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25 Jahre vorbildliche Projektarbeit in Ostafrika geleistet

Traunstein. Elisabeth Dörr ist nach Tansania gereist. Obwohl schon 86 Jahre alt, wollte sie sich von »ihrem« Schulprojekt selbst überzeugen. Mit ihren Spenden wurden in der Chemka Primary School Klassenzimmer und eine große Schulkantine für einige Hundert Grundschulkinder gebaut, die nun regelmäßige Verpflegung bekommen.

Das Führungsteam des Aktionskreises Ostafrika im neuen Büro an der Rosenheimer Straße in Traunstein: Ulrike Wehner, Klaus Böhme, Heike Rieperdinger und Hans Siemer (von links). Das Bild rechts zeigt die von Elisabeth Dörr finanzierte neue Kantine in der Grundschule in Chemka.

In einer großen Feier ihr zu Ehren wurde die Kantine ihrer Bestimmung übergeben. Wohltäter wie Elisabeth Dörr ermöglichen es seit vielen Jahren dem Traunsteiner Verein Aktionskreis Ostafrika (AKO), Kleinprojekte und Renovierungen in staatlichen Grundschulen durchzuführen.

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Aufbau in den 70-er Jahren

In den 70-er Jahren hat Sepp Schwankner aus Traunstein eine Gruppe aufgebaut, die regelmäßige humanitäre Hilfsprojekte für ausgesuchte Partner in Tansania leistete. Aus dieser Initiative ist 1987 der gemeinnützige Verein Aktionskreis Ostafrika entstanden, den Sepp Schwankner bis 1993 leitete. Hans Siemer kam 1991 zum Verein, um mit seinem handwerklichen Fachwissen und seiner Afrikaerfahrung bei Projekten zu helfen. 1993 übernahm Siemer den Vorsitz. Seit zehn Jahren wird der Verein gemeinsam von Klaus Böhme, Hans Siemer und Ulrike Wehner geleitet. Heute hat er 600 Mitglieder in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Zum 25-jährigen Bestehen gratulierte Oberbürgermeister Manfred Kösterke dem Verein und sprach Respekt und Anerkennung für diesen jahrzehntelangen Einsatz aus. Diese ehrenamtliche Arbeit sei unverzichtbar.

Das Ziel des Vereins AKO ist es, Bedürftigen in Ostafrika durch Projekte humanitäre Hilfe zu leisten, um deren Lebensbedingungen zu erleichtern, ihre Gesundheitsversorgung zu verbessern, Chancen für Schul- und Berufsausbildung aufzubauen und dadurch der Landflucht entgegenzuwirken. Gemeinsam mit Afrikanern werden Lösungen gesucht, zusammen mit ihnen durchgeführt und hierbei Fachkenntnisse vermittelt. Während der Projektarbeiten können zahlreiche Familien von diesem Arbeitslohn leben.

Hans Siemer wies darauf hin, dass dem Dialog zwischen Afrikanern und Europäern große Bedeutung beigemessen wird, denn Tradition, Kultur, Sprache, Lebensgewohnheiten und Umwelt unterscheiden sich wesentlich von unserer Lebensform und erfordern Sensibilität, Respekt und Verständnis. Größte Projekte sind medizinische und technische Ausbaumaßnahmen in einem Krankenhaus, der Aufbau einer Handwerkerschule große Trinkwasserversorgungssysteme, der Aufbau einer Landwirtschaftsschule, der Bau von zwölf Kindergärten, Renovierung von staatlichen Schulen, Unterstützung von Schulernährung durch Bau von Kantinen und Beihilfen zu Schulnahrung, Beihilfen zu Schulgeld und Stipendienprogrammen sowie zahlreiche Infrastrukturprojekte.

Dazu gehören der Aufbau von Stromnetzen und zuletzt eine Fußgängerhängebrücke. Darüber hinaus werden Stipendien für Schul- und Berufsausbildung gegeben und zahlreiche persönliche Patenschaften übernommen.

3,7 Millionen Euro Spenden

In den vergangenen zehn Jahren hat der Verein AKO 3,7 Millionen Euro Spenden und Fördermittel der Bundesrepublik von 600 000 Euro eingesetzt. Bei 450 Arbeitseinsätzen in Tansania wurden 8500 Arbeitstage an Projekten gearbeitet. Diese Arbeitsleistung entspräche einem Wert von etwa 1,5 Millionen Euro. Die Helfer bezahlen ihre Reisekosten selbst.

Der Verein AKO arbeitet mit vielen Organisationen zusammen. Interplast Germany hat im Kibosho Hospital sehr oft Verbrennungs- und orthopädische Patienten behandelt, das Deutsche Komitee zur Verhütung von Blindheit hat den Aufbau der Augenklinik unterstützt, der Schweizer Verein Synesius unterstützt kostenlose Kataraktoperationen armer Patienten, das Klinikum Traunstein hilft mit klinischem Ausstattungsmaterial. Große Wirtschaftsunternehmen wie Siemens, Henkel oder E.ON Bayern helfen mit Spenden.

Für die großen Wasserprojekte erhält der Verein öffentliche Fördermittel vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit unterstützt Containertransporte nach Ostafrika. Zahlreiche Rotary Clubs haben immer wieder einzelne Projekte gefördert.

Klaus Böhme berichtet, wie schwer es ist, Fördermittel zu bekommen. Die Bundesregierung fördert kleine Nichtregierungsorganisationen wie den AKO, weil diese im Entwicklungsland näher an der Bevölkerung arbeiten und deren Eigeninitiative und Selbsthilfe mobilisieren können. Um Fördermittel zu erhalten, sind sorgfältige Planung und Vorbereitung erforderlich. Daher hat der AKO eine professionelle Projektorganisation aufgebaut und legt großen Wert auf sorgfältige Abrechnungen.

Aber es gibt auch in Ostafrika Korruption. Der AKO vermeidet Verluste von Spendengeldern und Fördermitteln dadurch, dass in Afrika alle Zahlungen nur über eigene Bankkonten laufen und nur nach Freigabe aus Traunstein erfolgen. Jährlich unterliegt der Verein AKO der Prüfung durch das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen, das dem Verein seit zehn Jahren jährlich das Deutsche Spendensiegel zuerkennt.

Der AKO bereitet jetzt ein neues großes Projekt zur Trinkwasserversorgung einer rasch wachsenden Siedlung vor. Dort leben heute bereits 10 000 Menschen. Die Regierung will den Ort zu einem Handels- und Gewerbezentrum ausbauen, um Abwanderung in die großen Ballungszentren zu vermeiden. Für das Wasserprojekt benötigt der AKO unter dem Stichwort »Wasser für Njia Panda« Spenden, die man auf das Konto 5763099 bei der Kreissparkasse Traunstein einzahlen kann.