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250 Bulldogs und schwitzende Musikanten

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Das Dieselross von Tobias Veitinger aus Inzell stammt aus dem Jahr 1956. Weitere Bilder unter www.traunsteiner-tagblatt.de/fotos.

Inzell. Rekorde über Rekorde gab es bei der sechsten Auflage der »Musikalisch-kulinarischen Pfingstroas« in Inzell. Der Inzeller Ortskern verwandelte sich bei Sahara-Temperaturen in einen einzigen Glutofen. Dies tat freilich der guten Stimmung unter den mehreren Tausend Besuchern, den über 20 im Dorf verteilten Musikgruppen und den rund 250 stolzen Besitzern historischer Traktoren keinen Abbruch. Der die Pfingstroas ausrichtende Gewerbeverein Inzell und der Inzeller Verein »Oid Traggei Freind« konnten zufrieden sein.


Die Oldtimer-Gefährte, vor allem Bulldogs, aber auch einige Unimogs und Motorräder sowie ein altes Borgwart-Feuerwehrauto aus Rossdorf bei Teisendorf, kamen aus ganz Südostbayern. Doch einige hatten eine noch weitere Anreise, aus Hannover, Nordrhein-Westfalen oder den neuen Bundesländern. So viele Teilnehmer waren es noch nie.

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Augenweide über Augenweide gab es für Bulldog-Fans zu bestaunen, wie einen gut erhaltenen Porsche junior aus Inzell, einen seltenen Bautz aus Übersee, einen Fahr D 171 von 1954 aus Piding mit originaler Patina, oder einen der seltenen Güldner G 35 von 1968 aus Bischofswiesen.

Ein Traktor hatte sämtliches Zubehör für die Waldarbeit dabei, und ein anderer zog ein Mähwerk samt einem jungen Burschen für dessen Bedienung mit. Raritäten waren auch ein Mercedes-Unimog U 25 von 1951 aus Inzell und ein Porsche-Allrad-Traktor aus Waging.

Außer den Lenkern der Diesel-Unikate und ihrer Beifahrer, die etwas erhöht den kühlenden Fahrtwind genossen, hatten es bei der Hitze die Radler gut, wie Andi Baumgartner und Alex Lindner, die  aus Oberteisendorf her geradelt sind. »Mit dem Radl ist es auf alle Fälle besser als mit dem Auto«, meinten sie, während sie am Brunnen beim Maibaum ihre Trinkflaschen auffüllten.

Die zwölfjährige Anna-Lena Hartl und ihr Cousin Maxi Hönig (4) aus Buchbach bei Mühldorf nahmen unterdessen am Brunnen ein erfrischendes Fußbad. Sie waren mit ihren Familien übers Wochenende am Campingplatz. Am besten haben ihnen der Naturbadesee und die Bulldogs gefallen. Unentwegt am Wassernapf hingen auch die fünf Alpakas von Familie Bauregger, die inzwischen 25 dieser sanftmütigen Tiere hat – nicht so sehr wegen der Wolle, aus der Berliner Freunde Steppbetten machen, sondern »wegen der Seele«, wie Andreas Bauregger verriet: Die Alpaka-Spaziergänge seiner Frau Monika sind sogar bei Erwachsenen ohne Kinder begehrt.

Neben dem Brunnen waren die Schattenplätze und die nicht gegen Sonne effektiven Zelte begehrt. Die Musikanten, die unter anderem an Blasinstrumenten, Geigen, Gitarre, Zither, Harfe, Ziach oder am Kontrabass vollen Einsatz zeigten, schwitzten freilich auch im Schatten. Einige musizierten kurzerhand barfuß. Die Freischankflächen der Wirte waren gut besetzt. Während die Gäste zarten Saitenklängen oder flotter Tanzlmusi lauschten, ließen sie sich kulinarische Köstlichkeiten schmecken. Heißbegehrt waren Eisspezialitäten.

»Es ist hier bärig zu spielen«, schwärmte beim Gasthof Kienberg Günter Dirnhofer von der Reit im Winkler »Benz Eck Musi«, Hausmusik auf der Hindenburghütte. »Man trifft einen Haufen Leute und Musikanten, die das ganze Jahr so verstreut sind«, meinte er in Vorfreude auf das sich ans offizielle Programm anschließende freie Musizieren. Vor dem Enzianstüberl zeigten die Siegsdorfer Goaßlschnalzer erstmals bei der Pfingstroas ihr Können. Im Festsaal gab es einen Handwerker- und Brauchtumsmarkt mit Hornschnitzerei, Goldstickerei, Instrumentenbau, Schneiderei und vielem mehr. Am besten frequentiert war die Hutmacherei, wo so mancher noch kurzfristig eine schützende Kopfbedeckung ergatterte.

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