425 Jahre bayerische Brautradition gefeiert

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Martin Braxenthaler und Tobias Angerer schenkten Theo und Rudi Wochinger (von links) eine Startnummer von der Olympiade in Vancover.

Traunstein. Ihr 425-jähriges Bestehen feierte am Wochenende die Privatbrauerei Wochinger in Traunstein. Beim Festabend brachte Kabarettist Wolfgang Krebs die zahlreichen Festbesucher mit seinen Parodien von Ministerpräsident Horst Seehofer, seinem Vorgänger Günther Beckstein sowie seinem Herausforderer Christian Ude, musikalisch begleitet von den »Bayerischen Löwen«, herzhaft zum Lachen.


Rudi Wochinger, der zusammen mit seinem Bruder Theo die Brauerei führt, sagte, 425 Jahre seien eine überwältigende Zahl. Die Brauerei sei nun bereits in der 14. Generation im Familienbesitz. In einer Aufstellung der Zeitschrift »Euro« stehe die Brauerei an 16. Stelle der ältesten Familienunternehmen in Deutschland, bei den Brauereien sogar an vierter Stelle. Als Grundlage dafür, dass Traunsteins kleinste Brauerei so lange im harten Wettbewerb bestehen konnte, nannte er vier Säulen: die lange Generationenfolge, die guten Mitarbeiter, das ausgezeichnete Bier und nicht zuletzt die treuen Geschäftsfreunde und Verbraucher, welche die Produkte aus einer regionalen Brauerei schätzen.

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Oberbürgermeister Manfred Kösterke zitierte den alten Spruch »Traunstein und Erding, Vilshofen und Schärding sind in Bayern der Orte vier, wo man trinkt das beste Bier«. Und: »Wir Traunsteiner haben ohnehin nie einen Zweifel an diesem Spruch gehabt.« Die Stadt könne sich noch über drei unternehmergeführte Brauereien freuen. Allerdings habe das Bier in der Vergangenheit zunächst keinen solchen Stellenwert gehabt. Im frühen Mittelalter habe noch der Wein dominiert, was durch die Weinleite in Traunstein dokumentiert werde. In den Stadtrechten von 1375 werde nur der Wein reglementiert. Erst das bayerische Reinheitsgebot von 1516 sei im 16. Jahrhundert Ausgangspunkt für das Aufblühen des Biers gewesen. Hatten die Wochinger ursprünglich in Vilshofen Bier gebraut, so kaufte Jakob Wochinger 1892 die Brauerei Scheicher (heute Café Lenz) am Traunsteiner Stadtplatz. Da die Sudstätte bald zu klein und die neuen technischen Anforderungen größer wurden, wurde sie 1903 an die Wochinger-Keller-Straße (heute Oswaldstraße) verlegt, wo sich bereits die unterirdischen Lagerkeller befanden. »Die 425 Jahre lange Brautradition schlägt sich heute noch in dem Stadtteilnamen »Wochinger-Spitz« nieder«, sagte der Oberbürgermeister. Der stellvertretende Landrat Herbert Häusl zitierte den griechischen Philosophen Plutarch mit den Worten: »Bier ist unter den Getränken das nützlichste, unter den Arzneien die schmackhafteste und unter den Nahrungsmitteln das angenehmste.« Bier stehe daher für Lebensfreude, Geselligkeit und Gesundheit, so Häusl. Deshalb sei es erfreulich, dass sich in Traunstein noch so viele Brauereien gehalten hätten. Der Landkreis sei dankbar für das unternehmerische Engagement aller Mittelständler. Geschäftsführer Dr. Werner Glossner vom Verband Private Brauereien Bayern betonte, regionale Biere stünden für Genuss, Vielfalt und Individualität im Gegensatz zu den großen Brauereikonzernen. »Es steht für die Nähe zum Verbraucher.« Mittelständische Brauereibesitzer müssten nicht Millionen umsetzen und könnten individuelle Biere auf den Markt bringen. Es sei sehr schwer, sich gegen den Druck der großen Konzerne zu behaupten. »Wir vom Verband sind froh, dass wir solche Leute haben wie die Familie Wochinger«, so der Geschäftsführer.

425 Jahre seien eine gewaltige Zeit mit Höhen und Tiefen, meinte auch Geschäftsführer Peter Zacharias vom Bayerischen Brauerbund. Auch er wies auf die schwierigen Zeiten auf dem Biermarkt mit einem harten Wettbewerb hin. Als gestandenes mittelständisches Unternehmen sei die Brauerei Wochinger diesem Wettbewerb jedoch gewachsen.

Eine Überraschung hatten noch einige Spitzensportler aus der Region parat, die sich bei Rudi und Theo Wochinger für die Unterstützung bedankten. Mit Tobias Angerer (Skilanglauf), Tobias Arlt und Tobias Wendl (Rodeln), Martin Braxenthaler (Monoski), Alexander Huber (Extremklettern) und Stefan Pletschacher (Eisspeedway) an der Spitze überreichten sie ihnen eine Startnummer mit Autogrammen von den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancover. Bjr

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