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28-Jähriger erhoffte sich Strafbonus

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Traunstein – Für drei Jahre und neun Monate muss ein 28-Jähriger ins Gefängnis. Das Schöffengericht Traunstein verurteilte den geständigen Angeklagten wegen Freiheitsberaubung.


Durch falsche Belastung eines Bekannten versprach sich der gebürtige Kolbermoorer ein milderes Urteil in seinem eigenen Prozess um Falschgeld und Drogen im August 2014 vor dem Amtsgericht Rosenheim. Der zu Unrecht Bezichtigte verbrachte gut fünf Monate in Untersuchungshaft, ehe das Landgericht Traunstein seinen Haftbefehl aufhob.

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Seit 2002 wurde der 28-Jährige zehn Mal straffällig. Derzeit verbüßt er die Strafe vom August 2014. Ohne die Freiheitsberaubung hätte er noch ein Jahr Gefängnis vor sich gehabt. Durch den jetzigen elften Eintrag im Bundeszentralregister verlängert sich die Haftzeit um weitere sieben Monate.

Das Urteil deckte sich mit dem Antrag von Staatsanwalt Kim-Young Weißschädel. Verteidiger Hans Sachse aus Rosenheim hatte drei Jahre als angemessen betrachtet.

Beim Bayerischen Landeskriminalamt in München und beim Traunsteiner Ermittlungsrichter hatte der Angeklagte im Januar 2014 behauptet, er habe falsche Fünfziger von dem Bekannten bekommen. Er nannte eine Menge zusätzliche Details. In der Hauptverhandlung vor dem Landgericht Traunstein im Juni 2015 machte der 28-Jährige dann einen kompletten Rückzieher und widerrief seine früheren Aussagen. Dass er alles nur erfunden hatte, räumte er auch gestern ein: »Meine Angaben waren nicht wahrheitsgemäß.«

Auf Frage des Vorsitzenden zum Motiv erwiderte der Angeklagte: »Ich dachte, ich darf nach Hause gehen.« »Wenn Sie einen anderen so in die Pfanne hauen?«, hakte Richter Wolfgang Ott nach. Das bejahte der 28-Jährige. Der Richter erinnerte ihn, er habe ja vor dem Landgericht Traunstein schon Pluspunkte gesammelt gehabt durch Belastung eines anderen Beteiligten. Die Antwort lautete: »Ich dachte, das schaut besser aus, wenn ich noch jemand belaste. Ich hab viel erzählt.« kd

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