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Wertvolle Praxis-Tipps zur regelmäßigen Bestandspflege während der einzelnen Wachstumsphasen im naturverjüngten Wald erhielten die Mitglieder der Jagdgenossenschaft Wonneberg von Förster Christian Thaler (rechts). (Foto: Caruso)

Die fünf Phasen der Waldbewirtschaftung

Wonneberg – Auf Einladung der Jagdgenossenschaft Wonneberg fand eine Waldbegehung eines naturverjüngten Mischwaldes bei Oberau in der Gemeinde Wonneberg statt.


Dabei erhielten die Teilnehmer Praxis-Tipps zur regelmäßigen Bestandspflege während der einzelnen Wachstumsphasen im naturverjüngten Wald. Zum einen wurde deutlich, dass die Jungbestandspflege die Weichen für gemischte, vitale und widerstandsfähige Wälder der Zukunft stellt. Zum anderen wurde veranschaulicht, dass die Gestaltung der Konkurrenzbeziehungen zwischen den Bäumen eine der wichtigsten Aufgaben bei der Behandlung von Mischbeständen ist. Zudem sei es wichtig, den Wildbestand in einem vertretbaren Maß zu halten, sodass der junge Mischwald auch aufwachsen kann, was eine enge Zusammenarbeit zwischen Waldbesitzern und Jägern erfordere, hieß es.

Die Aufgabe, die Zusammensetzung der Baumarten in Dickungen zu einer risikoärmeren Mischung hinzuführen, komme vor dem Hintergrund der vorhergesagten klimatischen Veränderungen eine besondere Bedeutung zu. »Deshalb ist eine positive einzelbaumbezogene Vorgehensweise bei der Jungbestandspflege notwendig«, betonte Leonhard Strasser, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft.

In seiner Eigenschaft als Förster der »Bergwaldoffensive« und daher zuständig für Waldumbau im Bergwald, stellte Christian Thaler vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein die einzelnen Pflege-Maßnahmen vor. Thaler erklärte zunächst, dass die Bodenbeschaffenheit für die Auswahl der Bäume eine entscheidende Rolle spielt. »Auf diesem Grundstück hier gibt es starkes Stauwasser, was höchst ungünstig für die vorhandenen Fichten ist. Am besten eignen sich auf dieser Fläche die ebenfalls vorhandenen Tannen, Kiefern, Stieleichen und Hainbuchen«, so Thaler, der den Blick auch auf die vielfältigen Waldfunktionen richtete und meinte, dass der Waldbesitzer dabei unter anderem auf Bäume achten solle, deren Laub als Futter für die Regenwürmer diene: »Pappeln, Linden, Ahorne oder Kirschen sollten vorhanden sein.«

Thaler ging dann auf die fünf klassischen Phasen in der Waldbewirtschaftung ein: Durch Naturverjüngung (oder Pflanzung) sollte in der ersten Phase der künftige Bestand mindestens aus drei bis vier Baumarten bestehen, die dem Standort und der Erwärmung durch den Klimawandel angepasst sind.

Die zweite Phase beginnt, wenn sich das Kronendach schließt und die Bäume zueinander in Konkurrenz treten. Ohne eine Pflege besteht die Gefahr, dass sich nur einzelne Baumarten oder schlecht geformte Einzelbäume durchsetzen. Daher solle der Waldbesitzer aktiv alle 50 Quadratmeter gezielt einen Baum fördern, indem er die direkten Konkurrenten entnimmt. »Die Bäume dürfen jedoch nicht zu großzügig freigestellt werden, um die anschließende dritte Phase nicht zu gefährden.«

In Phase drei verlieren die Bäume durch erneuten Dichtstand auf den unteren fünf bis acht Metern ihre Äste. In dieser sogenannten Astreinigungsphase gelte es darauf zu achten, dass keine Mischbaumarten ins Hintertreffen geraten. Gegebenenfalls müsse erneut eingegriffen werden. »Waldbau ist immer ein Spiel mit Licht und Schatten«, so Thaler.

Sobald auf den untersten fünf bis acht Metern die Äste abgestorben sind oder der Stamm einen Durchmesser von 14 Zentimeter erreicht hat, wählt man in Phase vier, dem sogenannten Kronenausbau, im Abstand von acht bis zwölf Metern die schönsten Bäume aus, die Zukunfts-Bäume, und stellt sie durch die Entnahme weiterer Bedränger schrittweise frei. »So bleiben die Baumkronen vital und die Bäume stabil«, sagte Thaler. Bei Laubholz müsse der Stamm zudem immer beschattet sein. »Sonst gibt’s nur Brennholz.« Dafür sorgen die vor etlichen Jahren zu den Eichen hinzu gepflanzten Hainbuchen.

Ein Kreislauf soll entstehen

Die fünfte Phase, die Verjüngung, beginnt spätestens, sobald erste hiebsreife Bäume vorhanden sind. Diese werden nach und nach entnommen. So entstehen durch die regelmäßige Holzernte Lücken im Kronendach, in denen sich der Wald erneut verjüngen kann. Zusätzlich könne der Waldbauer schattentolerante Bäume als Voranbau pflanzen. Während »oben« Holz produziert wird, entsteht »unten« zugleich eine neue Baumgeneration. »Ein Kreislauf entsteht.«

Mit diesem Pflegekonzept fördere man das Gute, eine Abkehr von eingeschliffenen Pflegegrundsätzen (Negativauslese) falle vielen dennoch schwer. »Bei der Analyse des Bestands ist der Revierförster gerne behilflich«, informierte Thaler. »Eine umfassende und kostenfreie Beratung bieten alle Förster der Bayerischen Forstverwaltung an. Sie klären auch über die verschiedenen Fördermöglichkeiten beim Waldumbau auf.«

Franz Käsmeier, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Laufen/BGL, ergänzte: »Aktuell seien Fichten zwar sehr gefragt, dennoch sollte man nicht nur auf die Bäume setzen, die am meisten versprechen.« Es gelte auf die Mischung und auf die Bodenverhältnisse zu achten. »Das geringste Risiko gibt es, wenn man vier bis fünf verschiedene Laub- und Nadelbaumarten je Hektar kleinflächig mischt.«

Abschließend begaben sich die Teilnehmer dieser Exkursion zu einem Altbestand an Fichten. Hier zeigte Thaler auf, wie der Holzvorrat auf einer Waldfläche einfach ermittelt wird und wie viel davon geerntet werden soll. Thaler empfahl einen Holzvorrat von 300 bis 400 Festmeter pro Hektar. »Hier sind es etwa 600 Festmeter pro Hektar und damit ein Drittel zu viel.« Die Festmeterzahl sei wichtig, weil zu viel Holzvorrat für den Waldbestand nicht gesund ist – analog einem zu hohen Körpergewicht. Der Bestand sei dann durch Schneebruch oder Stürme gefährdet. Zudem trage die große Baumdichte zur Verdunklung bei, was eine natürliche Waldverjüngung verhindere, sagte der Förster.

»Letztlich wollen wir alle erreichen, dass unsere Wälder auf nachhaltige Bewirtschaftung umgestellt und stabiler werden, ohne dass die Eigentümer ihre wirtschaftlichen Ziele aufgeben müssen«, sagte Leonhard Strasser am Ende der Waldbegehung in Oberau.

ca

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