Schon jetzt mehr Anfragen als Grundstücke in Wonneberg

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Von St. Leonhard herkommend am Ortseingang von Plattenberg links soll ein neues kleines Baugebiet ausgewiesen werden. (Foto: Caruso)

Wonneberg – Der Bebauungsplan Plattenberg-Ost wird überarbeitet, das beschloss der Wonneberger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. Zuvor hatte man sich eingehend mit den Stellungnahmen und Hinweisen beschäftigt, die während der letzten öffentlichen Auslegung im Verfahren eingegangen waren. Die Gemeinde Wonneberg möchte nämlich am Ortsende des Ortsteils Plattenberg Baurecht schaffen lassen für insgesamt vier Ein- und Zweifamilienhäuser.


Laut Bürgermeister Martin Fenninger ist das Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans, für das sich der Wonneberger Gemeinderat schon im Jahr 2016 mit dem entsprechenden Aufstellungsbeschluss aussprach, zwar eine Runde weiter, aber noch nicht in trockenen Tüchern.

Bei der Abwägung der verschiedenen Stellungnahmen hat der Rat unter anderem dem Belang der Unteren Bauaufsichtsbehörde, die Höhenlagen der Gebäude auf Parzellen eins und zwei zu ändern, großes Gewicht beigemessen. »Die Hauptgebäude sollten aufgrund des nach Nordosten abfallenden Geländes im Südwesten nicht erst am oder über Urgelände ansetzen, sondern zumindest in einem Teilbereich auch in das Gelände eingebettet werden«, regte die Behörde an.

Der Wonneberger Rat bewertete die Höhenfestsetzungen jedoch anders. »Die Höhenlage wurde bereits vor Ort vom Planer aufgesteckt und vom Gemeinderat besichtigt. Dabei sind wir zum Entschluss gekommen, dass aufgrund der besseren Umsetzung des Wasserrückhalts das Tiefersetzen der Gebäude nicht sinnvoll wäre«, informierte Bürgermeister Martin Fenninger. Bei den festgesetzten Höhenlagen handele es sich aber um die maximal zulässigen.

Weil in der unmittelbaren Umgebung des neu geplanten Baugebiets zwei landwirtschaftliche Betriebe liegen, schlug die Untere Immissionsschutzbehörde vor, ein neues immissionsschutztechnisches Gutachten erstellen zu lassen. Das vor rund sieben Jahren angefertigte, solle den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden.

Der Gemeinderat nahm den Hinweis zur Kenntnis. »Der Rinderhaltungsbetrieb Fenninger hat zwischenzeitlich südlich seines Anwesens einen weiteren Stall gebaut. Damit hat sich der Schwerpunkt seiner Tierhaltung nochmals deutlich vom geplanten Baugebiet entfernt.« Der Tierhaltungsbetrieb Mühlbacher habe seinen Tierbestand verringert. Die Gemeinde gehe deshalb davon aus, dass auch bei einer Anpassung der Tierhaltungszahlen im Gutachten mit keiner Erhöhung der Immissionswerte zu rechnen sei. Bezüglich der Flächenspar-Offensive der Bayerischen Staatsregierung empfahl die Höhere Landesbehörde an der Regierung von Ober-bayern, die künftige Siedlungsentwicklung auf den Hauptort Wonnebergs zu lenken. Im Beschluss, den der Gemeinderat jetzt dazu fasste, heißt es unter anderem: »Die wenigen vorhandenen Baugrundstücke und Baulücken sind nicht geeignet, den Wohnraumbedarf der nächsten zehn Jahre abzudecken. Die Gemeinde sieht sich deshalb in der Pflicht, die Ausweisung der wenigen Bauparzellen in Plattenberg voranzutreiben.«

»Weil wir nichts dem Zufall überlassen wollen, haben wir unter Mithilfe der Flächenmanagement-Datenbank des Bayerischen Landesamts für Umwelt den zukünftigen Bedarf an Wohnungen ermittelt«, informierte Martin Fenninger. Insgesamt brauche Wonneberg, das großen Wert da-rauflege, dass die junge Generation im Ort bleibt, 68 Wohnungen bis zum Jahr 2031. Dies entspreche einem durchschnittlichen Jahresbedarf von 4,85 Wohnungen.

Das Amt für Ländliche Entwicklung hatte darauf verwiesen, dass die Gemeinde Wonneberg im August 2019 für das gesamte Gemeindegebiet einen Selbstbindungsbeschluss gefasst hat, vorrangig die Innenentwicklung betreiben zu wollen. Die Gemeinde habe auch beschlossen, nach dem Grundsatz zu handeln, auf Neuausweisungen zu verzichten, um in den Genuss von Fördermitteln für ein Vorhaben im Innenbereich zu kommen.

Das Ratsgremium hielt nun aber per Beschluss fest, dass etwaige Leerstände und Innenbereichspotenziale in den Hauptorten St. Leonhard und Weibhausen zur Abdeckung des künftigen Wohnraums nicht ausreichend sind. Die wenigen vorhandenen Baugrundstücke und Baulücken befänden sich in Privateigentum und stünden mittelfristig für eine Bauleitplanung auf Basis des Familien-Bauland-Modells der Gemeinde nicht zur Verfügung. Im Rahmen der Bauleitplanung Plattenberg Ost wird die Verwaltung aber beauftragt, die Innenbereichspotenziale detailliert zu erheben.

»Es liegen der Gemeinde nicht nur mehrere Anfragen von Bauwilligen aus Wonneberg vor, sondern auch zunehmend solche von Auswärtigen. Die von der Bundesregierung im Jahr 2017 in Abstimmung mit der Europäischen Union getroffenen Vorgaben zur Ausgestaltung von 'Einheimischen- Modellen' machen es mittlerweile notwendig, dass die Gemeinde ihre Baulandstrategie nicht mehr wie früher auf die ortsansässige Bevölkerung beschränken kann, vielmehr muss sie dabei ganz allgemein alle jungen Familien berücksichtigen.« Dies könne leicht dazu führen, dass sich sowohl die Zahl der Einwohner als auch der Bedarf an Wohnbauland stärker entwickelt, als vom Statistischen Landesamt prognostiziert. »Schon die aktuellen Zahlen rechtfertigen Ausweisungen«, betonte Martin Fenninger, ehe der Gemeinderat die zahlreichen weiteren Hinweise von Trägern öffentlicher Belange würdigte, die auch vorwiegend in den Planentwurf einflossen und daher nochmals überarbeitet werden.

Abschließend machte der Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft, Franz Röckenwagner, deutlich, dass es das Ziel ist, einen Bebauungsplan aufzustellen, der rechtskräftig ist. Je mehr Informationen von den Behörden und Trägern öffentlicher Belange an Gemeinden gelangen, je umfangreicher die Basis der Abwägungsentscheidung sei, desto wahrscheinlicher sei, dass die von der Gemeinde gefundenen Ergebnisse rechtlich nicht zu beanstanden seien.

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