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30 Sekunden drücken, loslassen, drücken

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Sein Beruf erfordert höchste Konzentration und eine Menge Erfahrung: Roland Kirr ist Lokführer bei der Südostbayernbahn. (Foto: Kollmeier)

Traunstein. Das war knapp: Kurz vor Eisenärzt muss Lokführer Roland Kirr den Zug mittels einer elektrischen Bremse plötzlich abbremsen, ein Passant schiebt sein Fahrrad über den mit Schranken gesperrten Bahnübergang. »Auf derartige Situationen richtig zu reagieren, erfordert höchste Konzentration und auch eine Menge Erfahrung«, sagt Rudi Denk, Ausbildungsleiter bei der Südostbayernbahn. Fahrgäste haben normalerweise keinen Zutritt zum Lokführerabteil. Für die Weihnachtsserie »Wir öffnen Türen« durfte das Traunsteiner Tagblatt einmal Lokführer Roland Kirr bei seiner Arbeit zuschauen.


Seit 1895 fahren auf der Strecke Traunstein-Ruhpolding Personenzüge. Während man damals 55 Minuten benötigte, dauert die Fahrt in den Kurort heute nur 22 Minuten. Durch eine wunderschöne Landschaft, oftmals direkt an der Traun, führt die eingleisige Strecke über Siegsdorf und Eisenärzt nach Ruhpolding. »Vor allem, wenn dort Biathlonwettbewerbe stattfinden, ist der Zug ganz schön voll«, so Denk.

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Schon seit 1970 ist Denk bei der Bahn. Damals war es noch nötig, einen metallverarbeitenden Beruf erlernt zu haben, bevor man die Ausbildung zum Lokführer antreten konnte. »Anfangs war das für mich eigentlich unerreichbar, meistens haben Verwandte von Bahnmitarbeitern die Ausbildungsplätze bekommen«, sagt Denk. Weil die Bahn aufgrund der Olympischen Spiele 1972 jedoch eine größere Zahl an Lokführern benötigte, hat es dann doch mit einer Anstellung noch geklappt.

Die Begeisterung ist förmlich zu spüren, wenn Denk die technischen Geräte im Lokführerstand erklärt. Roland Kirr steuert den Personenzug währenddessen Richtung Ruhpolding. Dabei betätigt er das wichtigste Steuerungselement: den Fahr- und Bremshebel. Die Geschwindigkeit des Zuges zeigt ein Tachometer an. Auf beiden Seiten des Lokführers befindet sich ein Bildschirm. Dort muss er zum einen die Zugdaten eintragen, zum anderen ist hier der Fahrplan grafisch und mit den genauen Ankunfts- und Abfahrtszeiten dargestellt. Die Betätigung dieser Geräte wird bei jeder Fahrt digital dokumentiert. »Das funktioniert wie die Black Box eines Flugzeugs und ist vor allem bei Unfällen wichtig«, erklärt Denk.

Zur Kontrolle des Zugs gibt es noch weitere Möglichkeiten. Diese reichen von der Bestätigung bestimmter Signale an den Fahrdienstleiter bis zur Sicherheitsfahrschaltung. Dabei muss der Lokführer 30 Sekunden lang auf ein Pedal treten, dieses loslassen und wieder drauftreten. »Das macht man dann sogar im Schlaf«, erzählt Roland Kirr. Denn diesen Schritt muss er ständig wiederholen, ansonsten kommt der Zug durch eine Druckluftbremse automatisch zum Stehen. Um bei Gefahrensituationen wie in Eisenärzt richtig reagieren zu können, absolvieren die rund 160 Lokführer der Südostbayernbahn zudem jährlich eine Fortbildung. Dabei trainieren sie mittels eines Fahrsimulators mehrere Situationen.

Der Zug erreicht die Endstation, Roland Kirr wechselt nun in den Lokführerstand am anderen Ende des Zuges. In Traunstein gibt der Fahrdienstleiter durch ein grünes Signal die Strecke wieder frei, der Lokführer muss sich an die Abfahrtszeit des Fahrplans halten. Diese sieht er auf einem seiner Bildschirme. Pünktlich auf die Minute schließt er die Türen und betätigt den Fahrhebel, dann geht es mit rund 60 km/h wieder zurück in die Große Kreisstadt. Korbinian Kollmeier

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