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Wonneberger Feuerwehrmann schreibt sich Frust von der Seele – und tritt eine Welle los

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Ein Unfall Mitte August auf der Staatsstraße zwischen Traunstein und Wonneberg sorgt jetzt in den sozialen Netzwerken für Wirbel. Leonhard Fenninger von der Freiwilligen Feuerwehr Wonneberg kritisierte das Verhalten so mancher Autofahrer und erhält dafür sehr viele Reaktionen. (Foto: FDL/AKI)

Wonneberg – Leonhard Fenninger (50) ist seit 34 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Wonneberg, war zwölf Jahre auch deren Kommandant. Er hat viel erlebt und viel gesehen. Jetzt war das Fass voll.


Nach einem Unfall im August mit mehreren Verletzten schrieb er sich seinen Frust von der Seele, wie Autofahrer sich gegenüber Rettungskräften verhalten und wie groß der Egoismus im Straßenverkehr geworden ist – und trat damit eine Welle los.

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Als Leserbrief für das Traunsteiner Tagblatt gedacht, hat er seinen Brief am Wochenende auch auf der Facebookseite der Feuerwehr Wonneberg hochgeladen. Und innerhalb von nur drei Tagen wurde der bereits über 1600 Mal bewertet, 1300 Mal geteilt und über 200 Mal kommentiert.

»Diese Aufmerksamkeit überrascht mich jetzt schon«, sagt Fenninger. »Das war nicht für die ganze Welt geschrieben, sondern eigentlich nur für unsere Leute.« Kommentiert wurde es aber bereits deutschlandweit, auch aus Österreich, der Schweiz und sogar den USA schrieben Leser. Sie sprechen den Feuerwehren ihren Dank aus (»Vielen Dank für Euren Einsatz. Was Ihr leistet ist bemerkenswert und verdient größten Respekt!«) oder loben Fenninger für seine Worte (»Besser kann man es nicht beschreiben«), schildern eigene Erlebnisse (»Es ist leider schade, was ein Kfz mit uns Menschen psychisch anstellt«), bedauern die Entwicklung (»Kein Respekt und keine Achtung für andere Menschen. Eine erschreckende Entwicklung in unserer Gesellschaft.«) oder fordern »Strafen für solche Idioten«. Wie in sozialen Netzwerken leider üblich, gibt es auch zahlreiche Beschimpfungen und verbale Entgleisungen.

Zum Original-Beitrag auf Facebook:

Fenninger ist der Wirbel fast ein bisschen unangenehm. »Aber es schadet ja eigentlich nix.« Zugleich sei er auch lange genug bei der Feuerwehr, um zu wissen, dass sich nicht immer alle Kameraden richtig verhalten und den Zorn von Verkehrsteilnehmern auf sich ziehen.

Unterm Strich stellen er und seine Kollegen aber fest, dass das aggressive, egoistische Verhalten im Straßenverkehr zunimmt. Und die Rettungskräfte immer häufiger mit Pöbeleien zu tun haben. Dank der Navis suchen sich viele Autofahrer auch selbst Wege, um Straßensperrungen zu umfahren, ohne auf den Rat der Feuerwehr zu hören, und landen dann doch wieder an der gesperrten Unfallstelle. Das erlebt er auch in seiner Arbeit als Polier bei einer Straßenbaufirma regelmäßig.

Frontalcrash fordert drei Schwerverletzte – darunter 6-jähriges Kind

Zum Artikel »»

Bei dem Unfall am 11. August musste die Freiwillige Feuerwehr die Straße ab Weibhausen in Richtung Traunstein etwa eine Stunde lang absperren. Auf der anderen Seite taten dies die Feuerwehren Surberg und Traunstein.

Viele Autofahrer suchten sich gegen den Rat der Feuerwehr Schleichwege und landeten dann doch wieder an der abgesperrten Unfallstelle oder gaben an, vorher abzubiegen, fuhren dann aber geradewegs zur Unfallstelle.

Bilder vom Frontalzusammenstoß bei Surberg:

»Jeder ist sich selbst der Nächste«

»Ein Autofahrer hat mich sogar angeschrien, dass er die Runde jetzt schon zweimal gefahren sei«, schildert Fenninger und bedauert: »Wir leben in einer Zeit, in der sich jeder selbst der Nächste ist. In einer Zeit, in der für Freizeitaktivitäten zig Kilometer gefahren werden. Aber wenn mal ein paar Kilometer Umweg nötig sind, nur weil auf einer geplanten Route jemand in Ruhe um sein Leben kämpfen möchte, sofort Unverständnis herrscht. Wir leben in einer Zeit, wo Feuerwehren Sichtschutzwände aufstellen, weil Autofahrer sonst mit ihren Handys Fotos und Filme drehen, und Einsatzstellen hermetisch abgeriegelt werden müssen, damit nicht irgendein Autofahrer durchfährt und sowohl Unfallopfer als auch Einsatzkräfte gefährdet.

Für die Verkehrslenkung und Absperrung ist mittlerweile mehr Personal nötig, als für den eigentlichen Rettungseinsatz, der unsere Kernaufgabe darstellt. Also, wenn Sie das nächste Mal auf eine Umleitung der Feuerwehr treffen, seien Sie dankbar für den wertvollen Dienst, der geleistet wird, und seien Sie vor allem dankbar, dass nicht Sie es sind, der in seinem Auto eingeklemmt ist und auf die Hilfe Freiwilliger angewiesen ist.« ka