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2000 Besucher und beste Stimmung beim »Im Grünen«-Festival

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Nichts als Begeisterung vor der Bühne: Mit jedem Bandauftritt tobten die Besucher mehr. (Fotos: Caruso)
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Lockere und friedliche Partystimmung herrschte den ganzen Tag über.

Kirchanschöring – Das beliebte »Im Grünen«-Festival, auf das sich viele schon lange gefreut hatten, ging am Samstag wieder erfolgreich über die Bühne. Einen Tag lang boten gefragte Künstler und vielversprechende Nachwuchsmusiker ein hochkarätiges Programm im Kirchanschöringer Achenpark.


Heuer überschwemmten 2000 junge Leute aus der ganzen Region die rund 4300 Einwohner zählende Gemeinde und verwandelten das Areal rund um die Schule und den Park in ein grandioses Festival- und Partygelände. Dort herrschte friedlich gelöste Stimmung. Zu diesem Erfolg trugen neben den Bands vor allem auch die vielen Kirchanschöringer Burschen und Mädchen bei, die die Ärmel hochkrempelten und ehrenamtlich mit anpackten, sodass sich die vorwiegend jugendlichen Gäste pudelwohl fühlten.

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Neben der lockeren Atmosphäre – unter anderem waren auf dem Festivalgelände Sofas aufgestellt – genossen die meisten Besucher natürlich das vielbeklatschte und umjubelte musikalische Programm, das die teils bereits sehr beliebten und bekannten und die teils wunderbaren Neuentdeckungen im Scheinwerferlicht der Achenpark-Bühne auflegten.

Die Sechser-Combo »Heischneida« aus Traunstein eröffnete das »Im Grünen«-Festival. Die Mundartband riss im Achenpark mit ihrer bayerischen Mischung aus Rock, Ska, Funk und Gypsy Blues, ihrer tanzbaren und energiegeladenen Show viele mit. »Boarisch obdrahd hoid« und auf jeden Fall für deutlich mehr, als nur fürs Bierzelt geeignet. Schon da ging die Post ab, denn alle waren voll dabei.

Die alpine Mischung aus langsamen Hip-Hop-Rhythmen und klassischen Elektrobeats des österreichischen Trip-Hop-Duos »Leyya« samt Band zeigte sich sehr effektvoll: Der Mut, musikalisch einen anspruchsvolleren Weg zu gehen, machte sich bezahlt. »Oh, die sind mega-gut«, meinte eine begeisterte Besucherin.

Die Musik der drei Halbbrüder Martinus, Domenicus und Davidus Bass, die sich »Johann Sebastian Bass« nennen und sich mit ihren edlen Perücken und höfischen Barockkostümen schon rein optisch von den anderen Musikern unterschieden, war höchst harmonisch und elegant. Bei dem Künstlerkollektiv aus Wien mit seiner zeitgenössischen Adaptierung von Barockmusik spürte man sofort, dass Johann Sebastian Bach ihnen quasi die Hand gereicht und sie inspiriert hat.

Mit Indie-Pop aus dem hohen Norden ging es weiter. Das war nichts für prüde Geister, denn »Schnipo Schranke« nahmen in ihren Texten völlig ungeschönt in den Mund, was andere höchstens hinter vorgehaltener Hand sagen. Ihre Songs sorgten im Achenpark für Schenkelklopfer und Begeisterung. Dem einen oder anderen trieb es ein breites Grinsen ins gerötete Gesicht.

Die drei Gitarristen und der Schlagzeuger von »Blackout Problems«, die feinsten Alternativ-Rock servierten, sind ja bekannt dafür, dass sie nicht die einzigen sein wollen, die bei einem Konzert schwitzen. Die unermüdliche Truppe verstand es auch hier, das feierwütige Volk mit animierenden Liedern in einen Taumel des Glücks zu versetzen. Ein charismatischer Frontmann, der überhaupt keine Hemmungen hatte, seine Emotionen direkt zwischen die Zuschauer zu jagen, setzte dann noch eins drauf.

Im Anschluss schallte groovender Indie-Pop von der Bühne, als »Kytes« die Mikrofone an sich nahmen. Im Publikum ging es dabei zu, als wolle man gerade den Sommer des Lebens feiern. »Die Klasse und die Songs dazu haben die Münchner locker im Köcher«, meinte einer der vielen, die dicht an der Bühne kräftig abrockten.

Danach hatte es das aus Oberösterreich stammende Ins-trumentalquartett »Erwin & Edwin« natürlich nicht ganz leicht. Dachte man zuerst. Die Jungs schafften das aber nicht nur locker, vielmehr steppte ab sofort endgültig der Bär. In ihren Stücken fusionierten elektronische Beats mit Blasmusik verschiedenster Art, sodass am Ende kein Haar mehr trocken blieb.

Zu vorgerückter Stunde beherrschte das Londoner Duo »Klumzy Tung« die Szene. Die Rapper mischten Melodien mit elektronischen Beats und akustischen Instrumenten und erzeugten so einen ganz eigenen Sound. »Immer wenn ich diese Hip-Hopper sehe, wird mir warm ums Herz. Bei den beiden fließt so viel Liebe und Leidenschaft ein, dass sich andere aus der Szene eine Scheibe abschneiden könnten«, zeigte sich eine der vielen begeisterten Besucher überzeugt.

Schon sehr gespannt warteten die Gäste auf »Bonaparte«, der kurz vor Mitternacht noch einmal den ganzen Park so richtig aufmischte. Die Punk-Trash-Band zeichnet sich durch eine expressive Bühnenperformance aus. Auch in Kirchanschöring hinterließ sie schließlich eine begeisterte, verschwitzte Menge, die sich vom gelieferten Trash-Zirkus völlig hinreißen ließ. Die Band befeuerte mit ihrem opulent-übersteuerten Garagen-Punk-Pop und seiner wilden Live-Performances die ohnehin schon brodelnde Partystimmung im Dorf.

»Ordentliche Leute« und professionelle Organisation

Am Rande des Festivalgeländes lag der Zeltplatz: Autos, Wohnmobile und Campingbusse soweit das Auge reichte. Hier und da flatterte eine Fahne im Wind, und überall dröhnte die Musik. Manche ließen ihre Autoradios laufen, bis die Batterien fast ihren Geist aufgaben. Egal, wen man auch fragte: Niemand konnte über die jungen Leute etwas Nachteiliges sagen. Im Gegenteil: Bürgermeister Hans- Jörg Birner, die Gastwirte und die Anwohner schwärmten von den »ordentlichen Leuten« und von der durch und durch professionellen Festivalorganisation mit den vielen Ordnern.

Dass die große Akzeptanz im Dorf ihr größter Trumpf ist, das wissen auch die Veranstalter. Das sind etwa 80 Kirchanschöringer im Alter zwischen 12 und 30 Jahren, die das Festival zusammen mit dem Jugendpfleger Günter Wimmer auf die Beine stellten. Eine logistische Meisterleistung, zu der man gratulieren darf! ca