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2018 wird das alte ISDN-Telefonnetz abgeschaltet

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Mit Hochdruck wird derzeit an vielen Orten der Ausbau des Glasfasernetzes für schnelle Internetverbindungen vorangetrieben. Je nach Anbieter und Standort sind Lösungen mit der neuen Vectoring-Technik, Richtfunk oder LTE-Mobilfunk sinnvoll. (Foto: Deutsche Telekom AG)

Traunstein – »Ohne Breitband keine Zukunft: Wir brauchen beste Arbeitsbedingungen für unsere Unternehmen, um auch in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben« ...


»Ohne Breitband keine Zukunft: Wir brauchen beste Arbeitsbedingungen für unsere Unternehmen, um auch in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben«, sagte die Geschäftsführerin Dr. Birgit Seeholzer bei der Informationsveranstaltung Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises unter dem Motto »Digitale Zukunft Chiemgau«.

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Mit mehreren Experten erläuterte sie den rund 60 Unternehmern und Kommunalpolitikern die Situation. Manfred Zerndl vom Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in Traunstein verwies auf das breit angelegte Informationsangebot für Bürger, Schulen und Unternehmen am BayernLAB, das dem Amt als Kompetenzzentrum angegliedert ist.

Doppelte Förderung mit »Höfebonus«

Bis 2018 investiert der Freistaat 1,5 Milliarden Euro in den Breitbandausbau – pro Kommune bis zu 950 000 Euro. Bezuschusst wird die vom Anbieter ausgewiesene Wirtschaftlichkeitslücke in Versorgungsgebieten mit einer Downloadrate bis zu 30 MBit pro Sekunde. Der Ausbaugrad lasse sich im Breitbandatlas des Bundes ablesen, bald auch im Bayernatlas. Geplant sei zudem ein »Höfebonus« mit doppelter Fördersumme für weitverzweigte Gemeinden. Zerndl riet dazu, auch mit Blick auf Gewerbegebiete rechtzeitig die kommunale Förderung zu beantragen.

Bürgermeister Konrad Schupfner aus Tittmoning legte dar, wie seit 2009 der Ausbau der Breitbandversorgung seiner Gemeinde vonstatten ging. Die Stadt sei zugleich zweitgrößte Flächengemeinde des Landkreises. Bei Ausbaukosten von 1,4 Millionen Euro habe die Kommune eine halbe Million Euro aufgebracht. Weitab liegende Höfe seien ein Problem. Deshalb diskutiere man auch über ein Funknetz als Alternative.

Auf die technischen Voraussetzungen ging Norbert Kreier ein, Regio-Manager für den Infrastrukturbetrieb Süd bei der Deutschen Telekom. Trotz des milliardenschweren Ausbaus des Glasfasernetzes setze aktuell noch das Kupferkabelnetz der Post in vielen Bereichen Grenzen bei den Übertragungsgeschwindigkeiten. Das derzeitige DSL-Netz mit Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 16 MBit pro Sekunde soll durch die neue VDSL-Technik mit bis zu 100 Mbit pro Sekunde ersetzt werden. Dieses Netz kann auch von Mitbewerbern genutzt werden.

Ziel ist der Ausbau bis zu 1000 Mbit pro Sekunde

Dabei wird das Kupferkabel von der Vermittlungsstelle bis zum Verteilerkasten vor dem Haus durch die schnellere Glasfaser ersetzt. Um Störsignale durch die hohe Datenrate im verbleibenden Kupferkabel zwischen Verteilerkasten und Haus zu eliminieren, werde die neue Vectoring-Technik eingesetzt, erklärte Kreier. Der Einsatz des ab 2018 verbauten Super-Vectoring ermögliche sogar Downloadraten bis zu 250 Mbit pro Sekunde. Ziel sei allerdings der Ausbau mit Glasfaser bis zum Hausanschluss mit möglichen Datenraten bis zu 1000 Mbit pro Sekunde. Die Anschlusskosten lägen allerdings mit 15 000 Euro pro Haus in astronomischer Höhe.

Kreier sagte weiter, die Telekom werde ihr ISDN-Netz ab Ende 2018 komplett auf die neue Internettechnik umschalten, da es für die veraltete Kupferkabeltechnik dann auch keine Ersatzteile mehr gebe. Klassische Telefonkunden müssten sich dann wohl neue Geräte oder Router kaufen, weil Netzbetrieb und Telefonie nicht mehr getrennt gesteuert, sondern gemeinsam über digitale Signalgebung abgewickelt würden. Betroffen seien alle Netzanbieter. Umgekehrt ermögliche dies auch erweiterte Serviceleistungen wie SmartHome, Cybersicherung und Fernwartung.

Dass für die passgenaue Individuallösung bei Unternehmen im Rahmen der Digitalisierung viele Detailfragen zu klären sind, machte das Traunsteiner Beratungsunternehmen für Telekommunikation, Telefusion, deutlich. Aufgrund der Abschaltung von ISDN hätten alle Unternehmen bis Ende 2018 Handlungsbedarf. Vertriebsleiter Stefan Koslik zeigte verschiedene Tarif- und Anschlussmodelle auf.

Beim Mobilfunk Ausbau 5-G-Technik geplant

Oliver Wellner wies im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt ergänzend darauf hin, dass sich in schlecht versorgten Gebieten auch der Anschluss über eine eigene Glasfaseranbindung, Richtfunk oder das LTE-Mobilfunknetz mit hohen Datenübertragungsraten lohnen könnte. Noch im Versuchsstadium befinde sich die 5-G-Mobilfunk-Technologie mit bis zu 5000 MBit pro Sekunde, die aber nicht vor 2020 flächendeckend verfügbar sein werde.

In der Diskussion ging es um den Ausbau verschiedener Netzbetreiber, Cyberangriffe, Probleme mit der Netzsynchronisierung mit Österreich, die Ermittlung des eigenen Datenvolumens und das Internet als Stromfresser sowie Lösungen für intelligenteren Energieverbrauch. eff