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13 Lehrstellen stehen pro Bewerber frei

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Unterwössen. Mit dem Ende des Dienstboten- und Knechtjahres zu Mariä Lichtmess fand in Unterwössen der 148. Handwerkertag statt. Er begann mit einem gemeinsamen Gottesdienst der knapp hundert Handwerker in der Pfarrkirche St. Martin. Um 10 Uhr öffnete der Ehrenobermeister der Maler- und Lackiererinnung Traunstein und Ehrenbezirksinnungsmeister Oberbayern, Hans Michael Heser, die Innungslade – und eröffnete damit den Handwerkertag im Hotel Gabriele.


Heser stellte die neuen Innungsmeister vor, heuer mit Maria Entfellner auch eine Handwerksmeisterin. Nach zwei Jahren Ausbildung an der Deutschen Meisterschule für Mode in München im Fachbereich Modelistik habe sie den Abschluss der Maßschneidermeisterin und staatlich geprüften Modegestalterin errungen. In beiden Ausbildungsbereichen habe sie für hervorragende Leistungen den Meisterpreis der bayerischen Staatsregierung erhalten. Dass Unterwössen solche Handwerker hervorbringe, lasse aufhorchen, meinte Heser.

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Für die Zukunft sieht er die größten Herausforderungen des Handwerks in der Versorgung mit Fachkräften. Die Bilanz des Ausbildungsjahres 2012 habe gezeigt: »Der Ausbildungsmarkt ist fast leer.« Qualifizierter Nachwuchs werde zu einem immer kostbareren Gut, meinte er. Ausbildungswilliger und -fähiger Nachwuchs sei in bestimmten Branchen schlicht einfach nicht mehr zu kriegen. Ende September seien in Bayern auf einen Bewerber rund 13 Lehrstellen gefallen. An der Ausbildungsbereitschaft des Handwerks liege es jedenfalls nicht, weil jetzt mindestens zehn Prozent mehr Lehrstellen angeboten würden. Den Bewerberrückgang sah Heser als Vorboten für den drastischen demografischen Wandel. Er warnte, dass ein Viertel der Lehrlinge während der Ausbildung hinschmeiße. Und von den Ausbildungsabsolventen verblieben nur 40 Prozent im Handwerk. Das liege nicht so sehr am Geld, vielmehr an den »weichen Faktoren« bei Karriereentscheidungen, also an Stimmungen, Kenntnissen und Wissen. Die Betriebe müssten deshalb aktiver auf die Lehrlinge zu gehen, forderte Heser.

Die Entwicklung der Hauptschule zur Mittelschule mache diese für das Handwerk zur wichtigsten Schulform. Den Jugendlichen gebe sie einen Ausgangspunkt für die Karriere, meinte Heser. Aber bei allem Reformbedarf in schnelllebigen Zeiten betonte er: »An der Qualität der Ausbildung darf nicht gerüttelt werden! Wir sind die Handwerker. Wir können was. Wir haben allen Grund, selbstbewusst zu sein«. Allerdings brauche das Handwerk Rahmenbedingungen, die es erlauben, sich zu entfalten und zu zeigen, was man kann. Heser appellierte, die Kaufkraft in der Region zu lassen. »Wenn die Wertschöpfung in der Region bleibt, bleiben auch die Arbeitsplätze bei uns und damit die Lebensqualität«, sagte er. Er schloss mit einem Blick in die Zukunft: »Vor uns liegt eine schwierige, aber auch interessante Zeit.«

Bürgermeister Hans Haslreiter sah das Handwerk als Lokomotive der Konjunktur und sehr wichtigen Wirtschaftszweig in der Gemeinde. Das Handwerk finde in der Bevölkerung breite Anerkennung, die Deutschen vertrauten ihren Handwerkern. Zentrale Herausforderungen seien Bürokratieabbau und Beseitigung des Fachkräftemangels, um das Handwerk auf Erfolgskurs zu halten. Vom derzeitigen Stimmungshoch in Handel und Handwerk profitierten neben den Auszubildenden auch die Gemeinden, meinte Haslreiter. Er erinnerte an die kontinuierlichen Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer in den letzten Jahren. Der Bürgermeister versprach im Gegenzug, auch jetzt wieder den Schülern der Mittelschule bei der Ausbildungsplatzsuche zu helfen. Haslreiter schloss mit den besten Wünschen für die Konjunkturlage und volle Auftragsbücher. lukk