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»2020 muss der Mensch die Obstbäume bestäuben«

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Im Jahr 2020 muss – wenn sich nichts ändert – möglicherweise der Mensch die Bestäubung der Obstbäume übernehmen – diesen düsteren Ausblick gab Kreisvorstand Peter Bichler bei der Herbstversammlung der Imker im Landkreis Traunstein in der Chiemgaustube in Traunstein.


Er prangerte an, dass die Imkerei sowohl von der Gesellschaft als auch von der Politik quasi vergessen werde, obwohl die Bienen für die Bestäubung unersetzliche Dienste leisten. Nach Rind und Schwein seien sie das drittwichtigste Tier in der Landwirtschaft.

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So würden pro Volk und Tag bis zu 2,7 Millionen Blüten bestäubt; 80 Prozent unserer Nahrungsmittel seien auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Er forderte eine höhere Beteiligung der Imker an den Agrarsubventionen, die praktisch an den Imkern »vorbeilaufen«. Als Lösung schlug er eine Haltungsprämie von 30 Euro pro Bienenvolk vor.

Kreisvorstand Josef Reithmeier blickte auf das Ausnahmejahr 2013 zurück: Im Frühjahr hatten die Völker teilweise Probleme, auf die Füße zu kommen, da durch den langen kalten Winter die Brutperiode erst spät begann. Es folgten immer wieder längere Kältephasen bis Ende Juni. Dadurch fiel auch die Blütenhonigernte praktisch ins Wasser. Erst im Juli konnten die Imker Honig ernten, allerdings unter erschwerten Bedingungen, da dieser Honig bereits in den Waben zu kristallisieren begann.

Die Gesundheitswarte Luise Mitterreiter und Wolfgang Lewald berichteten von der Aufhebung des Faulbrut-Sperrbezirks im Landkreis Traunstein. Bei den Futterkranzproben im Frühjahr sei glücklicherweise kein Befall mehr festgestellt worden. Luise Mitterreiter zeigte sich optimistisch im Hinblick auf die Überwinterung der Völker. Bei ihr sei der Milbenfall sehr gering, die Volksstärke sehr gut und der Futtervorrat ebenfalls. Wolfgang Lewald kündigte die Gründung einer »Varroa-Arbeitsgruppe« an, die sich mehrere Male pro Jahr trifft und sich austauscht sowie die Imker informiert.

Peter Bichler informierte über die Belegstelle Thorau. Das Begattungsergebnis lag demnach bei fast 80 Prozent. Bedingt durch die schwierige Wetterlage lag heuer die Zahl der angelieferten Königinnen nicht ganz so hoch wie sonst. Außerdem wurde eine Internetseite des Kreisverbands eingerichtet.

Carsten Voigt vom Landschaftspflegeverband berichtete dann über Streuobstwiesen, ihre Anpflanzung, was gefördert wird und die Vermarktung des Obstes. Hier ging er auch auf die Arbeit der neu gegründeten »Streuobstinitiative Chiemgau« ein. Sabine Löw-Wurmannstätter informierte über das Thema »Blühflächen« in den »Leader-Gemeinden« und ging auch auf Projekte zum Wohle der Bienen in den angeschlossenen Gemeinden ein.

Zum Abschluss kündigte Luise Mitterreiter an, wieder Honig für die Traunsteiner Tafel zu sammeln. Honigspenden können – verpackt und etikettiert – bei ihr und Annelies Stefanutti-Bscheidl bis zum 5. Dezember abgegeben werden.

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