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»Zweiter Aufschlag«

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Waging: Stefan Schimmel begeisterte beim Zeltl'n-Festival – »Zweiter Aufschlag«
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Als Kabarettist zog der Bad Reichenhaller Zeitungsredakteur Stefan Schimmel beim Zeltl'n-Festival in Waging alle Register der Unterhaltungskunst. (Foto: Müller)

Waging am See – Dass der Reichenhaller Zeitungsredakteur Stefan Schimmel wie gemacht ist für die Bühne, zeigte sich beim Zeltl'n-Herbstfestival. Mit einer bunten Mischung aus Kabarett, Comedy, Entertainment und Gesang begeisterte er die über 100 Besucher und bewies eindrucksvoll, dass er sich auch hinter Bühnengrößen wie Hannes Ringlstetter und Stephan Zinner nicht verstecken muss: »Wie viele sind da, weil sie für Zinner und Ringlstetter keine Karten mehr gekriegt haben?«, fragte er sein Publikum und hatte die Lacher gleich auf seiner Seite.


Nach halbjähriger Corona-Zwangspause ließ Schimmel nun mit den Musikanten Volker Schach (Gitarre) und Andi Vogl (Piano) den »zweiten Aufschlag« folgen. Schimmels erster Aufschlag war an diesem Abend im Netz gelandet, weil der Begrüßungsapplaus viel zu euphorisch war – da wäre für den Schluss ja keine Luft mehr nach oben geblieben. Die Zuschauer durften also gleich nochmals ran, klatschten deutlich zurückhaltender und verhinderten den drohenden »Doppelfehler«.

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Als Beobachter seiner Umwelt ließ er gleich ein paar Anekdoten aus seinem Leben folgen, unter anderem aus der gemeinsamen Schulzeit mit Festival-Veranstalter Günter Wimmer. Der habe einmal beim Gedichtaufsagen tief in die psychologische Trickkiste greifen müssen. »Du musst net guat sei, die Leut müssen glauben, dass du guat bist« – für diesen Satz habe er einst bei einem Seminar für Bühnenkünstler in Österreich hunderte Euro gezahlt und dieses damit quasi alleine finanziert.

Seinem Publikum hatte er im Vorfeld »a bisserl was Neues, a bisserl was Bewährtes und a bisserl was davon, was der Abend bringt« versprochen – und hielt Wort.

Mit viel Improvisation schlüpfte er in verschiedenste Persönlichkeiten und ergründete die Absurditäten des Lebens, beispielsweise beim Speed-Dating und der Schleichwerbung. Sensationell waren seine stimmgewaltigen Parodien von Peter Maffay, Howard Carpendale, Konstantin Wecker, Herbert Grönemeyer, Michael Holm und Udo Lindenberg, die er auf der Suche nach der Echo-Verleihung nach dem Weg fragte. Als wären sie da gewesen – so perfekt gelang die Imitation ihrer Stimmen und Gesangskünste. Selbiges galt für Reinhard Mays »Über den Wolken«, mit dem Schimmel einen argen Zahnarztbesuch musikalisch verarbeitete.

Schimmel liebt den Kontakt zum Publikum und band dieses immer wieder spontan in sein Programm ein. Viel Applaus erhielt er auch für sein vom Waginger Bürgermeister noch nicht abgesegnetes Marktgemeinde-Werbelied und seinen potenziellen Oktoberfest-Hit 2021. »Der war eigentlich erst wieder als Zugabe gedacht, doch bisher durften wir ihn nie spielen«, witzelte er. Er nimmt nicht auch sich selbst gerne aufs Korn, das macht ihn so sympathisch. mmü

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