weather-image
12°

46 Kilogramm Haschisch im Auto

0.0
0.0

Traunstein – Rosenheimer Schleierfahnder bewiesen am 28. Mai 2015 wieder einmal ihren Spürsinn. Bei der Kontrolle eines Ford Focus an der Autobahn 8 nahe Bad Feilnbach stießen sie in einem Versteck auf 38 Pakete, darin insgesamt 46,02 Kilogramm Haschisch mit einem Endverkaufswert von bis zu einer halben Million Euro. Die beiden Fahrzeuginsassen müssen sich seit gestern drei Tage lang vor der Zweiten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs wegen der Drogen sowie wegen ihrer gefälschten Führerscheine verantworten. Der Prozess wird am 11. und 18. Dezember, jeweils um 9 Uhr, fortgesetzt.


Zwei Männer sitzen auf der Anklagebank

Anzeige

Als die Polizei den Wagen auf dem Parkplatz »Im Moos« an jenem Abend gegen 21.05 Uhr ins Visier nahm, saß ein 25-jähriger Moldawier am Steuer, auf dem Beifahrersitz ein 32-jähriger Deutschrusse aus Schleswig-Holstein. Beide wiesen gefälschte Führerscheine vor. Deshalb legt Staatsanwalt Martin Unterreiner den Männern zusätzlich »Urkundenfälschung« beziehungsweise »Verschaffen von falschen Ausweisen« zur Last.

Die mutmaßlichen Drogenkuriere, von Beruf Schweißer und Kraftfahrer, sind weit gereist. Sie lebten jeweils zeitweise in verschiedenen Ländern und kannten sich seit 2014. Von den Drogen in dem nachträglich eingebauten Metallboden unter der Rückbank des Autos wussten sie nach ihren Angaben nichts. Der Vorsitzende Richter gab zu bedenken: »Ein Geständnis könnte sich erheblich strafmindernd auswirken. Es gibt einige belastende Umstände. Nach Aktenlage werden sie möglicherweise verurteilt. Eine Strafe im zweistelligen Bereich steht im Raum.« Auch im Fall von Geständnissen seien hohe Haftstrafen und keinesfalls welche mit Bewährung zu erwarten. Eine lange Pause mit – letztlich ergebnislosen – Gesprächen zwischen den Prozessbeteiligten folgte.

Verteidiger Dr. Markus Frank aus Rosenheim erklärte namens des 32-Jährigen, sein 900 Kilometer von Moskau entfernt aufgewachsener Mandant habe 2014 in Russland keine Arbeit gehabt. Über die Familie sei er an einen befreundeten Mann gekommen, der in Moskau ein Bauprojekt realisieren wollte. Mit ihm sei der Angeklagte nach Sibirien gereist. Dort habe man sich mit einem Moldawier getroffen, der dort ein Holzgeschäft betreibe. Der 32-Jährige sollte in dessen Firma eingetragen werden – um das Holzgeschäft in Deutschland zu repräsentieren.

Zusammen mit dem mitangeklagten 25-Jährigen habe ihn der moldawische Holzhändler Ende Mai mit einem Ford Focus erst nach Italien und dann nach Deutschland dirigiert. Dr. Markus Frank betonte namens des 32-Jährigen: »Ihm war nicht bekannt, dass sich etwas im Fahrzeug befand. Er kam nur nach Deutschland wegen des Holzgeschäfts und eines Treffens mit dem moldawischen Händler.« Staatsanwalt Martin Unterreiner und die Kammer stellten dem 32-Jährigen viele Fragen – auch zu Widersprüchen im Vergleich zu früheren Vernehmungen oder zu Aussagen des Mitangeklagten.

Er habe keine Ahnung von den Drogen gehabt

Der 25-Jährige äußerte sich gestern nicht zu den Vorwürfen des Staatsanwalts. Verteidiger Harald Baumgärtl aus Rosenheim führte aus, den Ford Focus habe der 25-Jährige in Barcelona von einem Dritten bekommen. Von dem Rauschgift im Wagen habe auch der 25-Jährige keine Ahnung gehabt, so dessen Verteidiger.

Erste Zeugen waren gestern die beiden Schleierfahnder der Polizeiinspektion Fahndung in Raubling. Die Beamten in Zivil entdeckten damals einen verklebten Einschnitt im gewölbten Teppichboden des Fahrzeugs – »wie er typisch für ein Drogenversteck ist«, wie der Fahnder meinte. Er und sein Kollege gaben vor, nichts Auffälliges festgestellt zu haben und baten die Insassen, mit in die Dienststelle zu fahren. Diese waren angeblich auf der Rückreise von einem Urlaub in Rom. Bei genauer Untersuchung des Wagens tauchten die 38 Pakete Haschisch in dem eingeschweißten weiteren Boden auf.

Eine Spezialistin vom Bayerischen Landeskriminalamt, die Sachverständige Dr. Christine Schäfer, konnte DNA-Spuren der Angeklagten in dem Fahrzeug nachweisen. kd

Mehr aus der Stadt Traunstein