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200 000 Tonnen Müll aus Bächen und Flüssen geholt

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Vor Wasserturbinen befinden sich feine Rechen, die den Unrat aus den Gewässern mittels einer Harke beseitigen. Häufig wird Plastikmüll angeschwemmt, der dann entsorgt wird und nicht in Mikroplastikteilchen zerfallen kann.

Wasserkraftwerke schützen Flüsse und Seen und damit die Menschen vor den negativen Auswirkungen von sogenanntem Mikroplastik. Das gilt auch für den Chiemgau und den Rupertiwinkel. Es sind nämlich auch heimische Gewässer belastet. Eine Untersuchung hat ergeben, dass auch Wasser und Uferbereiche des Chiemsees mit Mikroplastik belastet sind (wir berichteten am 17. März).


In der Öffentlichkeit wird schon länger über die Verschmutzung der Gewässer durch Plastikmüll diskutiert. Untersuchungen am Gardasee und an der österreichischen Donau zeigen, dass Mikroplastik auch in Binnengewässern nachweisbar ist. Bayern lässt nun als erstes Bundesland mögliche Gefahren für die Umwelt und für unsere Gesundheit wissenschaftlich untersuchen.

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Winzige Teilchen können Jahrhunderte überdauern

Als Mikroplastik bezeichnet man Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Der Wind trägt unbedacht und unsachgemäß entsorgten Plastikmüll in die Gewässer. Das Plastik wird dort durch Abrieb und Zerfall zu nur noch millimetergroßen Teilchen. Es kann unter Umständen Hunderte von Jahren überdauern. Das Bayerische Umweltministerium hat zwei Forschungsvorhaben in Auftrag gegeben, um schnell Klarheit über mögliche Gefahren für die Umwelt und die Gesundheit von Menschen und Tieren zu schaffen. Die Untersuchungen zeigen, dass bayerische Gewässer erheblich mit Mikroplastik belastet sind.

Auf Initiative des Ministeriums untersuchte die Universität Bayreuth zusammen mit dem Landesamt für Umwelt seit rund einem Jahr diverse Gewässer in Bayern auf Mikropartikel aus Plastik sowie Plastikmüll. Es war die bundesweit erste großflächige Untersuchung in Binnengewässern.

Plastikteilchen, die einen Mikrometer bis fünf Millimeter groß sind, wurden in allen Gewässer- und Schlammproben nachgewiesen, die untersucht wurden. Sie stammten unter anderem aus dem Chiemsee, dem Starnberger See, dem Ammersee, aus Isar, Donau und Altmühl. Der höchste Wert wurde mit 831 Partikeln pro Quadratmeter am Ufer des Starnberger Sees gemessen. Die Belastung sei ähnlich hoch wie im Gardasee und im Genfer See, hieß es. Am Gardasee hatten die Ergebnisse vor etwa eineinhalb Jahren Wellen geschlagen, doch schien die Gefahr noch immer weit weg.

Auswirkungen auf Ökosysteme erforschen

Im Meer wird der Kunststoffmüll von den Tieren aufgenommen. Die Forscher klären, ob dieses Problem auch bei heimischen Wasserorganismen auftritt und wie es sich gegebenenfalls auf die Ökosysteme auswirkt.

Die Wasserkraftwerksbetreiber holen in Bayern pro Jahr Zehntausende Tonnen Treibgut, Zivilisationsabfall und biologisch nicht abbaubares Material (Plastik) aus den Bächen, Kanälen und Flüssen. Das berichtet Stefan Pastötter aus Schönram, der Vorstandsmitglied der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern ist. Bäche und Flüsse, an denen Wasserkraftwerke stehen, werden dauerhaft und schon seit Jahrzehnten durch die Rechenanlagen von Unrat und Wohlstandsmüll gesäubert. Neben oftmals illegal entsorgtem Zivilisationsmüll werden dabei auch immer wieder umweltgefährdende Stoffe herausgeholt. An den Rechen der Kraftwerke in Bayern werden nach Angaben Pastötters schätzungsweise rund 200 000 Kubikmeter Müll jährlich aus dem Wasser geholt. Die Betreiber investieren rund 33 Millionen Euro pro Jahr in die fachgerechte Entsorgung.

Das sei unverzichtbarer Bestandteil für die dauerhafte Reinhaltung von Gewässern und Seen. Die Wasserkraft sei auch seit Jahrzehnten wesentlich dafür verantwortlich, dass Bayern ein Land mit sauberen Gewässern, einem funktionierenden Ökosystem und einer sauberen Energie bleibt, die vom Großteil der Bevölkerung sehr positiv gesehen wird. Pastötter betont, dass diesen Beitrag für die bleibende Sauberkeit der Gewässer nur die Wasserkraft leisten könne.

Die Rechenanlagen sind bei Bedarf Tag und Nacht im Einsatz und das 365 Tage im Jahr. Ganz speziell angepasste und gefertigte Steuerungen gewährleisten, dass die Rechenanlagen nur bei Bedarf automatisch in Gang gesetzt werden. »So leistet die Wasserkraft einen gewichtigen Anteil für die nachhaltige Entwicklung Bayerns mit umweltgerechtem Wohlstand für Generationen«, betont Pastötter. fb