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100 Jahre alter Arztkoffer aus Traunstein bereichert Ausstellung

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Der Holzkasten enthält überwiegend chirurgische Instrumente. Der Großvater von Dr. Gerhard Binder, Dr. Fintan Leutenegger, war damit im Ersten Weltkrieg und auch später im Einsatz.
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Dr. Fintan Leutenegger betrieb – wie jetzt sein Enkel Dr. Gerhard Binder – eine Praxis in Traunstein.

Traunstein – Dr. Gerhard Binder, praktischer Arzt in Traunstein, hat dem Kreismuseum Mühldorf einen Arztkoffer seines Großvaters als Leihgabe übergeben. Der Koffer ist eines der Exponate einer Sonderausstellung zum Ersten Weltkrieg.


Über den ehemaligen Besitzer Dr. Fintan Leutenegger, geboren 1889, berichtete Dr. Binder bei der feierlichen Übergabe, dass er der Sohn eines Bäckers gewesen war. Er durfte – was seinerzeit keine Selbstverständlichkeit war – eine höhere Lehranstalt besuchen. Nach Abitur und Studium wurde der junge Arzt nach Wyk auf Föhr beordert und arbeitete dort einige Jahre, bevor er in Traunstein eine Praxis eröffnete.

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Der Holzkasten mit den überwiegend chirurgischen Instrumenten begleitete ihn nicht nur während des Ersten Weltkriegs, sondern lange darüber hinaus. Nach seinem Tod wurde der Koffer innerhalb der Familie weitergegeben und aufbewahrt. Die Praxis Dr. Binder kann 2017 ihr 100-jähriges Bestehen feiern.

Mit Knochensäge auch Äste abgeschnitten

Dass die Instrumente nicht nur ihrem ursprünglichen Zweck entsprechend eingesetzt wurden, erläuterte Dr. Binder anhand einer für Amputationen gedachten Knochensäge: Sie kam später als Astsäge im Garten der Familie zum Einsatz.

Dr. Markus Nußbaumer, ein in Mühldorf tätiger Radiologe, hatte sich im Vorfeld mit dem Inhalt des Instrumentenkoffers intensiv befasst. Er stellte bei dessen Übergabe ausgewählte Instrumente sowie deren Verwendung vor und verglich sie mit dem heute bei vergleichbaren Operationen benutztem Gerät.

Museumsleiterin Dr. Susanne Abel dankte dem Leihgeber und den Kollegen aus den Medizinhistorischen Sammlungen in Ingolstadt und Berlin, die mit Auskünften zum Objekt weitergeholfen hatten. Die Leiterin des Friesenmuseums in Wyk steuerte Informationen zum Umfeld von Dr. Fintan Leuteneggers bei, sodass das Objekt mit aussagefähigen Erläuterungen ausgestellt werden kann.

Der Arztkoffer, der damals als »Sanitätskasten« bezeichnet wurde, passt hervorragend zur Ausstellungseinheit »Lazarett und Verwundung«, in der unter anderem Fotografien von Soldaten zu sehen sind, die zuvor mit vergleichbaren Instrumenten behandelt wurden. Die Sonderausstellung »Leben im Krieg« im Kreismuseum Mühldorf ist jeweils am Dienstag, Donnerstag und Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet. san

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