150 Jahre SPD

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Im Beisein von zahlreichen Ehrengästen feierte auch der SPD-Kreisverband Traunstein im k1 in Traunreut die 150-jährige Geschichte der Sozialdemokraten. Unser Foto zeigt die Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler und den ehemaligen Landesvorsitzenden der Bayern-SPD Dr. Rudolf Schöfberger. (Foto: Rasch)

Traunreut. »Neger sind auch Menschen!« Mit diesem Protest der Sozialdemokraten gegen die Tötung von 80 000 Hereros in Südwestafrika durch das preußische Heer im Jahre 1907 kann in den Augen des ehemaligen Bundestagsabgeordneten und Landesvorsitzenden der Bayern SPD, Dr. Rudolf Schöfberger, die Philosophie der Sozialdemokraten zusammengefasst auf einen Nenner gebracht werden: »Dieser Protest, der die SPD bei den sogenannten Hottentotten-Wahlen 1907 ein Drittel ihrer Sitze gekostet hatte, fußt auf der Gesamtphilosophie der SPD und hätte als Grußwort zum Geburtstag schon alleine genügt«, sagte Schöfberger beim Festakt zur 150-jährigen Geschichte der Sozialdemokratie im k1 in Traunreut.


Schöfberger holte in seinem rund einstündigen Festvortrag aber weiter aus und konnte sich dabei scharfzüngige Seitenhiebe auf die CSU nicht verkneifen, deren Vertreter Landrat Hermann Steinmaßl und Bürgermeister Franz Parzinger zwar geladen waren, sich aber wegen anderer Termine entschuldigen ließen.

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Von Ferdinand Lassalle als »Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein« (ADAV) am 23. Mai 1863 federführend gegründet, bewiesen die Sozialdemokraten trotz aller Widerstände, zeitweiliger Verbote, Verfolgungen, Kriegen und Krisen, seit 150 Jahren Ausdauer und Durchsetzungskraft, sagte er. 1875 vereinten sich der ADAV und die nach dem Tod von Lassalle durch August Bebel gegründete SDAP zur SPD, die sich seither nie umtaufen musste – aber auch nie unfehlbar gewesen sei, wie Schöfberger eingestand. Die SPD habe in ihrer langen Geschichte mehrere Fehler gemacht: »Heiligenscheine sind nicht unsere Kopfbedeckung, aber die SPD hat im Vergleich zu unseren lieben Schwarzen, die fünf Mal ihren Namen änderte, nie politischen Konkurs angemeldet«. Größter Fehler in der 150-jährigen Geschichte sei gewesen, dass die SPD, die 1914 mit französischen Sozialisten vergeblich versucht hatte, den Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu verhindern, den Kriegskrediten mehrheitlich zugestimmt habe.

Unter dem Applaus der rund 150 Gäste erinnerte er auch an Erfolge wie die Einführung einer Arbeitslosenversicherung, die die SPD 1922 gegen den Widerstand aller durchgesetzt habe, oder an die 40-Stunden-Woche, die gemeinsam mit den Gewerkschaften erkämpft worden sei.

Für die Zukunft gebe es noch viele uralte Aufgaben zu lösen, zu denen sich ständig neue globale und nationale dazugesellten, betonte Schöfberger und zitierte dabei Willi Brandt: »Die Sozialdemokratie wird noch dringender gebraucht als je zuvor«. Hauptaufgaben seien der Hunger in der Welt oder die Ausbeutung und Unterdrückung der Menschen. Er sprach sich für eine Reformierung des Welthandels und für mehr und nicht weniger Europa aus.

Damit nicht alle wie bisher reicher werden – »Die Superreichen stinkreicher und die armen Teufel zahlreicher« – forderte er eine gerechtere Verteilung. Weiters forderte er gesetzliche Mindestlöhne für alle Arbeitnehmer. »3,50 Euro Stundenlohn für eine Friseurin ist ein Verbrechen der sozialen Gerechtigkeit.«

Neben der lokalen Politik, vertreten durch den Zweiten SPD-Bürgermeister Ernst Ziegler und den Traunreuter SPD-Ortsvorsitzenden Robert Jekel sowie den ehemaligen Bevollmächtigten der IG Metall Rosenheim, Erwin Schmitzberger, würdigte auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler die ideelle Gesamtphilosophie der SPD, die sich bis heute nicht geändert habe.

»Ich bin persönlich stolz darauf, dass sich die SPD als treibende Kraft für die Bürgerrechte und bürgerliche Freiheit eingesetzt hat«, so Kofler. Ihre Feststellung, dass die Grundelemente der Sozialdemokraten für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen immer noch hochmodern seien, teilte auch der Kreisvorsitzende Dirk Reichenau. Die Ziele, die der Gründervater Lavalle formulierte, nämlich ein sittlich geordnetes Gemeinwesen zu schaffen, welches auf der Solidarität der Interessen beruht, welches die Gemeinsamkeit und Gegenseitigkeit als Motor für Entwicklung verstehe, seien auch heute noch wichtig und richtig, sagte der Kreisvorsitzende. Nur so begründeten sich die Forderungen der SPD, jedem Menschen gleiche Rechte und gleiche Chancen auf ein freies und selbstbestimmtes Leben einzuräumen. »Wir haben in den 150 Jahren Ausdauer gezeigt und fühlen uns unserer Geschichte verbunden. Deshalb sollte uns auch um die Zukunft nicht bange sein.«

Der Festakt wurde mit Lesungen aus der Feder von Josef Wittmann und Erzählungen von Oskar Maria Graf (Gustav Starzmann) aufgelockert. Für schwungvolle Musik sorgte die »Chiemsee-Dixie«. ga

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