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1800 Festzugteilnehmer leben Brauchtum und Tradition

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Der Taferlbub ging beim Festzug vorne weg und die Gastgeber der Schützengesellschaft aus Hart folgten im Gleichschritt.

Chieming – Dieses Mal hat das Wetter mitgespielt beim Jubiläumsfest der Schützengesellschaft Hart. Das 100-Jährige vor zehn Jahren war restlos verregnet gewesen und der Festzug musste ausfallen. Dafür wurden die Schützen heuer beim Fest zum 110-jährigen Bestehen mit schönstem Sommerwetter belohnt. Ein langer Zug mit rund 1800 Teilnehmern zog gestern durch den Ort und demonstrierte bayerisches Brauchtum und Tradition von seiner schönsten Seite.


Gleichzeitig mit dem 110-Jährigen der SG Hart feierte der Alzgau Trostberg sein 90-jähriges Bestehen und das siebte Gauschützenfest. Das erste Gaufest der Schützen fand 2005 in Hart statt. Damals hatte man im Alzgau beschlossen, dass ähnlich wie bei den Trachten- und Burschenvereinen auch bei den Schützen ein Gaufest gefeiert werden sollte. Da seitdem nicht jedes Jahr ein Schützenverein für dessen Ausrichtung gefunden wurde, fand heuer das siebte Gauschützenfest wiederum in Hart statt.

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Am Ende der fünf Festtage standen am Sonntag Festgottesdienst und Festzug. Pater Ionel Anghel ging in seiner Predigt auf das Wesen der Schützenvereine ein, ins Ziel oder besser gesagt ins Schwarze zu treffen. Auch im Leben solle man seine Ziele immer im Auge behalten, so der Priester: »Nur wer seine Ziele kennt, kann ins Schwarze treffen.« Wer diese nicht beachte, verpulvere seine Munition und vergeude seine Gaben.

Schirmherr und Bürgermeister Benno Graf hob den Zusammenhalt im Verein und unter den Ortsvereinen hervor, der in seinen Augen beinahe noch wichtiger sei als der sportliche Erfolg. So ein großes Fest wie das Gründungsfest der SG Hart könne ein kleiner Verein allein gar nicht stemmen. Umso erfreulicher sei es, dass bei solchen Gelegenheiten alle Ortsvereine zusammenhelfen.

Stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber erinnerte daran, dass die Schützen früher für die Landesverteidigung zuständig waren. Heute hielten sie Brauchtum und Tradition in Ehren. Für die anwesenden Abgeordneten sprach Peter Ramsauer wohl vielen Bewohnern aus dem Herzen, dass Hart auch nach der Eingemeindung noch immer »was Besonderes« sei, »ein nicht wegzudenkender Bestandteil der Gemeinde Chieming«. Als langjähriges Mitglied und früherer Schützenkönig des Schützenvereins Traunwalchen wisse er sehr gut, dass nirgendwo besser und verantwortungsvoller mit Waffen umgegangen werde als bei diesen Vereinen. Die Schützenvereine seien deshalb auch die falschen Adressaten, wenn es um ein Waffenverbot gehe. »Die Vereine und solche Feste wie heute machen unsere bayerische Heimat aus«, so der Bundestagsabgeordnete.

Gauschützenmeister Armin Singer hob erneut die Bedeutung der Jugend- und Seniorenarbeit im Schützenverein hervor und lobte den guten Zusammenhalt der Vereine im Gau. Die stellvertretende Bezirksschützenmeisterin Elisabeth Maier gratulierte dem Festverein und dem Alzgau und übergab an Schützenmeister Hans Mörner sowie Gauschützenmeister Armin Singer Erinnerungsgeschenke.

Im Rahmen des Festgottesdienstes wurden auch drei Fahnenbänder geweiht. Jubiläumsmutter Mathilde Leitl befestigte ein Band an der Fahne des Alzgaus Trostberg, Patenbraut Christina Mittermeier vom Patenverein aus Truchtlaching hatte ein Band für die Fahne der SG Hart dabei und Maria Schauer vom Festverein wiederum übergab ein Band an den Patenverein.

Nach dem Gottesdienst formierte sich der lange Festzug durch den Ort zurück zum Festzelt. 70 Vereine waren vertreten, darunter neben den Schützenvereinen des Alzgaus auch die Chieminger und Harter Ortsvereine sowie der Schützengau Rosenheim als Nachbar.

Der Festsonntag war der krönende Abschluss einer gelungenen Festwoche. Am Freitagabend hatten beim Weinfest im Zelt »Boarisch Six« aufgespielt und die Stimmung bei den Besuchern war rasch auf dem Höhepunkt. Die »Troglauer Buam« heizten dann am Samstagabend bei der Haberfeldtreiber-Party gewaltig ein. Die Stimmung an den vier Abenden im Festzelt war immer bestens. Allerdings hätten sich die Organisatoren an manchem Tag mehr Besucher gewünscht. Besonders am Samstag fehlten doch einige zahlende Gäste, um den Auftritt der Troglauer finanzieren zu können.

Für Abkühlung im Festzelt während der heißen Tage und Abende sorgten riesige Ventilatoren an der Decke, die sonst in Kuhställen zu finden sind. Sie machten den Aufenthalt im Zelt erträglich. mix