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1,5 Millionen Euro mehr für die Kinder- und Jugendhilfe

Mehr Geld wird der Landkreis Traunstein im kommenden Jahr für die Kinder- und Jugendhilfe ausgeben. Einen einhelligen Beschluss diesbezüglich fasste der Jugendhilfeausschuss in seiner Sitzung am Freitag. Insgesamt sollen es rund 1,5 Millionen Euro mehr sein als im Jahr 2022. Heuer lagen die Ausgaben bei 21.402.500 Euro, der Ansatz für 2023 liegt bei 22.910.600 Euro. Landrat Siegfried Walch betonte, dass die Steigerung von 9,7 Prozent vor allem durch gestiegene Personalkosten, zu erwartende höhere Energiekosten und höhere Kosten im stationären Bereich zustande komme. 


Franz Feil, der Leiter des Jugendamts, blickte in der Sitzung auch auf die Fallzahlen. Diese seien im Vergleich zu vor zehn Jahren relativ konstant geblieben, wie er sagte. »Das ist eine Entwicklung, die uns sehr freut«, betonte er. Auch die vergangenen beiden Jahre – »Corona war für die Familie eine große Herausforderung« – hätten nicht zu einem größeren Anstieg der Fallzahlen geführt, wie er sagte.

Im ambulanten Bereich bekamen 2022 laut Franz Feil 267 Familien im Landkreis Hilfe, im teilstationären Bereich wurden 72 Kinder in heilpädagogischen Förderstätten betreut, 116 Kinder lebten in Jugendhilfeeinrichtungen und 81 Kinder in Pflegefamilien.

»In einigen Bereichen der Jugendhilfe werden wir mehr Ausgaben wie im letzten Jahr haben«, betonte Feil. »Das betrifft in erster Linie Ausgaben im Bereich der ambulanten, teilstationären und stationären Hilfen. So benötigen wir im ambulanten Bereich bei der sozialpädagogischen Familienhilfe 75.000 Euro, bei den heilpädagogischen Tagesstätten 185.000 Euro und bei den stationären Einrichtungen 165.000 Euro mehr. Außerdem wollen wir den präventiven Bereich mit 100.000 Euro zusätzlich weiter stärken«, sagte Feil.

Der Leiter des Jugendamts ging auch auf die regionalen Anlaufstellen ein, die weiter ausgebaut werden sollen. Es gebe bereits Büros in Trostberg (Sozialraum), in Traunreut (Mehrgenerationenhaus) und in Grassau (Sozialraum Achental). Konkret geplant sei bereits ein Büro in Siegsdorf, weitere sollen in Obing, im Salzachtal und in Traunstein entstehen, wie Feil sagte.

Ein großes Augenmerk werde auch auf die Prävention gelegt. Im Jahr 2022 habe man insgesamt 53 Projekte durchgeführt, unter anderem an Schulen, um das soziale Miteinander zu fördern, wie Feil sagte. Diese präventiven Angebote sollen im kommenden Jahr ausgebaut werden. Das begrüßte Landrat Siegfried Walch ausdrücklich. »Wir wollen aktiv in die Prävention gehen und nicht erst warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist«, sagte der Landkreischef. Diese Strategie gehe auf, das sehe man an den Erfolgen aus den vergangenen Jahren. Er lobte – wie auch Franz Feil – die Mitarbeiter des Jugendamts. »Die Krisen schlagen bei uns auf. Doch meine Mitarbeiter schauen über den Tellerrand hinaus und machen eine ganz tolle Arbeit«, betonte der Leiter des Jugendamts.

Marianne Penn (Grüne) sprach in Bezug auf die Fallzahlen von einer »guten Entwicklung«. Des Weiteren begrüßte sie in der Diskussion, dass künftig noch mehr Augenmerk auf die regionale und präventive Arbeit gelegt werden soll.

Barbara Danninger (Freie Wähler) fragte nach, warum die Regionalbüros in Obing, im Salzachtal und in Traunstein nur angedacht und noch nicht konkret geplant seien. »Fehlt es an Personal?«, wollte sie wissen.

Franz Feil betonte, dass es mehr Sinn mache, »ein Büro nach dem anderen« zu eröffnen. Er geht aber davon aus, dass bis Ende des nächsten Jahres auch die drei angedachten Büros umgesetzt werden können. Zum Thema Personal sagte der Leiter des Jugendamts: »Es ist nicht einfach, aber ich bin trotzdem optimistisch.«

Marc Nitschke (CSU) sagte, dass die Gründe für die Kostensteigerung im Bereich Jugendhilfe schlüssig klingen würden. »So kann die Arbeit gut fortgesetzt werden«, betont er.

Das sahen auch die anderen Mitglieder des Jugendhilfeausschusses so. Einhellig wurde der Budgetanforderung für das Jahr 2023 zugestimmt. Sie wird entsprechend in die Beratungen des Kreishaushalts 2023 eingebracht.

KR

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