weather-image
30°

27-Jähriger randalierte im Rausch

0.0
0.0

Traunstein – Zu 15 Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilte das Amtsgericht Traunstein einen 27-jährigen vorbestraften Trostberger, dem seine Alkoholsucht erneut zum Verhängnis wurde: Am Tag seiner Haftentlassung fuhr er nach Wasserburg, trank Bier und Schnaps und beleidigte Passanten mit rassistischen Ausdrücken und Nazi-Parolen.


Seine Ausraster setzte er in den Tagen danach in mehreren Bundesländern fort. Damit handelte er sich vier Anklageschriften ein. Die Delikte reichten von versuchter Körperverletzung über Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Beleidigung und Bedrohung bis zu Widerstand gegen Vollzugsbeamte und Erschleichen von Leistungen.

Anzeige

In dem Prozess schilderte der 27-Jährige, der schon fast vier Jahre hinter Gitter verbrachte, woran er sich erinnern konnte. Selbstkritisch berichtete der Mann, er habe sich nach der Entlassung aus dem Gefängnis »überschätzt«: »Ich war sehr von mir überzeugt, dass ich Arbeit und Wohnung finden würde. Aber alles ist brutal anders gelaufen.« Er habe mit seinem Vater getrunken und sei dann nach Wasserburg gefahren. Vor dem Amtsgericht beteuerte der 27-Jährige, er habe sich niemanden gezielt ausgesucht: »Ich war sauer und wollte alle beleidigen. Ich wollte Leute verletzen.« Er habe sich damals gedacht, sein Verzicht auf Alkohol über acht Monate hinweg sei »für die Katz’ gewesen«. Professionelle Hilfe habe er nicht suchen wollen.

Neben der Sache in Wasserburg und weiterer kleiner Delikte randalierte der 27-Jährige am 29. April 2014 im Kreiskrankenhaus Traunstein. Er war mit fast drei Promille Alkohol im Blut erschienen, um eine entzündete Hand ärztlich versorgen zu lassen. Die Situation verlief nach altem Muster: Der Patient wurde aggressiv, die Polizei rückte an. Seine Einweisung in eine Klinik vor Augen, wollte der renitente Mann flüchten. Ein Polizist bekam ihn zu fassen, erntete dafür die Worte: »Ich hau’ dich um.« Erst mit Pfefferspray war der 27-Jährige zu bändigen. Mit vereinten Kräften gelang es, ihn zu fesseln. Massive Beschimpfungen wie »Ich hau’ dir das Genick ab« oder »Man sieht sich immer zweimal im Leben« waren die Folge.

Ähnliche Straftaten hatten die weiteren drei Anklagen von Staatsanwältin Christina Geyer zum Inhalt, darunter auch ein Vorfall am 9. Mai 2014 in Traunreut, wo der betrunkene 27-Jährige von einer Bank kippte und reglos am Boden liegen blieb. Als Polizeibeamte ihm helfen wollten, waren Beleidigungen, Drohungen und Tritte die Reaktion. Am Bahnhof Mühldorf schafften Bundespolizisten den fahrscheinlosen Zugreisenden an einem anderen Tag aus dem Zug. Auf dem Weg zur Polizei in Mühldorf schimpfte der Mann und leistete Widerstand.

Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Stefan Gerl vom Bezirksklinikum in Gabersee, bescheinigte dem Trostberger eine Alkoholsucht, aber auch fehlende Therapiebereitschaft. Deshalb sei eine Unterbringung in einer Entzugsanstalt nicht sinnvoll. Staatsanwältin Christina Geyer plädierte für eine Haftstrafe von 22 Monaten, während der Verteidiger Ludwig Harkotte aus Traunstein 15 Monate ohne Bewährung für ausreichend hielt. Dem schloss sich Richterin Sandra Sauer im Urteil an. kd