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36-Jähriger wollte Frau vergewaltigen

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Traunstein – Ein psychisch kranker, 36-jähriger Patient versuchte im Bezirksklinikum in Gabersee eine schwerst geistig behinderte Mitpatientin in der Herrentoilette sexuell zu missbrauchen. Eine Mitarbeiterin hörte das laute Wimmern und verhinderte Schlimmeres. Die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel ordnete gestern die zeitlich unbegrenzte Unterbringung des Beschuldigten in einer psychiatrischen Klinik an. Bestraft werden könne der Täter wegen des versuchten schweren Missbrauchs an einer widerstandsunfähigen Person nicht, er sei aufgrund seiner Erkrankung nicht schuldfähig.


Angeklagter und Opfer lebten in der Einrichtung

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Der geistig-seelisch eingeschränkte 36-Jährige, dem Verteidiger Peter Dürr aus Rosenheim zur Seite stand, sagte gestern nichts zu seiner Person und den Vorwürfen von Staatsanwältin Inge Schäfer. Gegenüber Beamten der Kripo Rosenheim hatte er die Tat vom Abend des 18. Februar 2016 – genau zu der Zeit, als das Personal durch den Schichtwechsel abgelenkt war – gestanden. Er hatte die Frau, die sich aufgrund ihrer geistigen Behinderung verbal nicht äußern kann, in das Herren-WC gezogen und dort versucht, Sex mit ihr zu haben. Die Patientin war nicht in der Lage, als Zeugin vor Gericht auszusagen. Wie der psychiatrische Sachverständige Dr. Josef Eberl aus Gabersee informierte, kann sie trotzdem ausdrücken, wenn sie etwas nicht will, beispielsweise durch bestimmte Laute.

Die Lebensgeschichte des Beschuldigten mit Geburtsschaden, schwieriger Kindheit und Heimaufenthalten beleuchtete der psychiatrische Gutachter, Dr. Stefan Gerl vom Bezirksklinikum in Gabersee. Vor der vorläufigen Unterbringung in dem Bezirksklinikum habe der 36-Jährige in einer Einrichtung im Landkreis Mühldorf gelebt. Dort sei derzeit kein Platz frei. Nur wenige Heime seien für derart problematische Patienten geeignet. Manche nähmen keine Personen auf, denen Sexualstraftaten anhängen. Man werde sich aber bemühen, zusammen mit der Betreuerin einen Platz zu finden.

Staatsanwalt: Angeklagter ist »brandgefährlich«

Die Erforderlichkeit der Unterbringung in der Psychiatrie habe sich bestätigt, betonte Staatsanwältin Inge Schäfer im Plädoyer. Die Frau habe keinen Widerstand entgegensetzen und die Situation nicht einschätzen können. Sie gehe von einer versuchten Vergewaltigung einer widerstandsunfähigen Person aus. Ein Vorsatz sei zu bejahen. Wegen der geistig-seelischen Erkrankung des 36-Jährigen sei die Steuerfähigkeit zumindest erheblich eingeschränkt, wenn nicht sogar aufgehoben gewesen. Der Beschuldigte sei »brandgefährlich«. Solch schwerwiegende Sexualstraftaten seien laut Dr. Gerl wieder zu erwarten. Der Schutz der Allgemeinheit überwiege gegenüber dem Freiheitsrecht des 36-Jährigen.

Von einer »gesellschaftlichen Frage« sprach Verteidiger Peter Dürr. Eine lebenslange dauerhafte Unterbringung in der Forensik sei keine Alternative. Irgendwann solle sein Mandant in das frühere Heim zurückkehren können. Der Verteidiger stellte in den Raum, ob der angeklagte Sachverhalt in der Beweisaufnahme überhaupt festgestellt werden konnte. Die vor der Polizei dürfe nicht verwertet werden. Außerdem enthalte sie Widersprüche. Dürr beantragte, keine Unterbringung anzuordnen und hilfsweise, sie zur Bewährung auszusetzen. In seinem »letzten Wort« beklagte der 36-Jährige, 15 Jahre eingesperrt gewesen zu sein. Jetzt wolle ihn keine Einrichtung haben.

Vorsitzender Richter Dr. Jürgen Zenkel führte im Urteil aus, der 36-Jährige solle in der Psychiatrie bleiben, bis ein Heimplatz frei ist. Die Kammer lege die Schilderung der Pflegekraft, die das Wimmern durch zwei Türen hindurch gehört hatte, zugrunde. Ihr gegenüber habe der Beschuldigte mehr eingeräumt als in der Anklageschrift enthalten. Außerdem sei eine frühere Brandstiftung durch den 36-Jährige zu bewerten. Der Schutz der Allgemeinheit stehe über seinen Rechten, so Dr. Zenkel. Für das Gericht sei nicht nachvollziehbar, dass das besagte Heim erst von wenigen Wochen von einer kurzen Wartezeit auf einen Platz gesprochen habe, jetzt aber von neun bis 15 Monaten. Es sei der Wunsch auch der Kammer, der Beschuldigte möge bald in dem Heim unterkommen. kd