Wohin mit der neuen Waginger Orgel?

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Michael Müller, der Organist der Pfarrkirche St. Martin in Waging am See, hofft, dass es in Sachen Standplatzfrage für die neue Orgel bald eine Lösung gibt. (Foto: Konnert)

Waging am See – »Kirchenmusik ist ein wesentlich integrativer Bestandteil der Liturgie, sie soll die Gläubigen ansprechen und Emotionen wecken«, sagt Michael Müller, der Organist der Pfarrkirche St. Martin in Waging am See, im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt. In der Marktgemeinde gibt es ein reges kirchenmusikalisches Leben mit mehreren Chören und einem Kirchen-Streichorchester. Nur die Orgel ist in die Jahre gekommen, ein neues Instrument soll jetzt angeschafft werden.


Einig ist man sich darü-ber, dass es eine qualitativ hochwertige Orgel sein soll. »Wir wollen ein Instrument, das von der handwerklichen und klanglichen Qualität 150 Jahre und mehr überdauern könnte«, sagt Organist Müller. Eine wirklich gute Orgel könne das.

Die neue Orgel für St. Martin soll von dem Orgelbauer Klais in Bonn gebaut werden, der zur Zeit auch die Orgel in St. Oswald in Traunstein errichtet. Diese Entscheidung steht fest. »Wir hätten das Geld auch schon zusammen und könnten den Vertrag unterschreiben«, sagt Michael Müller. Wenn da nicht die schwierige Frage des Standplatzes wäre. Denn dort, wo die derzeitige Orgel steht, möchte man das neue Instrument aus verschiedensten Gründen nicht mehr platzieren.

Um dies zu erklären, geht Müller weit zurück in die bewegte Geschichte der Waginger Pfarrkirche. Seit 1699 hätten sich alle Generationen dem barocken Stilempfinden verpflichtet gefühlt. Seit dieser Zeit habe es aber in Waging kein befriedigendes beziehungsweise beständiges Konzept für eine Orgel gegeben. 1872 habe man eine neue Orgel auf die circa 1724 als Holzkonstruktion errichtete, zweite Empore gebaut, die sehr schmal und tief gewesen sei, so dass nur wenig Platz für Chor und Orchester blieb. 1930 hat man die Orgel umgebaut und sie breit und wenig tief »an die Wand gedrückt«, so Müller. Die Folge, die Pfeifen sind kaum zugänglich, eine Reinigung fast unmöglich.

1950 hat man auch diese Orgel schon wieder sanieren müssen, die »mindere Tonqualität« sei aber geblieben. 1990 war man fast soweit, eine neue Orgel anzuschaffen, hat sich dann aber doch noch einmal für die Generalsanierung entschlossen. Die Folge: »Ein Orgelwerk, das weder technisch, noch klanglich überzeugen kann«, so Müller.

Ein Blick in das »Innenleben der Orgel« macht klar, was Müller meint, wenn er von »unzugänglich« spricht. Der Blick aus dem Kirchenschiff auf die Empore zeigt, wie »eingedrückt« die Orgel auf der zweiten Empore erscheint. Man muss weit in den Altarraum gehen, dass man den Gesamtüberblick bekommt. »Uns fehlt auf der zweiten Empore auch die nötige Höhe für bestimmte Pfeifen, vor allem für die tiefen Basspfeifen. Bei der jetzigen Orgel habe man einige Pfeifen einfach umgebogen, wenn sie zu lang waren.

»Ofenrohrpfeifen« nennt sie der Organist leicht ironisch. Und dann fällt der Blick auf einen an den Wänden angebrachten Hinweis, dass aus statischen Gründen nicht mehr als zehn Personen die Empore auf einmal betreten dürfen. Die Folge, ein großer Chor oder ein Orchester (oder beides) können dort nicht konzertieren. Somit würde laut Müller eigentlich alles für den Abriss der fast 300 Jahre alten Holzkonstruktion sprechen und die Platzierung des neuen Instruments auf der ersten, steinernen Empore. Der Raum wäre geöffnet, die Orgel könnte in die Höhe gebaut werden, der Klang könnte sich in dem großen Kirchenraum voll entfalten.

Da diese Empore auch breiter ist, als die obere, wäre auch mehr Platz für Sänger und Musiker. »Für diese Lösung spricht alles, bis auf die denkmalpflegerischen Belange, die einer Entfernung der zweiten Empore und damit der Errichtung der Orgel auf der ersten Empore entgegenstehen«, erläutert Organist Müller. Wichtig für ihn als Kirchenmusiker sei auch, dass man die Orgel sieht. Denn eine Orgel sei immer auch ein Kunstwerk, das erkannt werden und beeindrucken soll und das man daher nicht irgendwie verstecken sollte.

Von der Orgelbaufirma sei deshalb eine zweite Lösung vorgeschlagen worden, eine Orgel als »Zwillingswerk«, aufgestellt auf den beiden Jochnischen (Seitenemporen) rechts und links im Hauptschiff. Chor und Orchester blieben auf der zweiten Empore hinten. Dort könnte sich Müller noch eine zusätzliche kleine Orgel, ein sogenanntes »Chorwerk« vorstellen, nur zur Begleitung der Chor- und Instrumentalmusik. Es könnte als »Echowerk« (III. Manual) über einen Generalspieltisch auf der zweiten Empore in die Hauptorgel integriert werden.

Auch diese Lösung gestaltet sich mit den Vorgaben des Denkmalschutzes schwierig. Man sei nach einer längeren Zeit der Unterbrechung wegen Corona jetzt wieder in Kontakt, so Müller. Der Waginger Organist hofft auf eine baldige Lösung der Standplatzfrage.

kon

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