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16-Jähriger missbrauchte Buben

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Traunstein – Ein 16-jähriger Schüler aus dem Landkreis Rosenheim räumte am Dienstag den Besitz von illegalen kinderpornografischen Bildern vor der Jugendkammer am Landgericht Traunstein ein. Auch den Missbrauch von zwei inzwischen 15 und neun Jahre alten Buben gestand der 16-Jährige weitgehend. Der Jugendliche leidet laut Diagnose einer Kinderklinik in München an Autismus. Seine Mutter sagte, ihr Bub sei schon als Baby anders gewesen als andere Kinder. Das Urteil der Jugendkammer wird heute erwartet.


Mit acht Jahren kam er ins Heim

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Der 16-Jährige, der bei der ersten Tat 14 Jahre alt war, wirkte ruhig, überlegt und bestimmt. Er konnte sich an Details genau erinnern, korrigierte manches. Ein Beispiel: Die Anklageschrift von Staatsanwältin Katharina Achhammer listet zehn sogenannte »Hands-off-Delikte« auf – Vorwürfe, in denen es nicht zu sexuellen Handlungen kam. Zählt man die Zahl der Taten zusammen, käme man auf über 300 Fotos mit kinderpornografischem Inhalt. Der junge Angeklagte betonte, es seien insgesamt maximal 80 verschiedene Bilder gewesen, darunter überwiegend Nacktbilder von ihm selbst – mit denen er wohl kaum jemand geschädigt habe. Die angeklagten »Hands-on-Delikte« bestätigte er weitgehend.

Auffällig war der 16-Jährige schon früh. Im Alter von acht Jahren musste er erstmals wegen seines autistischen Verhaltens und wegen schulischer Probleme in ein Heim. Er besuchte dort eine Sonderschule, danach eine normale Volksschule im Landkreis Rosenheim. Nach Bekanntwerden des ersten Missbrauchsverdachts wurde er in eine Kinderklinik in München gebracht, gefolgt von weiteren Heimaufenthalten. Zurück im Landkreis Rosenheim, kam es zu einem Zwischenfall mit Bedrohung einer Lehrerin, der er an den Kopf warf: »Wegen Personen wie Ihnen wurde an anderen Schulen schon ein Amoklauf ausgelöst.« Polizeibeamte schafften den Jugendlichen wieder in die Klinik in München, ehe er im Herbst 2014 in ein Bezirksklinikum eingewiesen wurde. Dort fühlte sich der 16-Jährige nach seinen Worten ganz gut, abgesehen von Problemen mit einigen Mitbewohnern und einem Pfleger. Ein Ermittlungsverfahren wegen sexueller Belästigung wurde mit Blick auf das jetzige Verfahren vorläufig eingestellt. Der Angeklagte berichtete, er wolle in schulischer Sicht bald den »Quali« bestehen. Mit den Eltern komme er gut aus – »auch wenn die Mama mir vieles verbietet«.

»Das wird erst die Zukunft zeigen«

Oberarzt Rainer Gerth vom Bezirksklinikum in Gabersee schilderte als Zeuge den schwierigen und verhaltensauffälligen Patienten. Zu den Perspektiven und Zielen betonte der Psychiater, man wolle auf verhaltenstherapeutischer Ebene mit Konfliktbearbeitung zu einer Veränderung gelangen. Vorsitzender Richter Dr. Klaus Weidmann sagte, Zentralproblem sei die pädophile Ausrichtung: »Er spielt sie herunter auf Homosexualität. Die Frage ist, ob man ihm diese Trennlinie klar machen kann und sie hin zu Erwachsenen leiten kann.« Die Entwicklung des 16-Jährigen sei noch nicht abgeschlossen, konstatierte Gerth. Der Arzt weiter: »Das wird erst die Zukunft zeigen. Sein Verhalten ist nicht völlig verfestigt. Ziel der Psychotherapie und der Verhaltenstherapie wird sein, darauf hinzuwirken, dass sich der Fokus ändert.« Eine medikamentöse Behandlung gebe es nicht. kd

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