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Großen Aufwand, aber oft auch erstaunliche Ergebnisse bedeutet die Reittherapie, wie sie der Förderverein Reiten für Behinderte vielen Patienten ermöglicht, die sich das sonst oft nicht leisten könnten.

»Reiten für Behinderte« macht weiter

Wonneberg - Beinahe hätte der Förderverein »Reiten für Behinderte« aufgelöst werden müssen. Denn, wie Schriftführerin Angelika Drost im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt erklärt, zunächst sah es so aus, dass sich weder für die Kassierin Christa Ungerer, noch für sie oder ihren Mann Winfried Drost, den Vorsitzenden, Nachfolger finden würden.


Neu besetzt werden müssen vor allem die Ämter des ersten und zweiten Vorsitzenden sowie des Kassiers. Glücklicherweise haben sich inzwischen Kandidaten für die Nachfolge gefunden. Die Ämter der beiden Vorstände und des Kassiers würden Karin Halle, Angelika Schneider und Katharina Gimpl übernehmen, um den Verein zu erhalten – wenn sie denn auch bei der Mitgliederversammlung im Juli gewählt werden. Bis dahin bleiben Vorsitzender Winfried Drost und Kassierin Christa Ungerer noch kommissarisch im Amt.

Der Verein hat derzeit 98 Mitglieder und fördert 85 Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich die Therapie ansonsten nicht leisten könnten. »Neue Mitglieder sind hochwillkommen«, so Drost. Die Physiotherapeutin mit Ausbildung zur Hippotherapie war treibende Kraft zur Gründung des Fördervereins vor rund 20 Jahren. Weil man den – unbestrittenen – Nutzen der Reittherapie und all ihrer Facetten nicht wissenschaftlich nachgewiesen hatte, strichen die Krankenkassen damals die Finanzierung aus ihrem Hilfsmittelkatalog.

Dabei gibt es jede Menge Erfolgsberichte von spastisch gelähmten Kindern, die auf Therapiepferden zu einer sonst unmöglichen Form der Entspannung finden, von enormen Fortschritten autistischer und anderweitig behinderter Kinder.

Neben der klassischen Hippotherapie, also der Physiotherapie auf dem Pferd, gibt es auch noch die Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd, die etwa in der Traumabewältigung nach häuslicher oder sexueller Gewalt, generell bei psychischen Belastungen oder auch bei der Trauerbewältigung unglaublich Wertvolles leistet. Bei einem Intensivwochenende im Herbst für psychisch Erkrankte, die nicht arbeiten können, habe man tolle Erfolge erzielt. »Das ist sehr beeindruckend, was die Teilnehmer da für den Alltag mitnehmen«, so Drost.

»Jetzt kann ich endlich mal auf Euch runter schauen« – dieses Zitat eines ansonsten kaum redenden Rollstuhlfahrers, der fröhlich strahlend auf dem Therapiepferd saß, gehört mit zu dem Schönsten, was Angelika Drost im Laufe ihres langen Berufslebens erlebt hat. »Dieser Satz gehört zu den spontanen Aussprüchen, die mir immer wieder zeigten, dass diese Therapie auf Körper, Geist und Seele Einfluss nimmt.«

Dabei arbeitete sie schon in verschiedensten Ställen mit verschiedensten Pferden. Die müssen nicht nur ausgesprochen ausgeglichen sein, die Therapie ist für sie teilweise Schwerstar-beit. »Denn sie kriegen Körpersignale von drei Menschen, dem Reiter, dem Pferdeführer und dem Therapeuten«, so Drost. »Und müssen dann entscheiden, welche sie wann wie befolgen.« Maximal eineinhalb Stunden könne man ein Therapiepferd am Stück einsetzen.

Aber das Einzigartige an dieser Therapie sei, dass »das Pferd den Menschen so annimmt, wie er ist. Für den Reiter sind Dinge wie das sprichwörtliche Getragen-werden, die Wärme und die Freundschaft zu dem Tier sehr hilfreich.« Das fördert die Entspannung, Körperbeherrschung, Koordination und das Gleichgewicht. Gerade auch für Menschen, die sich aus motorischen oder anderen Gründen nicht mitteilen können, sind die Pferde hilfreich, da sie nonverbal mit dem Pferd kommunizieren und durch die Reak-tion des Pferdes erfahren können, wie sie verstanden werden.

Drost ist nur eine von zahlreichen, ausgebildeten Therapeutinnen im Landkreis, die allesamt wertvolle Arbeit leisten. »Eltern von behinderten Kindern sind aber meist auch finanziell sehr stark belastet und können sich diese Zusatztherapie oft nicht leisten. Dabei ist sie kein Luxus, wie oft gemeint wird, sondern eine sehr effektive Therapie, die den Betroffenen auch noch Freude macht«, erklärt Drost.

Wer helfen und den Förderverein mit einer Spende unterstützen will, kann diese jederzeit überweisen auf das Spendenkonto mit der IBAN DE91 7105 2050 0000 9279 13.

coho

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