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Eine Bürokraft und ein Anwalt für jeden Hof?

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Wonneberg: Vereinigung »Land schafft Verbindung« fordert Lösungen
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Nach Ansicht von Sebastian Dickow, dem Sprecher der Vereinigung »Land schafft Verbindung«, müssen die Bauern mehr darüber reden, was sie Gutes tun, wie sie etwa die Ernährungssicherheit im Land gewährleisten und zusätzlich die erhaltenswerte Landschaft pflegen.

Wonneberg – Bei der Jahreshauptversammlung des Verbands landwirtschaftlicher Fachbildung (VlF) Traunstein sagte der Sprecher der Vereinigung »Land schafft Verbindung« (LsV), Sebastian Dickow, die LsV sehe sich als Moderator der verschiedenen Organisationen, die mit der Landwirtschaft zu tun hätten. So könnten sie über Verbandsgrenzen hinweg die Bauern erreichen und bewegen. Dem VlF gehören derzeit 1855 Mitglieder an.


Heuer sind laut Hans Zens, dem Bereichsleiter Landwirtschaft am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein, 154 Studierende in den verschieden Bereichen an den Landwirtschaftsschulen in Traunstein und Laufen. Andere Ämter erreichten kaum zehn Prozent davon. Diese Zahlen zeigten auch etwas über den Zuspruch der Schule bei den Nachwuchskräften, so Zens.

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Er wolle hervorheben, dass das Grundwasser in der Region optimale Qualität habe, sagte VlF-Vorsitzender Johann Englschallinger. Sicher bedeute das nicht, dass man nachlassen dürfe. Die Landwirte strebten aber in ihren Bemühungen auch weiter den Erhalt der hohen Qualität an. Wenn immer einer der Schuldige sei, breche er einmal aus, sagte er dazu, dass die Landwirtschaft für alles verantwortlich gemacht werde. Und so habe sich die LsV gegründet. Sie trete für die Interessen der Landwirtschaft ein.

Im Prinzip hatte Dickow bei seinen Ausführungen nichts Neues an den Tag gebracht. Neu war aber der Weg der LsV, die auf die Probleme der Bauern in Bayern und Deutschland aufmerksam gemacht habe und so mit ihren außergewöhnlich teilnehmerstarken Traktorendemonstrationen große mediale Aufmerksamkeit erlangten. Doch räumte Dickow ein, dass das mediale Interesse an dieser Form der Bauerndemonstration bereits nachlasse und die LsV schon nach neuen Wegen suche, das Interesse hochzuhalten.

Laut Dickow zeigt die LsV die Probleme in der Landwirtschaft auf und will diese in der Gesellschaft und den Verantwortlichen von Politik und Verbänden kommunizieren – was aus seiner Sicht gut gelinge. Die LsV wirke deeskalierend, fügte er hinzu.

Als großes Problem sieht er, wie die neue Düngeverordnung zustande gekommen ist. Das Netz der Messstellen sei unzulänglich, viele Messstellen würden technisch nicht sauber arbeiten. Darum könne seiner Meinung nach auf Basis dieser fehlerhaft gewonnenen Werte keine Verordnung erlassen werden. Doch würden die Verantwortlichen den Fehler nicht eingestehen – die Leidtragenden seien die Bauern, so Dickow.

Für die Landwirtschaft seien keine Pauschallösungen und Vorgaben möglich. Denn sie brauche durch die vielfältigen Gegebenheiten ebenso vielfältige Lösungsansätze. Sicher müssten die Landwirte immer besser werden. Durch Verbote und Auflagen werde eher das Gegenteil erreicht. Bald brauche ein 30-Hektar-Betrieb mit 40 Kühen eine Bürokraft, um die Bürokratie bewältigen zu können und wenn es so weiter gehe, einen eigenen Rechtsanwalt, um durch die Vorschriftenflut zu kommen.

Dickow prangerte auch die Umsetzung verschiedener Ausgleichprogramme an, bei denen der Arbeitslohn pro Stunde der Bauern und somit meist der Landwirtschaftsmeister immer wieder mit nur zehn Euro veranschlagt werde. Das passe nicht – er erinnerte an die Stundensätze für Meister in anderen Branchen.

Dass Pauschalisierung in der Landwirtschaft nicht passe, zeigte er am Beispiel des Viehbesatzes. In Regionen wie Franken mit 300 bis 400 Millimeter Niederschlag im Jahr sei eine Großvieheinheit pro Hektar zu viel. Im hiesigen Grünlandgürtel könnten aber drei bis vier Großvieheinheiten gehalten werden. Es bringe nichts, über alles eine Käseglocke zu stülpen, so Dickow. MP


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