeben. Heute seien es noch rund elf Prozent, so Brunner. Es sei den Bauern zu verdanken, dass die Verbraucher nur noch ein Drittel dessen für Nahrungsmittel bei durchwegs besserer Qualität ausgeben müssten, als vor 50 Jahren.

Für die Ausbildung in der Landwirtschaft sei nicht nur die Fremdlehre ein positiver Aspekt, sondern auch die Auslandsaufenthalte der jungen Nachwuchskräfte seien positiv. Von den Erfahrungen profitiere nicht nur der einzelne Auszubildende, sondern der ganze Berufsstand, so Brunner. Er griff auch den Gedanken Ruths auf, dass sich die Landwirtschaft eventuell selbst zu schlecht verkaufe. Es sei richtig, dass die Bauern mit mehr Selbstbewusstsein auftreten und ihren Berufsstand darstellen sollten, meinte er. MP