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22 Monate Haft wegen Diebstahl, Hehlerei und Betrug

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Traunstein – Wegen 37-fachen Diebstahls beziehungsweise Hehlerei mit Waren im Wert von über 35 000 Euro und wegen 46-fachen Betrugs verurteilte das Schöffengericht Traunstein einen 40-jährigen früheren Ausfahrer eines Handelsunternehmens mit Sitz in Traunstein zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten mit dreijähriger Bewährungszeit.


Der Fall war durch ein anonymes Schreiben ins Rollen gekommen, in dem das Unternehmen aufgefordert wurde, Ebay-Shops mit der Personalliste abzugleichen. Detektive tätigten Scheinkäufe, die zum Konto des Angeklagten führten. Der 40-Jährige behauptete gestern, er habe die Artikel von fünf bis sechs Firmenangestellten, deren Namen er nicht mehr wisse, »käuflich erworben«.

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Gegenstand der Anklage waren 45 Einzelfälle zwischen Januar 2010 und November 2011. Vor allem »Umwälzpumpen« und »Raketenbrenner«, Bestandteil vieler Ölheizungen, verschwanden aus dem Lager an der Industriestraße in Traunstein, hin und wieder auch Waschtischarmaturen oder Durchspülfilter. Der Verkaufswert lag jeweils zwischen einigen Hundert und über 1 700 Euro. Die Gegenstände – die von der Firma selbst nicht an Privatkunden und Angestellte, sondern ausschließlich über das Fachhandwerk verkauft werden – tauchten später zu einem Bruchteil des tatsächlichen Werts in einem Ebay-Shop auf. Laut Anklage erzielte der 40-Jährige einen Verkaufserlös von 9554,83 Euro.

Der drei Jahre beim Unternehmen als Ausfahrer beschäftigte Traunsteiner behauptete, die Artikel seien teils »monatelang im Lager rumgestanden«. Irgendwann habe er sie günstig von den »fünf bis sechs Leuten« erwerben können. Dass er einen 1500 Euro teuren »Raketenbrenner« für 100 Euro bekommen habe – dabei habe er sich »nichts gedacht«.

Ob Leute aus dem Lager die Dinge überhaupt oder mit solchen Nachlässen verkaufen dürften – auch darüber habe er sich keine Gedanken bereitet, ließ sich der 40-Jährige ein. »Sind Sie sich überhaupt einer Schuld bewusst?«, wollte der Schöffengerichtsvorsitzende wissen. Die Antwort war: »Eigentlich nicht.« Wolfgang Ott hakte nach, warum er vor Detektiven und einem Notar ein Schuldanerkenntnis über 80 000 Euro abgegeben habe. Der Angeklagte meinte, er sei dazu von den Detektiven gedrängt worden – unter der Zusage, dann werde keine Polizei eingeschaltet. Außerdem habe er selbst die Kündigung einreichen müssen.

Die Einnahmen versiegten bald, nachdem der Arbeitgeber im November 2011 per Post den anonymen Brief erhielt. Der bis heute unbekannte Schreiber wollte durch den Tipp mit Ebay »vor größerem Schaden bewahren«. Das Unternehmen schaltete ein Detektivbüro ein und verzichtete tatsächlich auf Strafanzeige bei der Polizei. Die Arbeitsagentur Traunstein, bei der sich der Angeklagte arbeitslos meldete, wollte indes vom Arbeitgeber Näheres zu der Kündigung erfahren. Als man von den angeblichen Diebstählen hörte, wandte sich die Arbeitsagentur an die Staatsanwaltschaft.

Der 57-jährige Geschäftsführer des Unternehmens berichtete gestern, 2010 sei ein größerer Schwund des Warenbestands aufgefallen. Deshalb habe man Ende 2010 ein Sicherheitskonzept in Auftrag gegeben und auch umgesetzt. »Aber nach wie vor verschwand Ware aus dem Hauptlager«, schilderte der Zeuge. Nach Eingang des anonymen Waschzettels habe man entdeckt, dass via Ebay »viel Ware aus unserem Sortiment« angeboten wurden. Detektive tätigten nach Worten des Zeugen Testkäufe und fanden den Shopbetreiber heraus.

»Völlig neu« war für den Geschäftsführer, dass »fünf bis sechs Leute« aus seinem Haus involviert sein sollten: »Wenn das so wäre, müsste eine Bande am Werk sein.« Ein gewisser Schwund sei in dem Unternehmen mit einem Lagerbestandswert von rund 15 Millionen Euro »leider an der Tagesordnung«. Die Versicherung habe den angerichteten Schaden ausgeglichen.

Der Richter betonte im Urteil, der Angeklagte sei nicht rechtmäßig in den Besitz der Artikel gelangt. Entweder habe er sie geklaut oder von Kollegen ohne Belege erworben. Dann habe er Hehlerei begangen. Die »fünf bis sechs Leute« hätten keine Vollmacht zum Verkauf besessen. Der Traunsteiner habe zudem billigend in Kauf genommen, dass die Waren aus Straftaten stammten. Ein Dritter wie Ebay-Kunden könne an solchen Gegenständen kein Eigentum erwerben. Der Verkauf an sie sei deshalb »Betrug«.

Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt, da der 40-Jährige nicht vorbestraft sei und er die objektiven Umstände – das Mitnehmen von Waren aus der Firma – eingeräumt hatte. kd