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40 Jahre Leidenschaft für das Theater

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Für das aktuelle Stück »Die Geierwally« hat die Inzeller Bauernbühne eine stilechte Almhütte nachgebaut. Das Foto zeigt die »Wally« (Alex Holzner) mit dem »Klettermeier« (Christian Kastner) in der Hütte. (Foto: Mergenthal)

Inzell. Als er mit seinem Freund, dem Geisreiter Seppi, in der Schulzeit und auch noch in der Lehrzeit Einakter von Karl Valentin spielte, ahnte Helmut Spannring noch nicht, dass aus dieser Theater-Leidenschaft einmal die Inzeller Bauernbühne hervorgehen sollte. Die ambitionierte Laien-Theatergruppe feiert heuer ihr 40-jähriges Bestehen.


Dafür hat sie sich das Stück die »Geierwally« ausgesucht, die leider aufgrund des nassen Sommers bisher noch nicht oft im Steinbruch hinter der Max-Aicher-Arena gespielt werden konnte. Kurzfristig wurden daher neben dem letzten Spieltermin am Samstag, 30. August noch zwei Zusatzvorstellungen angesetzt, am Donnerstag, 28. August und Freitag, 29. August. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

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Bereits vor der Bauernbühne gab es in Inzell ein Bauerntheater im Postsaal, bei der unter anderem auch der spätere Bürgermeister Ludwig Schwabl mitspielte. Einmal habe dieser eine so »g’scherte« Rolle gespielt, dass er ausgebuht wurde und über das Toilettenfenster das Weite suchte, erzählt Spannring schmunzelnd. Die Kulissen seien damals im Einödhof in Paulöd aufbewahrt worden. Leider lebe von den früheren Theaterspielern keiner mehr.

Den Auslöser zur Neugründung gab ein »Zuagroaster«, der aus Ansbach stammende Gemeinde-Mitarbeiter Karl Rinker. »1974 bin ich einmal von der Arbeit heimgekommen. Da ist ein fremder Mann in der Küche gesessen«, erinnert sich Spannring. Der »Fremde« war Rinker. Er wollte für Inzell wieder ein Theater.

Schauspieler zogen sich unter Prospekten um

Sieben theaterbegeisterte Inzeller gründeten dann im März 1974 im Café Vroni die »Inzeller Bauernbühne«. Karl Rinker streckte aus seinem Privatvermögen 3000 Mark vor für nötige Anschaffungen, wofür seine Mitgründer recht dankbar waren, da keiner recht viel Geld hatte. Die erste Theaterkulisse (für das Stück »Das Geburtstagsgeschenk – die Kuckuckseier«) war ein Haus mit Gartenbank und Wald und wurde von Andreas Kamml junior in seiner Zimmerei im heutigen Netto-Areal gebaut.

Ludwig Schwabl und Willi Preinfalk, der bis heute jedes Stück besuchte, setzten sich dafür ein, dass die Bauernbühne im heutigen Raum Niederachen im Rathaus auftreten konnte. Zehn Quadratmeter blieben für die Künstlergarderobe. »Unter den Prospekten der Touristik haben wir uns umgezogen«, sagt Regina Mayer, die rund 30 Jahre Zweite Vorsitzende war.

»Viele Inzeller waren skeptisch. Wir haben oft gehört: ,Schau mer mal, wia lang dass es no gibt’«, erzählt Spannring. Die ersten Aufführungen besuchten bereits 100 bis 120 Zuhörer. Rasch bildete sich ein Stammpublikum. Anfang der 80er Jahre wurden Podeste eingebaut, sodass die Sitzhöhe wie in einem Kino nach oben anstieg. Mitte der 80er Jahre, beim »Unterirdischen Heiratsgut«, das zunächst im Rathaus gezeigt wurde, zog die Bauernbühne in den Festsaal um und bekam auch einen Raum für Kulissen und Utensilien, die vorher beim Rabenbauern sowie in Privathaushalten lagerten. Auf der riesigen Bühne verliefen sich die Hobby-Schauspieler anfangs fast.

Freundschaften pflegte die Bauernbühne mit der Ruhpoldinger Heimatbühne – da gab es eine legendäre gemeinsame Weihnachtsfeier – und mit dem Theater in Lofer, wo die Inzeller auch gastierten. Große Erfolge waren Gastspiele in Illerberg bei Ulm sowie in Berlin mit dem ausverkauften »Haustyrann« in den Jahren 2004 und 2005. Den Kontakt in die Bundeshauptstadt hatte Spannring bereits 1978 während seiner fünfjährigen beruflichen Tätigkeit in Berlin hergestellt. Er spielte damals auch in einem freien Theater in Berlin mit und wurde von den Berliner Schauspielern Günther Pfitzmann und Dieter Hallervorden maßgeblich inspiriert.

Kulisse der Freilichtbühne wird jährlich erweitert

2005 wurde die Freilichtbühne im Falkenstein-Steinbruch errichtet, die durch das Musical »Wurzenoim« der Werkstatt Kesslfligga 2013 erst so richtig bekannt wurde. Jedes Jahr wird etwas dazu gebaut und die Kulisse wird erweitert und verschönert, was auch die großzügige Unterstützung durch die Gastager-Stiftung ermöglicht. Alle der insgesamt 40 Aktiven im Alter von zehn bis 78 Jahren, die auf und hinter der Bühne stehen, helfen zusammen. Jährlich werden neue Schauspieler dazu gewonnen.

Weitere Höhepunkte in den vergangenen 40 Jahren waren der »Watzmann« 2000 in Inzell und 2002 in Berchtesgaden sowie die »Gratleroper« im Steinbruch in Kooperation mit der Musikschule Inzell. Für das zehnjährige Bestehen der Freilichtbühne 2015 plant Ulli Rieder, die inzwischen Helmut Spannring als Theaterleiterin abgelöst hat, mit ihren Mitstreitern das Stück »Bluad vo da Gams« von Sebastian Schlagenhaufer über den Wildschütz Jennerwein. vm

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