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3000 Fans feierten mit LaBrassBanda und dem Keller Steff

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»Mia deafan heit spuin, des is’ des Geilste!«, rief Stefan Dettl beim Konzert im Festzelt in Ruhpolding.
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3000 begeisterte Fans kamen zum Konzert von LaBrassBanda und dem Keller Steff im Rahmen des Gaufestes. (Fotos: Mergenthal)

Ruhpolding. Knackige Trompeten- und Posaunenstöße, pulsierende Blechbläsersätze, ein vibrierendes Fundament von E-Bass, Tuba und Schlagzeug, urbayerische Texte und ein Lead-Sänger, der wie ein Derwisch auf der Bühne herumtanzt: Das ist LaBrassBanda, die Chiemgauer Kultband um den charismatischen Grassauer Musiker Stefan Dettl. Ihr Auftritt im Festzelt des Trachtengaufestes in Ruhpolding vor etwa 3000 begeisterten Fans aller Generationen im Rahmen ihrer Bierzelt-Tournee war ein lautstarkes Bekenntnis zur Tradition und zu Bayerns Vereinen. Natürlich ließen sich die acht sympathischen Burschen trotz der Kritik von konservativen Stimmen im Gauverband I an diesem Gaufest-Programmpunkt nicht verbiegen.


Wie immer barfuß auf der Bühne

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Sie rockten wie immer barfuß, schnitten ihre zum Teil längeren Haare für diesen Auftritt nicht eigens ab und ließen ihre Karo-Hemden locker über ihre Lederhosen hängen. Einer hat sogar eine Tätowierung am Wadl. Eine gewisse Aufregung und Anspannung war trotzdem spürbar – Dettl begründete sie geschickt damit, dass auch viele Kinder im Publikum waren. Ihre bisher größten Erfolge feierten sie mit dem Konzert vor über 10 000 Menschen in der Münchner Olympiahalle 2011 und dem zweiten Platz beim deutschen Vorentscheid für den »Eurovision Song Contest« 2013.

Bereits der Keller Steff aus Übersee, ebenfalls in Lederhose, hatte als Vorband mit seinen drei Mitstreitern das Zelt zum Kochen gebracht und konnte sich einige Nebenbemerkungen nicht verkneifen. »Jetzt is’ Schluss mit der Gaudi, jetzt wer’n ma wieder ernst«, bremste er sich selbst im »Wanderer« ein und kam auf »Zeckan« und andere »oreidige« Sachen zu sprechen. Den Rock 'n' Roll »Mei war des schee« sangen alle mit, ob Kinder, Jugendliche oder jung gebliebene Ältere. Er wolle ihnen mit dem Lied überhaupt nichts sagen, stellte der Keller Steff klar: »I mecht eich nur song, wia schee des waar, wenn manche Leit nix mehr zum Song hätten.« Mit Herzblut sang er für die Sanitäter, Kindergärtnerinnen, Krankenschwestern und Altenpfleger: »De vadienan einfach z’wenig, und des is a echte Sauerei!« Ob sie mit ihm für die Krankenschwestern singen, rief er ins Publikum. »Ja!«, schallte es aus vielen Kehlen zurück. Mit »Bulldogfahrer«, »Magic« und »Narrisch« sang er sich in Ekstase – und holte zum Lied vom »Kaibeziang« symbolisch einen »Kinderchor« auf die Bühne.

Die Kinder und jungen Leute lieben die beiden Bands, das war spürbar. Hannes (13), Luca (12) und Theresa (15) hatten sich schon um 19 Uhr ganz vorn postiert und hielten stolz ein Schild mit der Aufschrift »Wir grüßen aus Truchtlaching«. Junge Trachtler aus dem ganzen Umkreis klatschten rhythmisch mit. Später trugen einige einander auf den Schultern. Viele Zuhörer kamen in Dirndl oder Lederhose.

»Mia deafan heit spuin, des is’ des Geilste!«

»Mia deafan heit spuin, des is’ des Geilste!«, rief Stefan Dettl nach einem fulminanten Auftakt mit ACDC-Zitaten ins Zelt und erbat einen »Riesenapplaus für die Veranstalter«, den GTEV D’Miesenbacher. Es werde ein ganz normales Bierzelt-Konzert werden und es werde nichts weggelassen, betonte er. Liebeserklärungen richtete er an alle engagierten Vereine, an die Fans, die ihnen seit ihrer Gründung 2007 die Stange halten, und an die vielen Helfer.

Der tobenden Menge brachte der 33-Jährige Boarisch-Reggae bei – »Tue Mama, tue Baba« – und fordert alle auf, hinauszusingen, was sie fühlen. Zu Latino-Beats brachte er alle dazu, im Pulk nach links zu gehen. Wenn er sang, klemmte der in der Klassik und im Jazz ausgebildete, höchst virtuose Trompeter mit ebenso virtuosen Kollegen sein Instrument einfach zwischen die Oberschenkel. Die wie Schlagzeug eingesetzten Blasinstrumente erzeugten immer wieder mitreißende Dynamik und gönnten den Zuhörern mit Elementen aus Reggae, Rock, Funk oder Techno keine Pause.

Freilich wurden die mit viel Feinsinn formulierten, oft poetischen Texte vom hohen Lärmpegel etwas zugedeckt. Sie erzählen von Alltagssituationen wie »Z’spat dro«, vom Sinnieren über das Leben beim Rasen auf der Autobahn nach dem Ende einer Liebe, über die Verbundenheit mit der Heimat, etwa in »Nackert«, oder von Maxi, der dem im Sterben liegenden »Opa« mit einer Leberkassemmel ein Strahlen entlockt. Mit der Ballade »Doda Hos« als letzte Zugabe verabschiedete sich LaBrassBanda mit einem Lächeln. vm