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17-Jährige missbraucht: Hohe Haftstrafen für drei Männer

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Für drei Männer klickten gestern die Handschellen. Die Jugendschutzkammer am Landgericht Traunstein verhängte gegen zwei 22 und 32 Jahre alte Täter wegen schweren sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Person und wegen vorsätzlicher Körperverletzung jeweils sechs Jahre Freiheitsstrafe und gegen den dritten, einen 25-jährigen Ex-Zeitsoldaten, fünfeinhalb Jahre. Weil Fluchtgefahr bestand, wurden die Haftbefehle wieder in Vollzug gesetzt.


Junge Frau trat den Angeklagten gegenüber

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Die Entscheidung wird jedoch vorläufig nicht rechtskräftig werden. Einer der Verteidiger, Franz Frech aus Freilassing, kündigte an, vorsorglich Revision einzulegen. Die 17-jährige Nebenklägerin, die gestern vor Ende der über zweistündigen Entscheidungsbegründung zu ihrer Arbeitsstelle musste, freute sich nach Worten ihrer Anwältin, dass das Gericht ihr vollen Glauben geschenkt hatte.

Den Mut der jungen Frau, den Angeklagten persönlich im Gerichtssaal gegenüberzutreten, würdigte der Vorsitzende Richter: »Sie hat offen eine Unzahl von Fragen beantwortet, hat direkt und selbstkritisch reagiert. Die Geschädigte zeigte keinen Verfolgungseifer und keine Belastungstendenz. Sie wollte gar keine Anzeige erstatten. Vor Gericht hat sie nichts aufgebauscht.« Das Gericht habe »keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit der 17-Jährigen«, hob er hervor.

Beim Sachverhalt legte die Jugendschutzkammer die Anklageschrift zugrunde. Die 17-Jährige habe sich damals mit Freundinnen zu einem »Mädelsabend« verabredet. Nach Trennung von der Gruppe habe sie noch ein Lokal besuchen wollen. Sie sei nicht mehr eingelassen worden wegen ihrer Minderjährigkeit. Dabei traf sie gegen 4.30 Uhr den 25-Jährigen, der gerade rauchte, vor dem Lokal. Man sei ins Gespräch gekommen. Die 17-Jährige habe die Einladung des Angeklagten auf einen Drink angenommen.

Nach Eintreffen in dessen Wohnung seien die anderen beiden Angeklagten dazu gestoßen. Einer der Männer habe einen »kräftigen Joint geraucht«, der das Mädchen zusammen mit Alkohol in tiefen Schlaf versetzte. Dann begannen die Männer nach Worten des Vorsitzenden Richters gemeinsam mit dem Missbrauch. Jeder der Angeklagten beteiligte sich auch an den Videos.

Das Geschehen sei nachgewiesen durch die Aussage des Mädchens sowie durch die 32 Minuten langen Videosequenzen. Die Angeklagten hätten trotz ihrer erst in der zweiten Prozesshälfte geleisteten Geständnisse überführt werden können. »Es waren Geständnisse in Etappen. Sie sind glaubhaft und stimmen mit der Beweisaufnahme überein. Wir hätten die Geständnisse aber nicht gebraucht«, betonte Dr. Klaus Weidmann.

Videomaterial gab »erstaunliche Aufschlüsse«

Die Tathandlungen und die Verletzungen des Opfers seien allen Angeklagten gleichermaßen zuzurechnen: »Allen war klar, dass das Mädchen nie in solche Dinge eingewilligt hätte.« Die Männer hätten »mit direktem Vorsatz« gehandelt. Die Angeklagten seien zwar enthemmt durch Alkohol und Joint, aber voll schuldfähig gewesen.

Das Videomaterial habe »erstaunliche Aufschlüsse« gebracht. Die Angeklagten hätten nicht volltrunken gelallt, seien vielmehr »voll da, wenn auch ein bisschen angeturnt« gewesen. »Wenn man sich die Filme mit freiem Kopf anschaut, gibt es auch für Laien keinen Zweifel, dass das Mädchen nicht bei sich war – dass mit ihr gemacht wurde, was die Herren wollten«, so Weidmann. Die anfänglichen Angaben zum Bewusstseinszustand des Mädchens und ihrem angeblichen freiwilligen Mitmachen seien »Lügenmärchen« gewesen. Das Opfer habe Verletzungen erlitten und sich in abstrakter Lebensgefahr befunden.

Hinsichtlich der psychischen Folgen wolle die Geschädigte derzeit keine Therapie: »Sie denkt, sie schafft es allein. Wir hoffen, dass sie die Dinge verarbeiten kann.« Die 17-Jährige sei zum »Lustobjekt« gemacht worden. Derartiges Vorgehen könne »kein minderschwerer Fall« sein, wie es die Verteidiger beantragt hatten. kd