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18. Silvesterkonzert mit der Salonmusik Saitensprünge

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Die Salonmusik Saitensprünge bot beim Silvesterkonzert im großen Saal des Traunsteiner Rathauses einen bunten Melodienreigen. (Foto: Oberkandler)

Traunstein – An kaum einem anderen Tag im Jahr pflegen die Menschen so viele Rituale wie an Silvester: Strahlender Sonnenschein lockte die Menschen ins Freie und viele auf die Friedhöfe, um ihrer verstorbenen Angehörigen zu gedenken. »Dinner for one« im Fernsehen konnte warten; es lief ja auch noch am Abend auf dem einen oder anderen Sender. Zu den Ritualen an diesem Tag gehört für viele Musikfreunde in der Region auch seit nun fast zwei Jahrzehnten das Silvesterkonzert im Traunsteiner Rathaussaal.


Die Salonmusik Saitensprünge bietet dabei alljährlich einen bunten Melodienreigen mit Walzer, Marsch, Tango, Foxtrott und alten Schlagern. »The same procedure as last year« gilt hier für das Ambiente, für die Moderation durch Simon Angerpointner – nicht aber für die Musik. Das Programm ist jedes Jahr voller Überraschungen und begeisterte die 200 Besucher auch diesmal restlos.

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Wie immer meldete sich Simon Angerpointner mit einem »vielen Dank« nach jedem Stück zu Wort, wenn der Applaus abgeebbt war. Und wie immer schloss sich eine kleine Anekdote als Überleitung zur nächsten Darbietung an. Gewechselt haben im Lauf der 18 Jahre dreimal die Oberbürgermeister, die im Rahmen des Konzerts den Traunsteinern und allen Menschen in der Region gute Wünsche für das neue Jahr aussprachen. Diesmal durfte nach einem flotten musikalischen Auftakt als Vertreter des Oberbürgermeisters dessen Stellvertreter Hans Zillner diese Aufgabe übernehmen.

»Nach der Hochzeit flickst du Hosen«

Den schwungvollen Walzer »Rosen aus dem Süden« von Johann Strauß Sohn kündigte Angerpointner mit dem Geständnis an, zu seiner standesamtlichen Trauung die Blumen für seine Braut vergessen zu haben. Er fügte einen Spruch an, den man früher Mädchen ins Poesiealbum schrieb: »Vor der Hochzeit kriegst du Rosen. Nach der Hochzeit flickst du Hosen.«

Mit viel Spielfreude bot das Quintett dann den Tango »Olé Agnapa« und von Michael Jary den Walzer »Darum geht die Welt nicht unter«, der, gesungen von Zarah Leander im Dritten Reich sehr populär war. Ein ebenso großer Erfolg waren dann in den 50-er Jahren die »Capri-Fischer« von Gerhard Winkler – ein Lied, das in jener Zeit nicht nur auf Faschingsbällen enorm populär war. Es brachte die Sehnsucht der Deutschen nach Italien zum Ausdruck und ist inzwischen ein Evergreen.

Simon Angerpointner erzählte, wie zur Zeit des Kalten Krieges, also in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, die Zeile »Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt« umgedichtet wurde in: »Wenn bei Capri die rote Flotte im Meer versinkt«.

Dann ging’s zurück in die 1920-er Jahre mit einem Paso Doble und weiter mit Filmmusik, ehe das Salonorchester eine Komposition von Robert Stolz spielte: »Mein Liebeslied muss ein Walzer sein.« Ein feuriges Lied aus Rumänien, das frei übersetzt den Titel »Pferdemähne« trägt, bot Anlass für Simon Angerpointner, eine Brücke zu den Beatles und deren in den 1960-er Jahren umstrittene Haarpracht zu schlagen.

»So ein Walzer dauert eine Ewigkeit«

Einen erheiternden Spruch hatte er auch bei der Ankündigung des anschließenden »Parla-Walzers« drauf. Walzertanzen sei anstrengend, weil die Stücke meist ziemlich lang sind. »So ein Walzer dauert eine Ewigkeit. Und die Ewigkeit zieht sich bekanntlich. Besonders hint’ aussi.« Nach dem Marsch »Feuer los« boten die Musiker wieder ein heiteres Lied aus den 1920-er Jahren von Fred Raimond: »Ich hab das Fräulein Helen baden geseh'n«. Aus der Feder des österreichischen Komponisten stammen so bekannte Lieder wie »Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren« oder »In einer kleinen Konditorei.«

Die beschwingten eineinviertel Stunden vergingen wie im Flug und es folgten – auch das wie jedes Jahr – zwei Zugaben des Ensembles, das aus Margarethe Hlawa-Grundner und Thomas Breitsameter, Violinen, Monika Gaggia, Viloloncello, Sven-Jorge Schnoor, Klavier, und Simon Angerpointner am Kontrabass bestand. -K.O.-