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23-Jährige attackierte ihren Mann mit einem Messer

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Traunstein. Eine 23-jährige Hausfrau, die nach einem Ehestreit ihren gleichaltrigen Ehemann mit mindestens drei Messerstichen am Oberkörper verletzt hatte, wurde vom Schöffengericht Traunstein zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.


Dem Vorfall in der Wohnung des Ehepaares gingen bereits Wochen vorher verbale Streitereien voraus. Der Abend des 29. Januar verlief zunächst friedlich. Beide tranken Bier. Die 23-Jährige gab als Auslöser der Auseinandersetzung an, ihr Mann habe Pornos auf seinem PC gehabt, aber auf ihre Vorwürfe hin abgestritten, sie angesehen zu haben. Darüber sei ein lautstarker Streit im Wohnzimmer und später im Bad entbrannt. Der Ehemann habe zu ihr gesagt, sie brauche ihn ja eh nicht. Warum ihr Mann ein Messer geholt habe, wisse sie nicht. Sie habe ihm im Bad das Messer entwunden und es ihm an die Kehle gehalten. Er habe sich befreit und sei raus in das Treppenhaus gelaufen. Dort habe er sie provoziert mit den Worten »Stich doch zu«. Daraufhin habe sie zugestochen, räumte die 23-Jährige ein. Der Verletzte lief zurück ins Wohnzimmer und rief die Polizei. Mit dem Krankenwagen kam er ins Klinikum Traunstein, wo seine Wunden genäht wurden. Seine vorläufig festgenommene Frau brachte die Polizei auch ins Krankenhaus, jedoch zur Blutentnahme, und dann zur Dienststelle der Polizei in Traunstein.

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Die am Tatabend konsumierten vier Halbe Bier führten zusammen mit der emotional aufgewühlten Situation bei der Angeklagten gemäß psychiatrischem Gutachten von Dr. Stefan Gerl, Chefarzt der forensischen Psychiatrie in Gabersee, zu einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit. Der rechtsmedizinische Gutachter Dr. Fritz Priemer aus Wonneberg stufte die Stiche mit dem Messer mit circa 18,5 Zentimeter langer Klinge als »abstrakt lebensgefährlich« ein. Es hätte zu einer »Luftbrust« kommen können, bei einem nichtsterilen Messer hätte auch eine Infektion entstehen können. Letztlich habe der Mann jedoch nicht konkret in Lebensgefahr geschwebt. Zu den Angaben des 23-Jährigen bei der Polizei hinsichtlich des Messers an der Kehle passe der oberflächliche Ritzer an der Halsvorderseite des Geschädigten, betonte der Rechtsmediziner. Auch die Ehefrau wies damals einige Verletzungen auf. Sie behauptete, ihr Mann habe sie ihr zugefügt. Das schloss der Sachverständige fast aus: »Die Verletzungen sehen im Wesentlichen nach Selbstbeschädigung aus.« Den Ehemann konnte das Schöffengericht dazu nicht befragen. Er war nicht als Zeuge geladen, nachdem er im Vorfeld der Verhandlung angekündigt hatte, von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch zu machen. Das Paar lebt inzwischen wieder zusammen in einer Wohnung. Die 23-Jährige dazu: »Unsere Ehe ist viel besser als vorher. Wir reden viel mehr miteinander und streiten nicht mehr.« Beiden sei klar, dass jeder Fehler gemacht habe in der Vergangenheit.

Staatsanwalt Christopher Lang würdigte unter anderem das sehr frühe Geständnis der 23-Jährigen und ihr bisher straffreies Leben. Andererseits seien die Messerstiche potenziell sehr gefährlich gewesen. Zwei Jahre Freiheitsstrafe seien Tat und Schuld angemessen, könnten aber zur Bewährung ausgesetzt werden. Das Geständnis der Hausfrau sei getragen von großer Schuldeinsicht und Reue, so Richter Wolfgang Ott bei der Urteilsverkündung. Außerdem sei sie bei den Stichen vermindert schuldfähig gewesen: »Es war keine geplante Tat. Vielleicht waren Sie auch durch die Pornofilme besonders verletzt.« Auf jeden Fall sei die 23-Jährige voll bewährungswürdig, so Ott. Die Angeklagte und ihr Verteidiger Markus Frank aus Rosenheim akzeptierten das Urteil. Mit Zustimmung des Staatsanwalts wurde es sofort rechtskräftig. kd