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1400 Kilometer langes Radwegenetz ist neu beschildert

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Freuen sich über das neu beschilderte Radwegenetz (von links): Landrat Siegfried Walch, Biathlon-Legende Fritz Fischer, Manuela Schreiner von der Firma Adelholzener und Stephan Semmelmayr vom Chiemgau-Tourismus. (Foto: Müller)

Der Chiemgau gilt mit seinem 1400 Kilometer langen Radwegenetz seit langem als Eldorado für Radfahrer. Nun ist es nach zweijähriger Umsetzung auch einheitlich beschildert. Allein die Zertifizierung durch den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) steht noch aus, was aber Formsache sein dürfte.


»Wir haben nun eine Beschilderung, die absolut zertifizierungswürdig ist und der Chiemgau wird damit einer der ersten zertifizierten ADFC-Radreiseregionen«, stellte der bestens gelaunte Geschäftsführer des Chiemgau-Tourismus, Stephan Semmelmayr, klar. Eigentlich wollten sie das neue »Radl-Paradies Chiemgau« am vergangenen Samstag mit einer rund 30 Kilometer langen Radtour vom Obinger Strandbad zum Chiemseeufer in Chieming einweihen, gemeinsam mit Landrat Siegfried Walch, dessen Stellvertreter Andreas Danzer, zahlreichen Bürgermeistern, Planern und Tourismusvertretern. Doch das Wetter sollte nicht mitspielen. Dabei hätte dem ein oder anderen die Bewegung sicherlich gut getan, wie der Landrat abschließend auf Gut Ising schmunzelnd anmerkte.

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Vorzeigeprojekt mit 20 Erlebnisradtouren

Zumindest Walch durfte vor Eröffnung des Buffets im Beisein von Biathlon-Legende Fritz Fischer und Spitzenrennradler Johannes Berndl (RSV Traunstein), Vizemeister bei der Deutschen Bergmeisterschaft, kurz auf einem Fahrrad Platz nehmen, wenn auch nur zum obligatorischen Fototermin. Anstatt kräftig in die Pedale zu treten, waren die geladenen Gäste gut zwei Stunden zuvor am Obinger Strandbad in einen Bus gestiegen und hatten somit genügend Luft und Energie für anregende Gespräche.

Über die informativen Zwischenstopps am Hilgerhof und am Seebrucker Strandbad ging es nach Ising, wo Landrat Siegfried Walch das Vorzeigeprojekt mit seinen 20 Erlebnisradtouren als »wunderbare Basis« bezeichnete. Damit sei man »Vorreiter in Bayern« und habe einen »Leuchtturm« geschaffen, lobte er den Chiemgau Tourismus, die beteiligten Gemeinden und alle, die ihren Teil zum Gelingen beigetragen hatten. Das Zusammenwachsen der beiden Tourismusverbände am Chiemsee, Chiemgau-Tourismus und Chiemsee-Alpenland, sei für die zukünftige Entwicklung des heimischen Tourismus und dessen Wertschöpfung von großer Bedeutung, so Walch.

Er freue sich darüber, dass sich die Politik dafür entschieden habe, bei diesem Projekt von Anfang an Expertisen einzuholen und Fachleute mit einzubinden, so Achim Kraus vom ADFC (Kreisverband Traunstein), dessen stellvertretende Landesvorsitzende Andrea Baltheiser ebenfalls vor Ort war. Der Vorsitzende des Rad–arbeitskreises beim Chiemgau Tourismus, Ludwig Mörner, stellte im Hilgerhof kurz den »Werdegang der Radwegbeschilderung« vor. Im Juni 2012 habe man bei einer Klausurtagung mit dem Vorstand, dem Marketingbeirat und den Mitarbeitern des Chiemgau-Tourismus beschlossen, den Chiemgau zur »Top-Radregion« zu entwickeln. Nach der Bildung von Arbeitskreisen sei dann im Dezember 2012 im Marketingbeirat der Entschluss gefallen, im Landkreis Traunstein ein gemeinsames Radwegenetz mit einer einheitlichen Beschilderung zu erstellen. Die Umsetzung sollte durch die Gemeinden erfolgen. Ende Mai 2013 seien dann die Planungsbüros »green solution« und »Topplan« mit der Wege- und Beschilderungsplanung beauftragt worden. Dem Arbeitskreis sei klar geworden, dass es in Deutschland nur wenige zertifizierte Radwege gebe und eine solche Zertifizierung ein großer Marketingvorteil für die ganze Region wäre. Im Frühsommer 2014 habe man dann mit der Umsetzung der Planung begonnen. »Rosenheim wollte nachziehen, sodass eine einheitliche Radregion entsteht«, freute sich Mörner. Während einige südliche Gemeinden die Schilder schon 2014 aufstellen konnten, hatten sie die nördlichen Gemeinden erst im April erhalten. Nach der gelungenen Ausweisung und Beschilderung des Radwegenetzes und der 25 bis 75 Kilometer langen und allenfalls mit mäßigen Steigungen versehenen Erlebnistouren »Chiemsee Radweg«, »Chiemsee Rundweg«, »Chiemgau Radweg«, »Eiszeit Runde«, »Kult-Tour«, »Adelholzener Radrunde«, »Achental Radweg«, »Klosterweg«, »Waginger See Rundweg«, »Bauernhof-Safari«, »Im Einklang radeln«, »Rupertiwinkel Panoramatour«, »Wasser-Erlebnistour«, »Energietour«, »Archäologischer Rundweg«, »Skulpturenweg«, »Teisenberg Runde«, »16-Seenrunde«, »Chiemgauer Schmankerltour« und »Wasser-Runde« stehe nun die Zertifizierung der Rad-Region, die Qualitätssicherung und die Erstellung eines Rad-Entwicklungsplanes an, betonte Mörner, der auch Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Obing ist.

Die Bürgermeister Josef Huber (Obing), Josef Reithmeier (Pittenhart), Bernd Ruth (Seeon-Seebruck) und Benno Graf (Chieming) warben für die abwechslungsreichen Radwege für Aktivurlauber und Familien in herrlicher Natur und gingen kurz auf die kulturellen Angebote und touristischen Vorzüge und Pläne ihrer Gemeinden ein.

E-Bikes für Touristen sehr wichtig

In Seebruck gab Radrennfahrer Johannes Berndl einen Einblick in seinen Trainingsalltag, der ihn auch immer wieder an den Chiemsee führt. Auf ein E-Bike greife er zwar noch nicht zurück, doch seien solche Angebote für den Tourismus sehr wichtig. Die passenden Klänge verbreiteten in Seebruck und Ising die Musikkapelle Seeon und die Chieminger Blasmusik. Zum Abschluss bedankte sich Semmelmayr auf Gut Ising bei allen am Projekt beteiligten Radexperten, Bürgermeistern, kommunalen Bauhöfen, dem staatlichen Bauamt, dem Kreisbauhof, dem Abwasserzweckverband, dem ADFC, den Planern, den Nachbarlandkreisen, Tourismuskollegen und Sponsoren. Ein Sonderlob erhielten die Mitarbeiter des Chiemgau-Tourismus und insbesondere Nina Glasow vom »Themenmanagement Rad«. mmü