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Die Überweisung in Höhe von knapp 5000 Euro ist zum Glück nicht zustande gekommen, weil die Mitarbeiterin einer Bank in Waging skeptisch war. (Symbolbild: dpa)

Waginger Verein wird Opfer versuchten Betrugs: »Die Täter wussten genau, was sie tun«

Waging am See – »Von Ihrem Vereinskonto sollen knapp 5000 Euro an den Otto-Versand in Hamburg überwiesen werden. Sie haben zwei Laptops bestellt, die per Vorkasse bezahlt werden müssen. Ist das korrekt?« – Alfons Schmuck, Vorstand des Vereins für Heimatpflege und Kultur Waginger See e.V., staunte nicht schlecht, als er vor ein paar Wochen einen Anruf von der Bank bekam und gebeten wurde, die Richtigkeit dieser Überweisung zu bestätigen. Denn: Sie war alles andere als richtig. Vielmehr stecken bislang unbekannte Betrüger dahinter, die äußerst professionell vorgegangen sind.


Den ersten Verdacht schöpfte eine Mitarbeiterin der VR-Bank in Waging, als die Überweisung in Höhe von 4940,35 Euro vom Verein an den Otto-Versand in Papierform auf ihrem Tisch landete. »In Zeiten von Online-Banking ist das nicht mehr üblich, vor allem nicht bei einem solchen Betrag«, erklärt Johann Praxenthaler, Vorstandsreferent der VR-Bank Oberbayern Südost, im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt.

Noch misstrauischer wurde die Mitarbeiterin dann beim Blick auf die Unterschrift auf dem Überweisungsträger, denn daneben stand zusätzlich der Name von Alfons Schmuck in Druckbuchstaben – ungewöhnlich und im Normalfall vor allem unnötig, da die Bank über Unterschriftsproben ihrer Kunden verfügt. Darüber hinaus stimmte die Unterschrift auch nicht mit der Probe überein. Die Alarmglocken der Bankangestellten läuteten endgültig: Sie entschied sich, die Überweisung nicht auszuführen und den Vereinsvorstand zu kontaktieren.

»Keine Laptops bestellt«

»Ich habe natürlich sofort gesagt, dass wir keine Laptops bestellt haben und die Überweisung auf keinen Fall ausgeführt werden darf«, erklärt Alfons Schmuck. »Außerdem habe ich zahlreiche Vereine in der Region per E-Mail vor der Betrugsmasche gewarnt und umgehend einen Strafantrag bei der Polizei Laufen gestellt.« Polizeihauptkommissar Michael Heinl gibt Auskunft zum Stand der Ermittlungen: »Der gefälschte Überweisungsträger wurde in einem Briefzentrum in Hamburg aufgegeben. Der oder die Täter wussten genau, was sie tun. Sie hätten sich die Bestellung an einen Paketshop liefern lassen, wo die Laptops mit Fantasiepersonalien abgeholt worden wären. Die E-Mail-Adresse, mit der die Bestellung getätigt wurde, hat uns Otto unverzüglich weitergegeben. Allerdings führte auch diese ins Nichts, da die Betrüger ein privates Netzwerk dazwischengeschaltet haben, das die IP-Adresse (sozusagen die Hausnummer des Internetzugangs, Anm. d. Red.) verschleiert. Wer die Laptops bestellt hat, lässt sich also leider nicht mehr nachvollziehen.«

Das Vorgehen mit der Vorauszahlung sei dabei eher ungewöhnlich. Es sei üblicher, dass Betrüger Geldwäsche betreiben: Die Geschädigten werden unter falschen Versprechungen dazu gebracht, Geld auf ein Konto zu überweisen,von dem dieses dann innerhalb kürzester Zeit abgehoben oder weiterüberwiesen wird.

Die Ermittlungen der Laufener Polizei sind damit grundsätzlich abgeschlossen; die Aufklärungsquote solcher Fälle ist aufgrund der professionellen Vorgehensweise ohnehin sehr gering. Allerdings werde das Briefkuvert des Überweisungsträgers derzeit noch auf verwertbare Spuren wie Fingerabdrücke oder Speichel untersucht, so Heinl: »Sollte eine brauchbare DNA-Spur gefunden werden, wird diese in unsere Datenbank eingespielt und kann mit vergangenen oder zukünftigen Straftaten verglichen werden. Vielleicht finden wir so den oder die Täter.«

»Für jeden leicht zu finden«

Dass sich Kriminelle aus Hamburg ausgerechnet einen Verein aus Waging am See aussuchen, ist für Michael Heinl reiner Zufall: »Die Bankverbindung des Vereins steht wegen der Bitte um Spendengelder auf der Website und ist damit für jeden leicht zu finden.«

Auch Johann Praxenthaler von der VR-Bank Oberbayern Südost erklärt, dass Prävention bei derartigen Straftaten schwierig sei, vor allem, wenn die Daten im Internet frei zugänglich sind. Allerdings gebe es mittlerweile, wie auch in diesem Fall, sehr gute Kontrollorgane bei den Banken. Und: »Immer mehr Vereine, Unternehmen und Privatpersonen stellen von papierhaften auf digitale Überweisungen um.«

Doch auch beim Online-Banking komme es immer wieder zu Betrugsfällen. Der Schwachpunkt sei hier aber fast ausnahmslos der Mensch, betont Praxenthaler, etwa wenn es Kriminellen in Telefongesprächen so geschickt gelingt, sich als Bankangestellte auszugeben, dass die Betrogenen freiwillig ihre TAN und andere sensible Daten herausgeben. »Systembedingter Betrug geht in unserem Haus gegen Null«, verspricht der Experte.

Der Verein für Heimatpflege und Kultur Waginger See wickelt alle Zahlungen seit einiger Zeit ebenfalls nur noch über Online-Banking ab. Darüber hinaus ist esAlfons Schmuck wichtig, seine Vereinskollegen für das Thema zu sensibilisieren. Sie haben ein festes Prozedere vereinbart, das bei Überweisungen immer eingehalten wird.

Das empfiehlt auch Dienststellenleiter Erwin Wimmer von der Laufener Polizei: »Die beste Prävention ist es, miteinander zu reden und Überweisungen immer aus einer Hand tätigen zu lassen. Auch die Bank kann man informieren, dass Zahlungen nur noch über Online-Banking laufen. Dann ist man auf der sicheren Seite.«

JuC

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